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65 Kilometer ausserhalb von Zhangye, nicht allzu weit von den beeindruckenden Regenbogen Bergen entfernt, liegt eine von Chinas schönsten Attraktionen: ein Labyrinth aus buddhistischen Höhlentempeln, die direkt in die steilen Klippen der Berglandschaft gebaut wurden. Die mit Wandmalereien, Buddha Statuen aus Ton, Holz und Stein und Schnitzereien dekorierten Tempel waren einst ein wichtiger Meilenstein entlang der Seidenstrasse und von Mönchen sowie Pilgern gut besucht, heute jedoch nehmen nur wenige westliche Besucher den weiten Weg ins abgelegene Mati Si auf sich.

Genial, oder?

Cave Temples at Mati Si in China's Gansu Province (near Zhangye), built right into the Stone

Horse Shoe temple of the Buddhist cave temples at Mati Si in China's Gansu Province. They are built right into the rock, form a system of caves and are decorated with statues, prayer flags, murals and carvings.

Der heutige Tempelpark in der Gansu Provinz sieht jedoch auf den ersten Blick ziemlich touristisch aus, komplett mit einem gigantischen, bunten Eingangstor und einem herausgeputzten, fake-aussehenden Dorf, wo man die üblichen Souvenirs und Snacks kaufen kann. Ausserhalb dieser Touristenzone, die vielleicht zunächst mal abschrecken kann, haben sich die Höhlentempel jedoch als unglaublich beeindruckend herausgestellt und trotz anlaufender Hochsaison waren nur wenige Reisende in der Anlage unterwegs.

Die in die Felsen gegrabenen Tempel und Höhlensysteme stammen aus einer Zeit, als die buddhistischen Yuguren, ein Nomadenstamm aus der Mongolei, sich in dieser Region niederliessen. Heute leben nur noch wenige Yuguren im Autonomen Kreis Sunan der Yugur, aber im Laufe der Jahrhunderte baute diese Minorität hier über mehrere Kilometer verstreut über 70 Höhlen und bestückte diese mit mehr als 500 Statuen. Einige der Bauwerke sind so alt, dass sie bis 300 n.Chr. zurückdatieren.

Entrance Gate to the cave temples of Mati Si in China's Gansu Province

Cave Temples at Mati Si in China's Gansu Province (near Zhangye), built right into the Stone

Gewundene Tunnels und schmale Treppen führen im Zickzack durch das Gestein wie ein verwirrender Pfad durch einen Ameisenhaufen. Mit ein wenig Anstrengung können Besucher so durch die Höhlensysteme und Durchgänge bis ganz nach oben auf die Klippen gelangen und eine spektakuläre Aussicht über das Terrain des Hexi Korridors geniessen. Hinter den bunt bemalten Holzbalkonen und den flatternden Gebetsfahnen, erstreckt sich eine Landschaft aus Pinienbäumen, grünen Hügeln und den hohen, schneebedeckten Gipfeln des Quilian Gebirges. Wildblumen blühen in den Feldern und man kann vereinzelten Yaks beim gemütlichen Weiden zusehen.

Innerhalb des Puguang Tempels liegt schlussendlich das heiligste, aber auch unauffälligste Relikt von Mati Si. Leicht zu übersehen, wenn man nicht weiss nach was man Ausschau hält, hat da nämlich ein Pferdehuf seine Spuren im Gestein hinterlassen. Der Legende nach entstand der Hufeisenförmige Abdruck, als der tibetische Held König Gesar hier sein fliegendes Pferd für eine Verschnaufpause landete.

The Buddhist cave temples at Mati Si in China's Gansu Province. They are built right into the rock, form a system of caves and are decorated with statues, prayer flags, murals and carvings.

On the balcony of the Buddhist cave temples at Mati Si in China's Gansu Province. They are built right into the rock, form a system of caves and are decorated with statues, prayer flags, murals and carvings.

Obwohl die Höhlentempel von Mati Si heute gut gepflegt und erhalten aussehen, wurden sie über die Jahre immer wieder stark beschädigt – unter anderem durch einen muslimischen Aufstand in der Region, der im 16. Jahrhundert begann und bis ins 19. und 20. Jahrhundert hineinreichte. Alles begann damit, dass die Zentralregierung in Peking die Kontrolle über die westlichen Regionen verlor, und so die einst vereinten buddhistischen und muslimischen Stämme plötzlich sich selbst überlassen waren. Alte Animositäten flammten auf und das neu geschaffene Machtvakuum machte Platz für ein zentralasiatisches Reich namens Dzungar Khanat, welches fortan im Westen Chinas herrschte. Während dieser Zeit wurden Klöster verbrannt, Schreine geplündert, Buddhas auf Felsen zerschmettert und die farbenfrohen Wandmalereien der Region zerstört.

Das Gleiche passierte erneut während Mao Zedongs Kulturrevolution, als dieser den Roten Garden befahl, alle traditionellen Bräuche, Kulturen, Gewohnheiten und Ideen im Land zu vernichten. Heute aber deuten nur noch Spuren auf die Jahre der Zerstörung hin. Innerhalb der düsteren Tempel bedeckt Graffiti die Wände und es sind einige Schuttberge auf dem Boden neben den Kerzen und Statuen zu finden. Die Restauration der Tempel ist jedoch in vollem Gang, die Statuen werden erneuert und das bemalte Holz leuchtet wieder frisch in knalligen Farben.

Restoration of a Buddha Statue in the Buddhist cave temples Mati Si, Gansu Province, China

Und so kommt man hin: Am besten fährt man mit einem Taxi nach Mati Si. Taxis können überall in Zhangye für einen ganzen Tag gemietet werden, was ca. 280-300 Yuan kostet. Diese relativ stressfreie Option – die Fahrt dauert rund eine Stunde – lohnt sich besonders dann, wenn man mit einigen anderen Reisenden die Kosten teilen kann. Das Youth Hostel in der Stadt organisiert ebenfalls Sammeltaxis, mit denen man für einen halben Tag und 45 Yuan pro Person nach Mati Si fahren kann. Es gibt auch öffentliche Busse, die an den Wochenenden während der Hochsaison Besucher direkt zum Mati Si Park bringen. Reguläre Linienbusse verkehren ebenfalls täglich ab der Nanguan Coach Station, wobei diese aber nur bis Mati He Village fahren, von wo aus man dann den Rest des Weges wieder in ein Taxi hüpfen muss. Eine einfache Fahrt mit dem öffentlichen Bus kostet rund 11 Yuan.

Prayer flags in Mati Si

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