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Ich war ja kürzlich für längere Zeit in China unterwegs. Alles in allem habe ich zwei Monate damit verbracht, mit Bus und Bahn von einem Ende des Landes ans andere zu flitzen und habe dabei eine Menge toller Orte entdeckt. Hier sind sie also, meine Lieblingsattraktionen, die allesamt einfach nur der Wahnsinn sind und die man bei einer China Reise unbedingt gesehen haben muss:

1. Der Zhangjiajie National Forest Park, Hunan Provinz

Zhangjiajie National Forest park view

Der Zhangjiajie National Forest Park war Chinas erster Nationalpark und deckt ein riesiges Gebiet von über 4800 Hektaren ab. Nachdem James Cameron und die Produzenten von Avatar diese gigantischen, überwachsenden Sandsteinsäulen in den Himmel ragen sahen, fühlten sie sich angeblich dazu inspiriert, die fiktionalen Hallelujah Berge auf dem Planeten Pandora zu erschaffen. Es ist einfach zu sehen, wie diese unglaubliche Landschaft den Film massgeblich prägte: Wanderpfade ziehen sich durch und auf die über 200 Meter hohen Säulen und hier zu wandern ist, auch wenn man ausgesprochen fit ist, kein Kinderspiel. Der Park bietet darüber hinaus auch kühle Flüsse, mythisch anmutende Wälder, mehrere Gruppen wilder Affen, den grössten Outdoor-Fahrzug der Welt, Gondelbahnen, Pagoden und traditionelle Dörfer.

2. Der Mondsichelsee in Dunhuang, Gansu Provinz

Crescent Lake in Dunhuang, China travel photography

Der Mondsichelsee ist ein kleines Naturwunder. Die Quelle ist in ihrer natürlichen Form wie ein perfekter Halbmond geformt und hat so in diesem südwestlichen Ecken der Gobi Wüste für über 2000 Jahre existiert. Eingebettet zwischen den Dünen gibt es in dieser kleinen Oase auch einen grünen Garten und eine Pagode. Obwohl der See davon bedroht war auszutrocknen und für immer unter dem Sand zu verschwinden, wurde er inzwischen von der chinesischen Regierung gerettet. Nun da die Frischwasserquelle aufgefrischt ist, kann man den Mondsichelsee wieder ohne Einschränkungen in Dunhuang besuchen.

3. Die Longji Reisterrassen, Guangxi Provinz

Longji Rice Terraces near Guilin, China

Stell dir eine grüne und braune Landschaft vor, die glitzernde Wirbel, Kreise und Kurven formt. Nebel hängt in der Luft und in den farbigen Feldern, jenseits dem Durcheinander von alten Holzhäusern, sind einige Yao Frauen bei der Arbeit zu beobachten. Die Longji Reisterrassen – der Name bedeutet wortwörtlich “Drachenrücken” – bedecken ein ganzes Tal so weit das Auge reicht mit abertausenden Schuppen. Die wunderschön in die Hänge geschnitzten Reisfelder ziehen ihre Linien bergauf und bergab und nirgendwo wurde eine Fläche unbepflanzt belassen.

4. Die Höhlentempel von Mati Si, Gansu Provinz

Mati Si 1200

Die Höhlentempel von Mati Si wurden vor hunderten von Jahren von den Yuguren gebaut – einer nomadischen Minorität, deren Ursprung in der Mongolei liegt, die sich aber schlussendlich in der Gansu Provinz niedergelassen hat. Die buddhistischen Tempel hoch oben im Fels sind ein Teil grosser Höhlensysteme, die ihren Weg durch das Gestein bis ganz nach oben auf die Klippen winden. Sie beinhalten wunderschöne Kammern mit Schnitzereien, Buddha Statuen und Wandmalereien. Die Höhlentempel waren einst ein wichtiger Halt entlang der Seidenstrasse, wurden aber während eines muslimischen Aufstandes und später während Maos Kulturrevolution zerstört. Heute sind die farbigen Tempel jedoch frisch restauriert und immer noch eine unterschätzte und kaum besuchte Attraktion in China.

