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Bali ist dreckig.

So, ich habs gesagt. Es ist das Fazit, welches ich nach rund fünf Wochen auf Bali gezogen habe. Eine Insel, welche von den Hochglanzmagazinen oft als „Götterinsel“ beschrieben wird, mit Fotos von unberührten Stränden, üppigen Reisfeldern und tanzenden Frauen in traditioneller Kleidung. Was ich jedoch auf Bali gefunden habe, ist etwas, dass irgendwo zwischen Touristenfalle und Müllkippe anzusiedeln ist. Der Norden ist leicht besser als der Süden und es gibt in Bali schöne Plätzchen – grüne Reisterrassen, charmante kleine Bergdörfer, bunte Tempel und eine recht interessante Tierwelt – aber vor allem der Süden hat sich derart negativ in meiner Erinnerung eingeprägt, dass man mich ziemlich gut bezahlen müsste, dass ich dahin zurückkehren würde. Denn auch die schönsten Orte in Bali werden von einer gigantischen öffentlichen Abfallkatastrophe überschattet.

Es ist Zeit, über meine Hass-Liebe zu Bali zu schreiben. 

The beauty of Bali outside the tourist-zone.

Pura Ulun Danu Bratan: die Schönheit Bali’s ausserhalb der Touristenzone.

Kuta: probably one of the most touristy places on the planet.

Kuta: der wohl touristischste Ort auf dem Planeten.

Die gute Nachricht: Bali hat Potenzial

Bali hat eine Menge Potenzial. Die Insel ist voller wunderschöner Reisfelder, auf denen Frauen wie Männer in bunten Kleidern und mit diesen runden, spitzen Hüten arbeiten, die Tempel und Zeremonien sind unglaublich farbig und schön und die Religion wirklich faszinierend. Es gibt drei Vulkane auf Bali – Batur, Bratan und Agung – sowie einige Bergketten, die aus der grünen Landschaft mit beindruckenden Gipfeln aufsteigen und die entweder alleine oder mit einer geführten Tour erkundet werden können. Es gibt ruhige Seen, gewundene Bergstrassen und Wasserfälle in üppigen Regenwäldern, wie zum Beispiel Gitgit und Munduk.

Green rice fields up around Ubud.

Grüne Reisfelder in Ubud.

Pura Ulun Danu Bratan - the famous water temple on Lake Bratan.

Pura Ulun Danu Bratan – ber berühmte Wassertempel am Lake Bratan.

Little shrine on Lake Bratan.

Kleiner Schrein am Lake Bratan.

Sobald ich jeweils die touristischen Zentren verlassen habe, fand ich einige schöne Plätze und ich genoss die Zeit, wenn Brendan und ich uns einfach auf einen Scooter setzten und die Insel nach Lust und Laune erkundeten. Als ziemlich touristische Insel, sind die meisten Sehenswürdigkeiten wie Tanah Lot und Uluwatu natürlich ziemlich überfüllt, mit vielen Reisebussen, welche die Touristen in Massen heranchauffieren. Meistens muss man auch noch einen grossen Parkplatz durchqueren und sich durch einen Markt schlagen, um überhaupt zu dem Tempeln zu gelangen. Solange man jedoch nicht mitten am Tag an einem Wochenende dort steht, sondern einigermassen früh am Morgen hinfährt, kann man jedoch auch dieser Hektik entgehen. Wenn man jedoch nach Bali kommt und sich einsame Strände und ruhige Dörfchen erhofft, muss man schon sehr weit fahren oder früh aufstehen.

Munduk Waterfall on the north side of the island.

Der Munduk Wasserfall auf der Nordseite der Insel.

Die schlechte Nachricht: Bali ist eine gigantische öffentliche Abfallkatastrophe

Offensichtlich ist die Region um Kuta/Legian/Seminyak eine Touristenhölle, aber die Tatsache, dass ich mich ins Territorium der schlimmsten Partytouristen begeben hatte, war nicht mal mein grösstes Problem. Ich habe versucht der Region wirklich eine Chance zu gegeben. Ich habe verdreckte Strände abgeklappert und bin in einem Meer aus Plastik baden gegangen, in der Hoffnung, doch endlich irgendwo diese angeblich so schönen Strände zu finden. Ich rede nicht von der einen oder anderen Flasche, die vielleicht mal irgendwo weggeworfen wird – manchmal war das Meer derart dreckig, dass auf dem Wasser nur noch ein endloser Plastikteppich zu sehen war. Watet man ins Wasser, fühl man den Müll an den Beinen vorbeiziehen und die Verpackungen verheddern sich in Zehen und Fingern. Kombiniert mit den zugeflüsterten „hello daaarling“ Kommentaren von dubiosen Männern, den ständigen Angeboten, ich solle doch ein paar Magic Mushrooms kaufen und der Meute von Obermachos mit „I fucked Rhonda“ shirts, gab ich irgendwann auf und nahm mir vor, lange Tagesausflüge ins Hinterland zu unternehmen und den Rest der Zeit auf der Couch oder mit Street Food Essen zu verbringen.

