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Manchmal denke ich, dass ich da irgendwo einen Fluch aufgelesen habe: Wann immer ich eine der Attraktionen einer Destination besuche, gibts da bestimmt irgendwo eine Baustelle. Nur wenige Schritte im Innern der Hagia Sophia liessen mich schon wieder Fluchwörter murmeln, als ich feststelle, das ein gigantisches Gerüst im Zentrum der grossen Halle emporragt und so ziemlich jedes Foto zerstört.

Hagia Sophia

Die Hagia Sophia von aussen.

Scaffolding in the Hagia Sophia.

Das riesige Gerüst im Innern der Hagia Sophia und ein Foto mit ziemlich schrecklicher Qualität – Stative waren leider keine erlaubt.

In den Anfangsjahren war die Hagia Sophia eine orthodoxe Kirche unter Konstantin, dann eine römisch-katholische Kathedrale, anschliessend eine Moschee nach der Eroberung durch die Osmanen und zum Schluss ein Museum – aber was auch immer die Funktion des Gebäudes ist, die Ayasofya ist immer noch unglaublich beeindruckend. Filigrane Mosaike verwandeln die Wände in Kunstwerke, blaue und goldene Muster verzieren die Decken und Dome und überall glitzert der Marmor im schwachen Licht der Kronleuchter. Überhaupt ist viel Marmor zu sehen – der Stein bedeckt praktisch jede Oberfläche und gibt allem in einen glatt, glänzenden und perfekten Abschluss.

Der Hauptraum ist so gross, dass er alles in den Schatten stellt und Menschen wie Spielzeugfiguren aussehen lässt. Aber wo ich mich auch  hindrehe, überall ragen die Ecken und Kanten des Baugerüstes in einem harschen Kontrast in meine Bilder. Für Fotografen ist dies natürlich mehr als nur frustrierend – man möchte so gerne die Schönheit mit der Linse erfassen, aber schlussendlich werden die Fotos einfach ruiniert.

Mosaic of Jesus from back in the days when the Hagia Sophia was a church. The mosaics were covered in plaster when the Ottoman Empire took over, but were later restored.

Ein Mosiak zeigt Jesus, erstellt, als die Hagia Sophia noch eine Kirche war. Später wurden die Kunstwerke von den Osmanen mit Gips überdeckt, jedoch im 20. Jahrhundert wieder restauriert.

Gallery in the Hagia Sophia

Galerie in der Hagia Sophia: wunderschöne Muster überziehen die gewölbte Decke.

Passageway in the Hagia Sophia

Dieser Gang in der Hagia Sophia ist ganz schön rutschig – der Stein wurde von Millionen Füssen über die Jahrhunderte blank poliert.

Passageway in the Hagia Sophia

Der Marmor bedeckt alles.

Die gigantische Kuppel, welche die Haupthalle überragt, ist das Markenzeichen der Hagia Sophia. Auch heute wird das Gebäude als Höhepunkt der byzantinischen Architektur betrachtet und inspirierte ähnliche Bauwerke noch Jahrhunderte nach der Fertigstellung. Aber so sehr ich mir auch ein komplettes Foto dieser riesigen Halle mit Dom erhoffte, habe ich schlussendlich resigniert aufgeben müssen und mich mit dem Entdecken der Galerien und der Seitengänge und dem Suchen der berühmten Mosaike begnügt.

Während die Hagia Sophia heute nur noch als Touristenfalle (entschuldigt – Museum) dient, wird die sich gleich nebenan befindende Blaue Moschee immer noch rege für Gebete benutzt. Während der Gebetszeiten ist die Moschee für Besucher verständlicherweise nicht zugänglich, aber wenn gerade nicht laut gesungen wird, kann die Blaue Moschee von jedermann und -frau besucht werden. Nachdem ich in der Hagia Sophia und im Topkapi Palast relativ viel für Eintritte hinblättern musste, war ich erstaunt zu erfahren, dass ein Besuch in der genauso beeindruckenden Moschee gleich nebenan komplett gratis ist.

Frauen müssen ein Kopftuch und einigermassen sittsame Kleidung anziehen, welche die Arme und Beine bedeckt. Ich habe meinen multifunktionalen Schal mitgebracht, aber für die Vergesslichen unter uns stehen grosse Tücher gratis zur Ausleihe bereit. Ebenfalls verfügbar sind Plastiksäcke für die Schuhe – die Moschee scheint gut organisiert auf den Besucherandrang vorbereitet zu sein.

The Blue Mosque

Die Blaue Moschee.

Dome in the Blue Mosque

Die blauen Fliesen, die den Dom verzieren und der Moschee ihren Namen geben. 

Im Versuch Allah nach einem schief gelaufenen Krieg mit Persien zu besänftigen, wurde die Blaue Moschee, auch bekannt als Sultan Ahmed Moschee, Anfang des 17. Jahrhunderts vom Sultan Ahmed I erbaut. Entsprechend herrlich und beeindruckend ist das Bauwerk: Hat man den weitläufigen Innenhof hinter sich gelassen, erinnert die Blaue Moschee ein wenig an die Hagia Sophia. Die gleichen Kronleuchter hängen von der Decke und die Wände, der Dom und die Decke sind mit tausenden von Fliesen verziert, die allesamt wunderschöne Muster zeichnen. Die Moschee hat ihren Namen ebendiesen tiefblauen Fliesen zu verdanken, die von den 400 Buntglasfenstern ins rechte Licht gerückt werden.

Besucher werden von den Muslimen mittels einer hölzernen Barriere getrennt. So schön die Moschee auch ist, ich fand es seltsam aufdringlich, den Gläubigen, welche die Moschee ausserhalb der Gebetszeiten aufgesucht hatten, beim Gebet zu beobachten – und auch irgendwie zu stören. Hunderte Touristen, ich eingeschlossen, waren eifrig mit dem Versuch beschäftigt die Schönheit des Gebäudes auf unsere Memory Cards zu bannen.

Two muslim women inside the Blue Mosque.

Zwei muslimische Frauen in der Blauen Moschee.

Aber das ist halt Tourismus, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die Hagia Sophia und die Blaue Moschee sind und bleiben ein absolutes Muss bei jedem Besuch in Istanbul – aber man muss aufpassen, dass man nicht Opfer der lauernden Teppichverkäufer wird.

 

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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