5. Shangri-la, Yunnan Provinz

Songzanlin Monastery

Shangri-la ist eine kleine Stadt, die sich im äussersten westlichen Zipfel der Yunnan Provinz befindet. Um mehr Touristen in dieses Gebiet zu locken, wurde die Stadt an der Grenze zu Tibet, die einst Zhongdian genannt wurde, jedoch zu Shangri-la, James Hilton’s fiktionalem Bergparadies, umbenannt. Leider brannte jedoch Anfang 2014 fast die gesamte Altstadt nieder und der Tourismus brach als Folge fast komplett ein. Heute jedoch ist Shangri-la, vor allem dank der Abwesenheit der sonst allgegenwärtigen Menschenmassen, mehr denn je ein Besuch wert. Das Ganden Sumtsenling Kloster befindet sich nur unweit ausserhalb der Stadt am Ufer eines kleinen Sees inmitten der grünen Hügel der Berglandschaft und ist das grösste buddhistische Kloster in der Yunnan Provinz. Das Gebäude erinnert an den Potala Palast in Lhasa und beherbergt auch heute noch an die 700 Mönche.

6. Die Regenbogen Berge, Gansu Provinz

Rainbow Mountains, also called the Danxia Landform and UNESCO World Heritage Site near Zhangye, in China's Gansu Province. This is off the beaten path China, a destination for backpackers. Colorful Rock formations, peaks, valleys and hills.

Lust auf ein farbiges, chinesisches Wunderland? Du hast Glück, die Suche ist vorbei: die Danxia Landform, auch bekannt als die Regenbogen Berge, befindet sich in der Nähe von Zhangye und sieht aus wie eine gigantische Geburtstagstorte auf LSD. Verschiedenfarbige Sandsteinschichten, die von knalligen Gelb-, Orange- und Rottönen bis hin zu sattem Blau und Grün reichen bedecken die Hügel, gezackten Gipfel und schroffen Täler der Landschaft. Besucher können sich hier entweder zu Fuss auf Entdeckungstour begeben und die vielen Aussichtspunkte hoch über den Bergen besteigen, oder mit einem Bus entlang einer pinken Pflasterstrasse durch die Landschaft cruisen. Es ist cool, es macht Spass und einen Ausflug zu den Regenbogen Bergen ist definitiv nicht wie ein gewöhnlicher Wanderausflug.

6. Die Panda Base, Sichuan Provinz

Panda Bear at the Bifengxia Panda Base in Sichuan Province near Chengdu, China.

Die Sichuan Provinz ist ja bereits bekannt dafür, die Heimat einer Mehrheit der verbleibenden Grossen Pandas zu sein. Während die süssen Bären ihr Zuhause in mehreren Forschungsstationen gefunden haben, ist mein persönlicher Favorit die Bifengxia Panda Base in Ya’an. Das kleine Örtchen Ya’an liegt rund zwei Stunden ausserhalb der Grossstadt Chengdu und die Pandas leben hier inmitten grüner Wälder neben der schönen Bifeng Schlucht. Der Ort ist Natur-pur und weit weg von Chinas Luftverschmutzung, lärmenden Menschenmassen und Verkehrschaos. Hier kann man die Panadas nicht nur in ihren weitläufigen Gehegen beobachten und viel über die Pandaforschung und -Zucht lernen, sondern auch Wanderungen durch die Schlucht zu den Wasserfällen unternehmen.