Trash on Seminyak Beach.

Abfall am Seminyak Beach.

Attempted clean up at the more touristy and hip Kuta Beach.

Aufräumversuche am touristischeren Kuta Beach.

Die Verschmutzung in vielen Regionen von Bali hat derart schlimme Ausmasse angenommen, dass jeder, der nicht völlig betrunken in einer Seitenstrasse liegt, den Drang verspürt sich in einem Eimer voller Erdnuss-Chili Satay Sauce zu ertränken oder das nächste Flugzeug nach Hause zu nehmen. Die widerlichen Bedingungen an den Stränden und im Wasser zwischen Dezember und März werden offiziell den Winden und Meeresströmungen zugeschrieben, welche um diese Jahreszeit den Müll aus der Richtung von Java in Bali an Land schwemmen.

Natürlich können die Balinesen das Wetter nicht kontrollieren, aber irgendwie kaufe ich denen diese „lasst uns Java die Schuld in die Schuhe schieben“ Nummer nicht ganz ab. Es scheint sich vielerorts in Indonesien, nicht nur in Java, das gleiche Bild abzuzeichnen. Auch wenn man die Touristenzentren und grösseren Städte verlässt und die Postkartenörtchen aufsucht, ist da immer noch der Müll. Der Abfall, welcher das Hinterland bedeckt ist nur eine Erweiterung der widerlichen Zustände, die an den Stränden zu finden sind. Genau wie auf der Nachbarinsel Java, scheinen auch in Bali viele Leute eine völlige Gleichgültigkeit gegenüber dem Planeten und ihrem Zuhause an den Tag zu legen. Manche versuchen den Müll hinter Bäumen und in Gräben zu verstecken, aber noch öfter wird der Abfall einfach nur achtlos auf die Strassen, die Felder und vor allem in die Flüsse geworfen. Sogar die Nationalparks sind mit Plastik übersäht!

Trash hidden beside a building at the Uluwatu Temple.

Abfall beim Uluwatu Tempel – achtlos neben ein Gebäude geworfen.

Es ist diese Einstellung vieler Einheimischer, dass es vollkommen in Ordnung ist, absolut alles in den nächsten Fluss zu schmeissen – im Stil von aus den Augen aus dem Sinn – die der wahre Ursprung des Problems ist. Der Müll gerät dann mit dem nächsten Regen in den Ozean und wir dann einfach irgendwo anders an Land gespült. Warum scheint es die Indonesier nicht zu kümmern, was mit ihrem schönen Land passiert? Ist es ein Mangel an Bildung? Eine inkompetente Regierung? Wahrscheinlich ist es eine Kombination von Beiden. Die gesellschaftliche Akzeptanz, die diesem Littering entgegengebracht wird scheint tief in der Lebensweise der Menschen verankert zu sein. Es gibt ja nicht mal eine Kanalisation auf Bali – alles wird in die Flüsse und somit in den Ozean geleitet.

Fakt ist, der Ort ist eine umwelttechnische Katastrophe und Veränderungen werden dringend benötigt. Bis jetzt scheinen jedoch die Indonesier damit beschäftigt zu sein, sich gegenseitig oder dem Wind die Schuld zuzuschieben oder in einem Zustand der kompletten Verleugnung zu leben. Bali hat das Potential eine wunderschöne Insel zu sein und muss seine Umweltprobleme bald in den Griff kriegen – oder zusehen wie seine Popularität zunehmend abnimmt. Touristen wollen ihren Urlaub nicht an komplett verschmutzen Stränden verbringen oder sich beim Entdecken der Nationalpärke über Plastikflaschen aufregen –sie werden bald anderswo hin reisen. Die Hochglanzmagazine können nicht alles vertuschen.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

13 Responses

  1. Jutta

    Zuletzt war ich 1997 (!) dort … Ich möchte auch nicht unbedingt wieder hin … Aber woher kommen die Müllberge zB in Kuta? Party-Hochburg … Die Einheimischen schieben den Müll vielleicht zur Seite … Aber wer hinterlässt ihn? Nicht (nur) die Einheimischen. Seufz …
    Jutta

