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Sich mal auf ein Rollfeld zu legen, mit dem Fahrrad die Landebahn runterzuradeln oder im Schatten von imposanten Terminals zu grillen und Drachen steigen zu lassen, kann man nicht einfach überall. Ich habe meinen letzten Tag in Berlin genutzt, um den alten Berliner Flughafen Tempelhof zu besuchen. Trotz einiger Aufenthalte in der Hauptstadt und vieler Ratschläge seitens von Freunden und Hotelpersonal, hatte ich es bisher noch nicht geschafft, die verlassenen Startbahnen auch mal persönlich zu beschreiten.

Berlin Tempelhof Airport

Zugegeben, mein gewählter Tag war nicht wirklich ideal. Es ist Ende Oktober und eine dicke Wolkendecke hat sich über Berlin ausgebreitet. Zusätzlich hat ein leichter Regen eingesetzt, was aber viele Ausflügler nicht davon abhält, sich im neu kreierten Park den Nachmittag zu vertreiben.

Obwohl „Park“ eigentlich eine etwas zu optimistische Bezeichnung für das ist, was vom ehemaligen Flughafen übriggeblieben ist. Tatsächlich sieht die Flughafenanlage, abgesehen von etwas verblassender Farbe und dem bröckelnden Beton, noch genauso aus wie damals. So als könnte jederzeit ein Flugzeug landen oder starten. Eine riesige, baumlose Grasfläche, dreimal grösser als London’s Hyde Park, breitet sich inmitten von Berlin aus und die Skyline schrumpft in der Ferne zu einem undeutlich dunstigen Balken. Ohne das sonst in Parks übliche Grünzeugs, die Blumenbeete und Wasserflächen, sieht der Flughafen aus wie eine riesige – und dank des düsteren Wetters – apokalyptische Einöde.

Berlin Tempelhof Airport

Betrachtet man das gigantische bogenförmige Flughafengebäude, kommt einem eigentlich nur das Wort „monumental“ in den Sinn. Erbaut in den 1920er Jahren, hat der ursprüngliche Flughafen den Nazis jedoch nicht genügt und ein imposanterer Neubau musste her, welcher der NS-Ideologie auch gerecht wurde. Damals war das Gebäude sogar das Flächengrösste der Welt, stand aber auch aufgrund seines Status als zentrales Versorgungszentrum während der Berliner Luftbrücke in den News und wurde mehrfach als „Mutter aller Flughäfen“ bezeichnet.

Der eindrucksvolle Flughafen ist heute Ausflugsziel vieler Picknicker, Kitesurfer, Radfahrer und Skater. Trotz des suboptimalen Wetters beobachte ich Familien, die zusammen Drachen steigen lassen, Kitesurfer die mit dem aufkommenden Wind an mir vorbeiflitzen und ein paar Spaziergänger wie ich. Ich kann mir nur vorstellen, wie beliebt und gut besucht der Park in den Sommermonaten ist.

Berlin Tempelhof Airport

Ein Ausflug zum Flughafen Tempelhof muss jedoch nicht unbedingt eine Schönwetteraktivität sein. Die Anbindung an das U-Bahn Netz ist hervorragend und man kann auch einfach mal kurz vorbeischauen und sich für einige Minuten auf ein Rollfeld stellen. Es werden zudem tägliche Führungen angeboten, für die ich jedoch keine Zeit hatte (ja ja, die Arbeit hat wieder mal gerufen). Vielleicht dann beim nächsten Mal.

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