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Wusstest du, dass auf Islands Bauernhöfen öfters mal die getrockneten Penisse von Bullen als Zuchtruten zum Viehtreiben verwendet wurden? Ich auch nicht, aber so hat anscheinend alles angefangen und das weltweit erste Penis-Museum war geschaffen.

Outside view of the Icelandic Phallological Museum, the only Penis Museum in the World

Alles begann in den 1970ern, als Sigurður Hjartarson, der damals noch der Rektor einer Schule in einer Hafenstadt im Südwesten Islands war begann, mit ein paar Lehrern an seiner Schule über die alten isländischen Traditionen zu witzeln. Hjartarson erzählte eine Geschichte aus seiner Kindheit, in der er von Verwandten auf einem Bauernhof einen Pizzle, eben jeden getrockneten Penis eines Bullen, geschenkt bekommen hatte. Der Witz nahm weiter seinen Lauf, als ein Lehrer nach einem Bauernhofbesuch das selbe Geschenk für Hjartarson nach Hause brachte. Auch Freunde, die im Sommer auf Walfangstationen arbeiteten, beteiligten sich und begannen, gigantische Walpenisse vorbeizubringen, alles nur um den armen Schulleiter zu necken.

Wahrscheinlich zum Erstaunen seiner Frau und der Verwirrung aller anderen Beteiligten, begann Hjartarson die Phallen tatsächlich zu sammeln. Er hängte sie in seinem Haus auf und experimentierte mit verschiedenen Konservierungsmethoden wie Gerben, Trocknen oder das Einlegen in Formaldehyd. Hjartarson nahm sein neu gefundenes Hobby ernst und fragte schon bald alle möglichen Leute, vom Schlachthofpersonal bis zu Fischern um Hilfe.

Alien? Nope, just a minke wale penis.

Alien? Nein, nur der Penis eines Zwergwales.

Sperm whale penis, it's bigger than I am.

Pottwal Penisse sind grösser als ich.

Nach mehreren Umzügen und einem Wechsel im Management zu Hjartarsons Sohn, landete das Museum schlussendlich mitten im Stadtzentrum von Reykjavik und ist nun definitiv eine der coolsten Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Das Isländische Phallusmuseum ist nämlich das einzige Museum der Welt, welches sämtliche Phallen aller Säugetiere eines Landes ausstellt. Neben den Nudeln aller isländischer Land- und Meeressäuger, findet man in der Ausstellung aber auch viele weitere Penisse aus aller Welt.

Da gibt es die gigantischen, gummig aussehenden Pottwal Penisse, die in ihren Tanks so vor sich hin schweben und grösser als ein durchschnittlicher Mensch sind, aber auch die klitzekleinen Schniedel von Hausmäusen. Pferde, Widder und Stiere sind neben Giraffen, Bären und Delfinen ausgestellt und messen sich in Grösse, Form und Zustand der Erektion. Das mächtige, geschwungene Gemächt eines Elefanten biegt sich wie ein Dali-Gemälde von der Wand und ein leeres Glas mit rein gar nichts drin enthält laut Beschreibung den unsichtbaren Penis eines Elfen. Der Elefant ist ein Publikumsfavorit und ihm wurde schon in manch einem Selfie die Hauptrolle zugesprochen, der Elfenpenis ist eine Anspielung auf den weit verbreiteten Glauben der Isländer an alle möglichen Mythen, Legenden und dessen Kreaturen.

Elephant Penis hanging from the wall in the Icelandic Phallological Museum

Der unglaublich populäre Elefantenpenis.

Some of the collection in the Icelandic Phallological Museum

So komisch es sich auch anhört, das Museum ist keinesfalls pornografisch, aber klärt sehr ehrlich über seinen Zweck auf. Sobald man das moderne Gebäude mit den gut beleuchteten Räumen betritt, liefert die Ausstellung auch sogleich, was angepriesen wurde: An die 300 runzligen Penisse schweben wie schwerelos in ihren Gläsern. Wie in einer eigenartigen Alien-Forschungsstation, drückt die faltige Haut – manchmal mit Bonus-Haarbüscheln – gegen das gut polierte Glas. Manche Phallen sind eng gewunden, während andere in ewiger Erektion eingefroren sind und manche zu Kunst verarbeitet wurden. Penisse sind wie Jagdtrophäen an Bretter genagelt, aus Hoden wurden Lampenschirme hergestellt und die Skulpturen, Gemälde und anderen komischen Sachen tragen nur noch zum Charme der Ausstellung hinzu.

Im Icelandic Phallological Museum gibt es dann natürlich auch noch einen Platz, der den menschlichen Penissen gewidmet ist. Diese Ecke ist wiederum mit einer meiner Lieblingsgeschichten über das Museum verbunden.

Vor nicht allzu langer Zeit, war das Phallusmuseum nämlich in einen urkomischen Wettbewerb verwickelt. Nachdem Hjartarson Interesse am Erwerb eines menschlichen Penisses ausgedrückt hatte, stellten sich umgehend einige Persönlichkeiten zur Verfügung. Einer von ihnen war der bekannte isländische Frauenheld Pall Arason, der andere ein Amerikaner namens Tom Mitchell. Arason und einige weitere ältere Herren versprachen, verständlicherweise, nach ihrem Tod zu spenden. Mitchell jedoch, war da etwas extremer.

Elmo, as illustrated by Paul Mitchell

Er liess öffentlich verlauten: “Es ist sehr wichtig für mich, dass Elmo der erste menschliche Penis in Ihrem Museum ist. Ich habe mich daher dazu entschlossen, meine Genitalien komplett zu entfernen.”

Wie bitte?

Ja, darauf muss man zuerst mal kommen. Tom Mitchell war so versessen darauf, seinen geliebten, personifizierten Dödel im Museum ausgestellt zu sehen und der Welt zu zeigen, dass “der grösste und beste von ihnen aus den Staaten kam”, dass er ihn wie eine amerikanische Flagge in Stars und Stripes tättowieren liess, ihn Elmo nannte und versprach, sein bestes Stück  noch vor seinem Tod abzuschneiden.

Spoiler-Alarm: Arason hat gewonnen, aber Mitchell ist immer noch entschlossen zu beweisen, dass Wale nicht die einzig gut bestückten Säugetiere sind. Er hat dem Museum eine Gipsform geschickt, um seinen Platz zu reservieren.

Verrückte Leute.




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