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    • Tiffany

      Ja die Touristen sind definitiv auch daran beteiligt. Ein Teil des Problems ist auch, dass nirgends Abfallkübel zu finden sind. Ich habe meinen Müll of stundenlang rumgeschleppt um das Zeugs schlussendlich zu Hause zu entsorgen. Der Grossteils des Plastiks stammt aber aus den Flüssen, sobald es regnet sieht man die Einheimischen mit dem Abfall hinrennen um alles möglichst schnell ins Wasser zu schmeissen, damit es weggeschwemmt wird.

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  2. Ewald

    Unglaublich und schockierend. Überall wo die Massen sich vergnügen, zerstören sie die Umwelt. Und da wollten wir mal hin. Aber eben, der Mensch denkt nur noch egoistisch, nach dem Motto “nach mir die Sintflut”! Das kommende Generationen auch noch das Bedürfnis haben werden ein intaktes und sauberes Bali anzutreffen, wird völlig ignoriert.

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    • Tiffany

      Wirklich schockierend, auch für mich, ein völlig anderes Bild zu sehen als in den Magazinen angepriesen wurde. Während die Touristen sicherlich auch ihren Teil beitragen sind für die Müllkatastrophe vor allem die Balinesen bzw. Indonesier selber verantwortlich. Das völlige Fehlen eines Abfallentsorgungssystems führt dazu das absolut alles in den nächsten Fluss geschmissen wird – der Müll gelangt somit in den Ozean. Geht nicht nach Bali, es gibt in der Gegend viel schönere, ruhigere und vor allem sauberere Destinationen.

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  3. Claudia

    Eigentlich stand Bali ja auf meiner Bucket-List. Mein Mann, der bereits da war, weigert sich aber standhaft. Nach dem Bericht denke ich, dass er tatsächlich Recht hat. Schade!

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    • Tiffany

      Wirklich schade, aber zum Glück gibts noch einige hübsche Örtchen in der Gegend, die nicht derart verschmutzt sind. Vielleicht findet eines Tages in der balinesischen Gesellschaft doch noch einen Sinneswandel statt und ihr könnt trotzdem noch hinfahren. Bis dann, happy travels weit weg von Bali.

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  4. Simon

    Hallo Tiffany
    Den Kommentatoren kann ich nicht zustimmen.

    Wir waren vor fast 10 Jahren dort und letztes Jahr wieder. Wir waren in Java, Lombok (und Umgebung) und Flores (und Umgebung) für etwa 3 Monate.
    Der Müll in Flores, Java oder Lombok ist genau gleich, wenn nicht noch grösser, und dort gibt es keinen Tourismus. Der Tourismus ist definitiv nicht Schuld an dem Müll.

    Du schreibst richtig, die Einheimischen haben kein Verhältnis zu Müll. Ihnen ist es egal im Müll zu leben. Sie denken sich nichts dabei, Plastikmüll direkt im Land zu entsorgen. Auch in den eigenen Reisfelder oder Vorgärten! Ihnen ist die Problematik schlicht nicht bewusst.

    Es ist auch Aufgabe des Tourismus, sie darauf aufmerksam zu machen. Das geschieht zum Teil bereits in Bali, mit den Entsorgungen am Strand. Klar, sie kippen es dann einfach an den nächsten Strand. Aber ohne Ausseneinwirkung werden sie nichts ändern.

    Jemandem die Schuld dafür zu geben ist schwierig. Ev. der Industrie. Die Indonesier wurden überrollt von Coca Cola Flaschen und Plastik Beutel, sind aber mit ihrer Entwicklung noch 100 Jahre nicht so weit, mit dem Abfall umgehen zu können. Wie wäre Europa im Jahr 1850 mit Plastikmüll umgegangen?

    Die industrialisierten Länder müssten dringend Druck machen auf die Indonesische Regierung.

    Ich finde Bali und insbesondere Indonesien ein fantastisches Reiseland und wegen des Mülls nicht dort hin zu gehen wäre mehr als schade. Land und Leute sind unvergesslich und das Land hat so unglaublich tolle Seiten!