7. Der westlichste Punkt der Chinesischen Mauer bei Jiayuguan, Gansu Provinz

The westernmost part of the Great Wall of China in Jiayuguan, Gansu Province

Es muss nicht immer Peking sein. Die Chinesische Mauer ist eine lange Aneinanderreihung von Mauerfragmenten, die tausende Kilometer, mehrere Dynastien und verschiedene Kulturrichtungen umfasst. Der westlichste Punkt dieser architektonischen Meisterleistung kann in Jiayuguan besucht werden und befindet sich komplett abseits des ausgetrampelten Touristenpfades. Dieser Endpunkt der Mauer wurde komplett restauriert und obwohl das Bauwerk hier vielleicht nicht so hoch oder so beeindruckend wie die östlichen Abschnitte erscheint, hatte ich die Mauer doch ganz für mich allein, was zum Charme dieser Attraktion beiträgt. Die Chinesische Mauer windet sich hier über die rauen Berge dieser trockenen, wüstenartigen Landschaft und die angeschlossene Festung, ein Museum und Gräber geben über die chinesische Geschichte aus einem ganz neuen Blickwinkel Auskunft.

8. Die Karstlandschaft von Yangshuo, Guangxi Provinz

Yangshuo Karst Landscape

Ok, Yangshuo is doch so einigen Reisenden ein Begriff, obwohl viele von ihnen sich doch eher für Guilin entscheiden, das sich ungefähr eine Stunde flussaufwärts befindet. Während Guilin eine grosse, überfüllte und mit Smog überzogene Stadt ist, befindet sich Yangshuo etwas mehr im Einklang zur Natur. Natürlich zieht auch Yangshuo viele Touristen an, aber hier kann man Fahrräder oder Scooter mieten, damit dem Touristenchaos entfliehen und gemütlich durch die grüne Landschaft mit den vielen überwachsenen Karsthügeln fahren. Wer etwas fauler ist, kann sich auch stundenlang auf einem Bambusfloss auf dem Li River treiben lassen und die Hügel langsam vorbeiziehen sehen.

9. Die Schilfrohrflötenhöle, Guangxi Provinz

Reed Flute Cave in Guilin, China

Die Schilfrohrflötenhöhle befindet sich nur wenige Kilometer ausserhalb von Guilin in der Guangxi Provinz, wäre aber auf den ersten Blick eher auf einem fernen Planeten anzusiedeln. Sie erhielt ihren poetischen Namen dank des Schilfs, welches ausserhalb der Höhle wächst und aus dem sich angeblich melodische Flöten basteln lässt. Die Höhle wird in allen Farben des Regenbogens beleuchtet und die Stalaktiten und Stalagmiten formen mit etwas Phantasie Berge, interessante Muster aber auch seltsamere Dinge. Wer genau hinschaut, kann verschiedene Kreaturen aus der chinesischen Mythologie im Gestein und den Spiegelungen auf den glatten Wasseroberflächen entdecken. Alte Inschriften und Gedichte beweisen, dass die Höhle bereits vor über 1000 Jahren durchaus populär war, wiederentdeckt wurde sie jedoch erst im zweiten Weltkrieg, als eine Gruppe Flüchtlinge auf der Suche nach Unterschlupf auf die Höhle in den Karsthügeln stiess.

10. Maos gigantischer Kopf in Changsha, Hunan Provinz

Mao Zedong's head

Mao Zedong wird ja üblicherweise als alter, weiser Staatsmann dargestellt – mit beginnender Glatze und halt eben eher schlaff als straff. Changsha wurde dieser Darstellung jedoch abtrünnig und baute ganz frech einfach mal eine absolut gigantische Büste, die den ehemaligen Führer in seiner Jugend darstellt, komplett mit den perfekt gemeisselten Gesichtszügen und einer voluminösen Haarpracht, die im nicht vorhandenen Wind weht. Der Stolz auf den kommunistischen Revolutionär war so gross, dass beim Bau der Statue, die über 30 Meter hoch ist und angeblich 300 Millionen Dollar gekostet hat, jegliche Einwände, die das Bauwerk als ungenau oder zu verschwenderisch betitelten, prompt komplett ignoriert wurden. Finden kann man den übergrossen Kopf auf der Orangeninsel, einem hübschen Inselpark, und diese Kuriosität ist den kleinen Umweg in die Hauptstadt der Hunan Provinz definitiv wert.




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