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Die meisten Menschen besuchen Amsterdam nicht wegen der Tulpen. Die Stadt ist berühmt berüchtigt für ihre Toleranz gegenüber allen möglichen dubiosen Geschäften. Nirgendwo sonst in Westeuropa kann man in einen Coffee Shop hinein marschieren und sich Marihuana von einer Speisekarte bestellen oder sogar ein Tages-Special auswählen, mit Freunden einen Space Cake oder ein Pot Brownie teilen, sich nur schon aufgrund der Dämpfe auf den Strassen high fühlen und in eine solch alternative Kultur eintauchen, ohne Angst haben zu müssen, dass man verhaftet wird.

In den letzten Jahren sind rund um die Cannabis-Kultur in den Niederlanden eine Menge neuer Gesetze aufgetaucht. Zum Beispiel werden Coffee Shops in der Nähe von Schulen nicht mehr geduldet und der Marihuana-Konsum in der Öffentlichkeit ist nun illegal. Obwohl die Hauptstadt der Niederlande bisher oftmals die Ausnahme der Regel war, hat sich die Stadtverwaltung von Amsterdam nun ein härteres Vorgehen gegenüber den anrüchigen Geschäften der Stadt zum Ziel gesetzt. Laut Eric, unserem netten Gastgeber im Amsterdam Cribs, ist die Stadt drauf und dran, die Coffee Shops und Bordelle von den Strassen zu verbannen und das Gewerbe nur noch auf bestimmte ausgewählte Kanäle zu begrenzen.

Cannabis Plant in the Hash, Marijuana and Hemp Museum

Alles in allem spielen sich in Amsterdam momentan demnach so einige Veränderungen ab, inklusive der Einschränkung der berühmten Haschisch- und Rotlicht-Kultur, welche die Touristen seit Jahrzehnten in die Stadt lockt. Das spannende Stadtzentrum ist für die Sex-Industrie und die vielen Coffee Shops genauso berühmt wie für die schönen Gebäude und die faszinierenden Kanäle.

Das von Eric erwähnte “Projekt 1012” zielt darauf ab, die Innenstadt von Amsterdam in ein Wohn- und Geschäftsviertel zu verwandeln und den Rotlichtbezirk und die Coffee Shops um bis zu 50% zu reduzieren. Dazu gehören auch die vielen Sex-Shops, die Live Kinos, die trashigen Souvenirläden und die Massagesalons. Diejenigen Locations, welche die Erlaubnis erhalten ihren Betrieb weiterzuführen, müssen damit rechnen, in Zukunft viel stärker reguliert zu werden.

Allerdings besuchen Touristen Amsterdam ja mit genau der Absicht, sich den anrüchigen und umstrittenen Geschäften der Stadt auszusetzen, was Amsterdam bisher auch toleriert hat. Besucher suchen gezielt nach den trashigen Geschäften, billigen Sexshops und verrauchten bis schäbigen Coffee Shops und viele wollen auch einfach mal diese Nutten in den Fenstern anstarren. Es ist unumstritten, dass der Fluss dieser touristischen Gelder in solche Geschäfte seine Schattenseiten hat. Die Gefahr besteht jedoch, dass das Projekt 1012 Amsterdams Tourismusindustrie schwere Schäden zufügen wird

The Hill Street Blues

Aufgrund eines Gesetzes, welches 2007 den Coffee Shops den Verkauf von Alkohol verboten hat, mussten sich viele dieser Establishments damals entscheiden, ob sie weiterhin ein Coffee Shop bleiben oder eine Bar werden wollen. Ein grosser Teil der Betriebe, die sich dafür entschieden haben Alkohol zu verkaufen, bleiben dennoch „Raucher-freundlich“, was bedeutet, dass man sein eigenes Gras mitbringen und rauchen, dieses jedoch nicht an der Theke kaufen kann.

Die meisten Betriebe, wie das “Hill Street Blues“, haben sich angepasst und weisen jetzt mit Schildern an der Theke auf den Coffee Shop gegenüber hin, wo man einen Joint erwerben und dann zurück kommen kann. Das Hill Street Blues, welches sich ironischerweise direkt neben einer Polizeiwache befindet, war einer meiner Lieblingsplätze in Amsterdam. Alles, und ich meine wirklich alles, von Wänden über Möbel bis zur Bar, ist von Schichten über Schichten von Graffiti bedeckt. Einige Leute haben es sogar geschafft an die Decke zu kritzeln. Es ist ein schöner Ort und eine Erinnerung an Amsterdams alternative Kultur.

Amsterdam befindet sich jedoch im Wandel, und wer die tolerante Cannabis- und Rotlicht-Kultur noch erleben will, der muss sich beeilen.

 

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