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In den Monaten bevor ich endlich in China ankam, hatte ich Reisen irgendwie satt. Nach einem halben Jahr in Südostasien war ich gelangweilt vom anspruchslosen Touristenpfad, der nicht mehr einfach nur ausgetrampelt ist, sondern von den Scharen an Besuchern geradezu totgetreten wurde. Jedes Mal, wenn es darum ging eine weitere Attraktion zu besuchen, wusste ich, dass ich dank der vielen verfügbaren Infos zwar relativ einfach hinkommen würde, mir aber die Taxi- ,Tuktuk- und Busfahrer, die es sich auf diesem Subkontinent zum Lebensziel gemacht haben den Touristen so viel Geld wie möglich abzuknöpfen, wieder mal den letzten Nerv rauben würden. Ich hatte es satt, ständig für die falschen Dinge zu kämpfen, denn schlussendlich drehte sich alles nur noch darum, den alltäglichen Ärgernissen auszuweichen anstatt einen Ort zu geniessen: nicht auf die Maschen der Betrüger reinfallen, mit dem Taxifahrer um Geld streiten, mit der Masse an Partyurlaubern um Platz rangeln und verzweifelt versuchen, noch ein Stückchen Natur zu finden, welches nicht bereits zerstört wurde oder im Müll ersäuft.

The cultural area on Orange Island

Eine grüne Oase in der Grossstadt: der kulturelle Bereich auf Orange Island.

Obwohl ich einige Destinationen durchaus mochte, kommen ich und Südostasien einfach nicht miteinander klar. Diese schleichende Vermutung hat sich dann auch schnell bestätigt, als ich in Changsha ankam, meinem ersten Halt in China, und sich das Reisen von langweilig und frustrierend sofort wieder in abenteuerlich verwandelte. Der Kauf meines ersten Zugtickets hat zwei Stunden gedauert, inklusive herausfinden, wo denn die Ticketschalter sind, sich durch die tausenden drängelnder Pendler quetschen, noch eine Stunde anstehen und dann der Dame am Schalter mit Händen, Füssen und einer Wörterbuchapp erklären wo man denn wann hinwill. Sogar Essen bestellen hat sich wieder zu einer Herausforderung entwickelt; man zeigt auf ein paar chinesische Schriftzeichen und hofft, dass was gutes aus der Küche zurückkommt. Es hat eine Woche gedauert, bis ich einen anderen weissen Reisenden entdeckt habe. Menschen auf der Strasse rufen ab und zu hallo, jedoch nicht weil sie mir mit irgendeiner Masche Geld abknöpfen wollten, sondern einfach nur weil sie freundlich sind und ein paar Brocken Englisch üben möchten.

Changsha ist jedoch eine Stadt, welche die meisten Touristen auf ihrer Chinareise überspringen. Viele Reisende halten hier höchstens an, weil sie per Zug oder Flugzeug auf der Durchreise sind und machen sich meistens direkt weiter auf den Weg Richtung Zhangjiajie oder Guilin. Auch ich bin nur in Changsha gelandet, weil Brendan und ich online irgendwo das Bild eines gigantischen Mao Zedong Kopfes entdeckt haben und kurzfristig beschlossen, dieser Kuriosität ein paar Tage zu widmen.

Mao Zedong's head

Mao Zedong’s Kopf.

Die Statue haben wir schlussendlich in der Mitte des Xian Flusses auf der 5km langen Orange Island, die ihren Namen aufgrund der vielen Orangenbäume erhalten hat, entdeckt. Die Insel ist ein erstaunlich idyllischer Park in einer Stadt mit 7 Millionen Einwohnern, die ansonsten eher für die vielen identischen Apartmenthäuser, den chaotischen Verkehr und die Luftverschmutzung bekannt ist. Mao’s Kopf, das Ebenbild des kommunistischen Revolutionärs und Gründungsvaters der Volksrepublik China, sitzt eingebettet wischen Orangenbäumen und duftenden Blumen am Zipfel dieser Insel. Mao hat anscheinend einen Grossteil seiner Jugend und Studentenjahre in Changsha verbracht und dort sein kommunistisches Gedankengut entwickelt. Im Gegensatz zu den anderen Statuen und Bildnissen, die den Staatsmann meist als älteren Herrn darstellen, ist in Changsha dementsprechend die Büste eines jungen Mannes zu sehen – ein hübscher Jüngling mit wehendem Haar und den perfekt symmetrischen Gesichtszügen, wie sie nur eine Statue aufweisen kann. Nicht nur diese Darstellung ist kontrovers und Mao’s Kopf hat auch aus anderen Gründen seine Kritiker. Viele Anwohner sind der Meinung, dass man die 300 Millionen USD anstatt für ausschweifende Heldenverehrung besser anderswo eingesetzt hätte.

