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Während ich in leichtem Nieselregen stehe und beobachte, wie der frühmorgendliche Nebel aus allen Seiten um uns wallt, wird das Telefon an Brendan übergeben. Es ist 6 Uhr morgens und düster. Die Sichtweite beschränkt sich auf wenige Meter und ich weiss, das irgendwo gegen Süden der Vulkan Bromo Schwefelwolken in den Himmel spuckt. In Richtung Osten, am Rande der riesigen Caldera, liegt das kleine Dörfchen Cemoro Lawang, die eigentliche Enddestination. Unser Fahrer hatte jedoch nach einer miesen Sunrise Tour, welche uns zu einer mit hunderten Menschen überfüllten Aussichtsplattform geführt hatte und von wo aus man sowieso nichts sah, beschlossen, dass wir keine andere Wahl hätten, als im Sandmeer bei dem miserablen Wetter zu warten, während zwei Schwedinnen auf den Vulkan wandern.

Bromo (on the left) and the sand sea on a nicer day.

Bromo und das Sandmeer an einem schöneren Tag.

Zwei deutsche Reisende, Brendan und ich halten da gar nichts von. Wir und die Deutschen hatten bereits am Vortag bei schönem Wetter den Vulkan bestiegen und in Anbetracht der Tatsache, dass die Sichtweite sowieso bei Null liegt und der generellen Frustration über eine schlechte Tour, wollen wir alle einfach nur zurück und versuchen den Fahrer dementsprechend von der Idee zu überzeugen. Die Fahrt würde maximal 10 Minuten dauern und für die schwedischen Mädchen könne er dann daraufhin ganz einfach zurückkehren. Wir hatten ja schliesslich genug bezahlt.

Der Fahrer weigert sich jedoch und lässt sich durch alle noch so vernünftigen Argumente nicht überzeugen – aber immerhin ruft er seinen Chef an und reicht uns das Telefon. Brendan übernimmt die Führung und rechnet dem Kerl am anderen Ende der Leitung, der jetzt darauf besteht, dass der kurze Umweg zu viel Benzin verbrauchen würde, die Sachlage vor: den kompletten Jeep für den Ausflug zu mieten kostet rund 400’000 Rupiah (40$), unabhängig davon, wie viele Leute schlussendlich drinsitzen. Da wir sechs alle separat gebucht haben, zahlten wir pro Ticket 125’000. Effektiv blechten wir alle für das Auto 750’000 und somit 350’000 zu viel, und ermöglichten dem Tourveranstalter zum üblichen Profit noch einen ziemlichen Gewinn.

Hiking back to town in the mist.

Wandern durch den Nebel nach Cemoro Lawang.

Brendan fährt einen harten Kurs, aber der Chef hat bereits die Möglichkeit gewittert, den dummen Touristen noch etwas mehr Geld abzupressen. Er besteht darauf, dass wir eine zusätzliche Gebühr bezahlen müssen, um ins Dorf zurückgefahren zu werden. Hier überhitzen sich die Gemüter schliesslich komplett und während wir vier wütend in Richtung Cemoro Lawang losstapfen, rufe ich den Typen um die Jeeps rum noch den einen oder anderen Kraftausdruck zu.

Viele von euch haben wahrscheinlich schon vom Bromo Tengger Semeru Nationalpark in Indonesien gehört, einer dunklen Vulkanlandschaft auf der Insel Java, die an Mordor erinnert. Nach unserer Fluch aus Bali, war es für Brendan und mich eigentlich klar, dass wir auf unserem Weg nach Jakarta hier noch einen kleinen Zwischenstopp zum Wandern einlegen würden.

Im Krater des uralten Tengger Vulkans, wo jetzt vier neue Bergspitzen, einschliesslich des berühmten Bromo, in den Himmel ragen, erstreckt sich auf einer Fläche von über 5000 Hektar das einzige Sandmeer Indonesiens. Und wir sind mittendrin gestrandet.

The sand sea as seen the day before.

Sicht auf das Sandmeer am Tag zuvor.

Zum Glück weisen uns einige Spuren im Sand den Weg durch das Nebelmeer, während wir schwer beladen Richtung Osten stapfen – die zwei Deutschen schleppen ihr komplettes Gepäck und auch Brendan und ich hatten, in der Erwartung rumchauffiert zu werden, die gesamte schwere Kameraausrüstung eingepackt. Nach rund einer halben Stunde Fussmarsch, kommen wir früher als erwartet, aber keuchend, erschöpft und hungrig vom steilen Aufstieg auf den Rand der Caldera beim Hostel an.

Versteht mich nicht falsch, der Bromo Nationalpark ist ziemlich cool und die Landschaft unglaublich, aber die angebotenen Touren sind eine einzige grosse Abzocke und euer Geld und die Zeit nicht Wert. Lest im nächsten Artikel mehr darüber, wie man ganz einfach auch ohne Tour den Bromo Vulkan besteigen kann und wo es auch ohne lange Jeep-Fahrt tolle Sonnenaufgänge zu geniessen gibt.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

2 Responses

  1. Ewald

    Es ist halt überall so, wo viele Touristen sind, versucht man diese über den Tisch zu ziehen. Für die einheimischen Touranbieter eine einmalige Chance, möglichst wenig zu bieten und viel zu verdienen. Gut habt ihr Euch gewehrt und Ihnen die Grenzen aufgezeigt.

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    • Tiffany

      Das kleine Dörfchen da oben grenzt schon wieder an eine Touristenfalle – sie haben halt ein Monopol auf dem Berg und können daher machen, was sie wollen. Viele Besucher haben wohl auch Angst, alleine und ganz ohne Tour loszuziehen und bezahlen lieber für einen überrissenen Ausflug mit den Jeeps. Tatsächlich ist das Wandern zu den Vulkanen aber relativ einfach und eigentlich für jeden machbar.

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