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Grusliger als eine kleine Kirche, mitten im Nirgendwo in der Tschechischen Republik, die mit über 40’000 menschlichen Skeletten gefüllt ist, geht es fast nicht mehr.

Wer noch nie vom Sedletz-Ossarium (auf Tschechisch Sedlecká kostnice) gehört hat, verpasst eine der wohl groteskesten Sehenswürdigkeiten der Welt. Von aussen sieht die Kirche ziemlich bescheiden und durchschnittlich aus, so ziemlich wie jedes andere Gotteshaus mit Friedhof in einer Kleinstadt. Weder das unspektakuläre Äussere, noch das Fehlen der sonst so üblichen Horden von Touristen und die etwas versteckte Lage in einem Vorort von Kutná Hora, 74 Kilometer von Prag entfernt, deuten darauf hin, dass dies eine von Tschechiens Hauptattraktionen ist.

Skull at the Sedlec Ossuary

Ihr fragt euch jetzt sicher, wer zum Henker den grandiosen Einfall hatte, eine kleine Kirche mit tausenden Skeletten zu füllen, aus deren Knochen einen gigantischen Kronleuchter zu formen und die ganze Kunst wie Girlanden von der Decke baumeln zu lassen.

Natürlich geht der Ursprung der Geschichte zurück ins Mittelalter, zu dem Zeitraum, der wohl am besten für die ungewöhnliche Anzahl an bizarren und absonderlichen Ideen bekannt ist. Alles begann 1278, als der Abt des Klosters von Sedletz eine Reise nach Golgotha unternahm und ein Glas voller Dreck zurückbrachte (Entschuldigung, heilige Erde natürlich). Dies wiederum inspirierte anscheinend eine grosse Zahl von Gläubigen, sich in dieser von besagtem Dreck gesegneten Erde begraben zu lassen.

The Sedlec Ossuary from the outside

Natürlich war die bestehende Kirche und der Friedhof bald zu klein, um dem anhaltenden Zustrom von Toten aus ganz Mitteleuropa standzuhalten. Ein paar hundert Jahre später hatte daher jemand aus dem Haus Schwarzenberg – damals die Herrscher von Böhmen – die brillante Idee, die Skelette zu exhumieren, einen halb blinden und der Legende nach obendrein halb-verrückten Mönch damit zu instruieren, die Knochen zu stapeln und einem Holzschnitzer namens Frantisek Rint den Auftrag zu erteilen, daraus auch noch abstrakte Kunst zu formen. Ja, es ist in der Tat so seltsam, wie es sich anhört.

Das Ossarium wird jedoch erstaunlicherweise nicht von einigen tausend wütenden Geistern heimgesucht, die allesamt gegen die unkonventionelle Nutzung ihrer Gebeine als Touristenattraktion protestieren, sondern besitzt eine ruhige und andächtige Atmosphäre. Der Kronleuchter ist, neben dem riesigen Knochenwappen der Familie Schwarzenberg, wohl die Hauptattraktion in der kleinen Kirche und zieht das Auge und die Aufmerksamkeit sofort auf sich. In den vier Ecken stapeln sich unzählige Schädel und Knochen zu riesigen Hügeln und von überall her starren hunderte von Totenköpfen die Besucher mit leeren Augenhöhlen an.

Das Sedletz-Ossarium ist unheimlich, aber unglaublich empfehlenswert für diejenigen, die einen Hang zum Makaberen haben und den Touristenmassen in Prag mit einem etwas ungewöhnlichen Tagesausflug entfliehen wollen.

Tipp:

Kutná Hora selber ist definitiv ebenfalls einen Besuch wert. Es ist eine schöne, kleine Stadt, voller bunter Häuser und charmanten Gassen. Kutná Hora ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes und bietet neben dem Sedletz-Ossarium auch den beeindruckenden Dom der heiligen Barbara und einige weitere gotische Bauwerke.

Street and houses in Kutna Hora

Wie man hinkommt:

Das Sedletz-Ossarium zu finden, kann unter Umständen ein wenig kompliziert sein. Es gibt eine Reihe von Bahnhöfen in der Gegend und keinerlei Anweisung, welcher denn zu benutzen ist. Ist man kein Einheimischer, ist es schwierig zu wissen, wo man schlussendlich um- und aussteigen muss.  Mit etwas Hilfe von einer wunderbaren tschechischen Zugbegleiterin und der Tatsache, dass ich mich auch so richtig schön verlaufen habe, bin ich jedoch inzwischen zu einer Kutná Hora Expertin avanciert.

Die Zugfahrt von Prag bis in die Kleinstadt Kolin dauert ungefähr eine Stunde. Dort muss auf einen kleinen, nur aus zwei Wagons bestehenden Regionalzug umgestiegen werden. Dieser kleine gelbe Zug ist wiederum relativ einfach zu finden und ist auf die Ankunftszeiten aus Prag abgestimmt.  Wer ins Stadtzentrum von Kutná Hora möchte, muss an der Station Kutná Hora Město aussteigen, wer ins Ossarium will, in Kutná Hora Sedlec. Von dieser Station aus führt eine schnurgerade Strasse weg von den Geleisen direkt zur Kirche. Die Zugstationen sind jedoch kaum mehr als unscheinbare Bushaltestellen, haltet also die Augen offen.

 

Und hier noch einige weitere Eindrücke eines ziemlich bizarren Tages:

Skulls at the Sedlec Ossuary

The Sedlec Ossuary

Chandelier Sedlec Ossuary

Sedlec Ossuary

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