Ausschweifend oder nicht, die Statue von Mao Zedong ist einen Besuch wert und auch der Rest der Orangeninsel eignet sich bestens für einen Spaziergang oder Tag im Freien. Innerhalb des riesigen Parks mit Spazierwegen, Blumenbeeten, Teichen und Cafés gibt es auch noch einen kulturellen Bereich, in dem gratis eine Pagode und ein Buddhistischer Tempel zu sehen sind. Wer also Zeit hat zwei Tage in Changsha zu verbringen, sollte sich definitiv dieses gigantische Monument ansehen – es lohnt sich.

Two men flying kites on Orange Island.

Zwei junge Männer lassen auf der Orangeninsel Drachen steigen.

Chinese architecture is perfect for photography.

Chinesische Architektur eignet sich wundervoll für Fotos.

A guard inside the Buddhist temple.

Ein Wachmann im Buddhistischen Tempel.

Architecture: more functional than pretty.

Mehr funktional als schön: die Brücke zur Orangeninsel.

The pagoda in the cultural area.

Die Pagode innerhalb des kulturellen Bereichs.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

4 Responses

  1. Heike

    Hallo, ich bin über Deine Wörterbuchapp gestolpert und möchte Dich gerne etwas technisches fragen. Hast Du eine deutsche SIM-Karte, wenn ja welche oder nutzt Du ausschließlich lokale oder WLAN?

    Vielen Dank und gute Reise

    Heike

    Reply
    • Tiffany

      Normalerweise kaufe ich mir immer eine lokale Simkarte mit 3G, was in den meisten Ländern auch einfach und billig ist. In China habe ich mich jedoch dagegen entschieden, bzw. habe jetzt einfach meine alte Schweizer Simkarte drin. Da das Internet extrem zensiert wird (Facebook und Twitter sind z.B. gesperrt und in manchen Provinzen funktioniert nicht mal Google oder Instagram), kann man viele der Apps ohne VPN sowieso nicht nutzen. Das war mir dann irgendwie zu mühsam. Ich habe bisher also einfach in Hostels und Cafés das WIFI benutzt, was auch nie ein Problem war und 3G auf dem iPhone eigentlich nur auf extrem langen Zugfahren vermisst.

      Wenn du eine gute Wörterbuchapp suchst, kann ich dir “Pleco” zum übersetzen empfehlen. Für den Zugfahrplan eignet sich eine chinesische App namens “12306”. Obwohl diese App auf Mandarin ist, kann man Destinationen auch auf Englisch eingeben und so den Angestellten am Schalter genau zeigen welches Ticket man will.

      Reply
    • Oli

      Hallo Heike,

      du hast zwar nicht mich gefragt, aber ich erlaube mir trotzdem, dir zu antworten. Ich hoffe, dass das auch im Sinne von Tiffany ist.

      Das Problem mit dem zensierten Internet wurde ja schon angesprochen. Du solltest dir also für China unbedingt einen VPN zulegen. Es gibt auch ein paar kostenlose Möglichkeiten fürs Handy. Installier dir vor der Reise einfach ein paar.

      Welche funktionieren und welche nicht, das ändert sich ständig. Deswegen kann ich keine konkrete App nennen. Aber in den sechs Jahren, die ich in China lebte, gab es immer eine Möglichkeit.

      Trotzdem kann ich den Kauf einer lokalen Sim-Karte in China sehr empfehlen. Du bekommst sie meistens schon für weniger als 10 Euro einschliesslich Guthaben.

      Was du beachten solltest, dass es innerhalb von China Roaming gibt. Wenn du eine Karte in Changsha kaufst, musst du in Wuhan bereits Roaminggebühren zahlen. Während das bei Anrufen nicht so tragisch ist, wirds beim Internet recht schnell teuer.

      Du solltest deswegen ein Datenpaket abschliessen. Ich hatte eines mit 100 MB für 20 Yuan pro Monat. Es gibt aber ganz viele verschiedene Angebote. Frag dich da einfach durch.

      Für weitere Infos rund um chinesische Simkarten empfehle ich dir meinen Artikel dazu: http://weltreiseforum.com/blog/neun-dinge-die-du-uber-handys-in-china-wissen-solltest/
      http://weltreiseforum.com/blog/neun-dinge-die-du-uber-handys-in-china-wissen-solltest/

      Reply

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