    Falls jemand noch Tipps für die Reise braucht, kann er sich gerne bei mir melden. Ich würde jederzeit wieder dorthin zurück 😉

    Liebe Grüsse aus Mexiko.
    Simon

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    • Tiffany

      Toller und ausführlicher Kommentar Simon mit einigen sehr guten Gedanken. Ich habe jetzt auch schon von verschiedenen Seiten gehört, dass es vor allem die Expat-Community ist, die Druck macht, dass endlich aufgeräumt wird. Aber ja, die Entwicklung in Sachen Müll ist wirklich hundert Jahre im Verzug und das muss sich wohl erst langsam aufbauen.

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  5. Jan

    Hallo,
    leider muss ich dir zustimmen, dass in vielen Teilen Balis wirklich sehr verdreckt ist. Die Müllpolitik ist grauenhaft und wer längere Strecken wandert, wird immer wieder von Rauch verbrannten Mülls eingehüllt. Den Geruch bekommt man kaum noch aus der Nase raus. Der Kontrast zur grünen und blühenden Natur könnte kaum größer sein.

    Meine Rettung war damals, die Flucht auf die Nachbarinseln, wo man noch etwas Einsamkeit und weniger Umweltverschmutzung erleben konnte.

    Besten Gruß,
    Jan
    von sovielzusehen

    Ps: Besonders traurig als Surfer und Taucher bleibt die Zerstörung der Riffe mittels TNT-Fischen, was verboten ist, aber leider immernoch heimlich betrieben wird.

    Reply
    • Tiffany

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar Jan, das mit dem TNT Fischen wusste ich gar nicht! Der ganze Müll im Wasser ist ja schon eine Sauerei, aber das ist ja unglaublich… Falls ich dann doch wieder einmal in Indonesien lande, werde ich es dir gleich tun und mich auf die Nachbarinseln verziehen.

      Reply
  6. Pascal

    Hallo und Gruss aus Bali

    Ich bin im moment in Bali. Es ist einfach das Paradies hier. Mein Aufenthalt liegt im Moment in Nusa Dua. Jedefalls sehe ich hier keinen Abfall, nicht am Strand und auch nicht an der Hauptstrasse.
    Aber hörte schon einiges von Abfallproblemen und des bewusstseins der Einwohner. Wenn der Abfall bei Touristenorten am überfülltesten ist, wer könnte dann schuld sein? Die meisten Besucher seien die Aussis. Für die ist es wie Mallorca für die Deutschen. Dann muss man wiederum sagen Mallorca hat das Problem einigermassen im Griff. Sowohl wäre die Regierung wiederum Schuld. Jedenfalls geht meine Route weiter in den Norden. Bis jetzt gefällt es mir sehr. Die Einheimischen sind nicht aufdringlich, sie lachen sogar mit dir, wenn man sich mit Ihnen unterhält. Schade soeinen Artikel zu lesen. Der für mich zu sehr negativ wirkt! In der Schweiz gibt es auch Negative Punkte wie unsere Psychische Krankheiten. Ein Born-out kennen die nicht..oder Depressionen….usw

    PS: Spannender Artikel von Simon!

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    • Tiffany

      Das Problem besteht hauptsächlich in der Regensaison von ca. Dezember bis März. Natürlich sind die Touristen auch beteiligt, noch schlimmer ist jedoch, dass diesen Touristen kein Entsorgungssystem zur Verfügung steht. Abfalleimer sucht man vergeblich und wer möchte schon seinen Müll den ganzen Tag rumschleppen? Das gilt für alle und das Zeugs landet dann einfach im nächsten Strassengraben.

      Jedem das seine, ich kenne viele die Bali mögen. Mir ist es einfach zu touristisch, zu dreckig und obwohl es tolle Örtchen, vor allem im Norden, gibt, kann die Suche danach auch etwas mühsam sein. Schöne Insel, tolle Leute, aber leider hat der Massentourismus vieles im Griff.

      Reply
  7. Romeo

    Hallo Tiffany!
    Wir waren vor ca. einem Jahr in Bali – wobei ich dazusagen muss, dass wir nicht in der Gegend um Kuta waren, sondern eher in Ubud und im Nordwesten der Insel. Von einem großen Müllproblem haben wir aber nichts mitbekommen. Natürlich ist es im vergleich zu Europa verdreckt, aber schaut man zum Beispiel nach Kambodscha (Extrembeispiel), dann sieht man die Müllproblematik in Indonesien und Bali gleich mit anderen Augen. Denn in Kambodscha gibt es praktisch keinen Straße und keinen Weg an dem sich nicht links und rechts die Müllberge türmen… Aber natürlich, wenn man schwimmen gehen will, stört schon das kleinste bisschen Müll im Wasser. Kein Geheimtipp: Ein Boot zu den Gili Inseln nehmen 😉

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