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Während sich meine Zehen in den neu erworbenen Flip Flops von der hereinwehenden Kälte bereits krümmen, halte ich einen Moment inne und versuche den kürzesten Weg zur Badetreppe zu berechnen. Ich sprinte nach draussen, ziele auf eine Parkbank mit optimaler Nähe zum Pool, lasse mein Handtuch fallen und die Flip Flops stehen und lege die letzten paar Meter barfuss auf dem eisigen Kopfsteinpflaster zurück. Die Kälte wird bald darauf durch das Stechen von heissem Wasser auf kalter Haut ersetzt.

Während ich in das dampfende Wasser sinke, spüre ich bereits den Stress der letzten Wochen von mir abfallen. So sollte das Reisen im Herbst immer sein. Sich die Hände abfrieren, während man die eisigen Stangen von Schirmen umklammert und gegen Wind und Regen kämpft, gehört ja zum „Europa-im-Herbst“ Gesamtpaket eigentlich dazu. Danach aber in einem von Budapests Thermalbäder entspannen, macht das miese Wetter fast wieder wett.

Szechenyi Bath Budapest

Ich habe beschlossen, das Széchenyi Bad, das älteste Thermalbad auf der Pest Seite der Stadt und grösstes Heilbad in Europa, zu besuchen. Über 100 heisse Quellen versorgen die vielen Bäder der Stadt mit heissem Thermalwasser und bilden ein umfangreiches Höhlensystem unter der Region. Badeanlagen gibt es ja eigentlich wie Sand am Meer, die Thermalbäder in Budapest sind jedoch alles andere als gewöhnlich. In dieser Stadt badet man nämlich mit Stil.

Die gelben, neobarocken Gebäude selber sind schon ein unvergesslicher Anblick. Ich weiss, ich habe mich in letzter Zeit oft und ausgiebig über zu viel hübsche Architektur beschwert, hatte aber in Budapest dann doch erstaunlich wenig an den schönen Gebäuden auszusetzen. Der aufsteigende Dampf benebelt meine Sinne und ich fühle mich wie auf meiner allerersten Reise, als alles noch neu und aufregend war.

Säulen steigen zu Gewölbedecken auf und erschaffen geschwungene Kolonnaden und elegante Bögen. Brunnen plätschern und Statuen wachen über die langsam im Wasser treibenden Menschen. Die vielen Becken bilden einen schönen türkisfarbenen Kontrast zum pastellgelb der Gebäude und Gruppen von Männern scharen sich um Schachbretter, alle bis zum Hals im Wasser. Einige diskutieren angeregt, während andere konzentriert ihren nächsten Zug überlegen. Irgendwie fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Ich schaue zu, plantsche für eine Weile herum und mache mir Gedanken zum weiteren Vorgehen.

„Die hätten diese Pools wirklich verbinden sollen,“ ruft mir ein Sympathisant zu, während ich schlotternd und so schnell wie möglich zum anderen Ende des Komplexes flitze. Ich habe heute nur eine Absicht gefasst: alle Becken dieses Bades einmal auszuprobieren. Eigentlich kann ich jetzt endlich nachvollziehen, warum die Website des Szechenyi Bades Besuchern rät, einen Bademantel mitzubringen – einen Ratschlag, den ich zuvor noch verspottet hatte. Es ist wirklich saukalt, aber ich amüsiere mich bestens und habe vor, so lange wie nur möglich zu bleiben.

Im Széchenyi Thermalbad gibt es 15 Pools, alle mit unterschiedlichen Temperaturen, Grössen und verschiedenen medizinischen Eigenschaften. Es gelingt mir, in die meisten dieser Becken einzutauchen, oder zumindest mal den grossen Zeh hineinzuhalten. Ich gebe sogar der 70°C Sauna eine Chance. Während die heissten Tropfen wie Lava von der Decke auf meinen Rücken fallen, beschliesse ich dann doch aufzuhören, bevor meine Augäpfel in dieser brennenden Hitze noch Feuer fangen. Ich verbringe den Rest der Zeit in den Aussenpools, bis mich dann der Hunger zurück in die Innenstadt treibt.

 

Tipps fürs Széchenyi Thermalbad: 

  • Miete unbedingt eine Kabine! Es gibt kaum einen Preisunterschied zwischen den Kabinen und den Schränken, wobei jedoch die Kabinen deutlich bequemer sind. Kabinen garantieren deine Privatsphäre, während die Habseligkeiten währen des Aufenthalts sicher eingeschlossen sind. Man kann sich sogar eine mit dem Reisepartner (oder Reisepartnern) teilen und dabei einiges an Geld sparen.
  • Bringe deine eigenen Handtücher, Badeanzüge und Flip Flops mit. Das ganze Equipment zu mieten ist teuer und die Schlangen sind lang. Wer trotzdem eines dieser Dinge zu Hause vergessen hat, kauft besser das nötigste. Wieder ist der Preisunterschied zwischen Kaufen und Mieten minimal und eigentlich ist alles, was man braucht, im Laden beim Eingang erhältlich.
  • In den kälteren Jahreszeiten, sollte man doch erwägen, einen Bademantel mitzubringen. Die Pools sind nicht miteinander verbunden und die Wege zwischen den Becken sind – vor allem wenn man halbnackt und schlotternd unterwegs ist – ziemlich lang.

Und so kommt man hin:

Nimm die M1 (gelbe U-Bahn Linie) bis zur Station „Széchenyi fürdő“ in Richtung von „Mexikói út“. Wenn man die Station verlässt, sieht man sofort das auffallende gelbe Gebäude.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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