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Ich bin eigentlich nicht so der Grossstadtfan. Gebt mir weite Steppen, dichte Wälder, entlegene Bergtäler und meilenweit nichts als Natur und ich bin quietschvergnügt wie ein Eichhörnchen. Die grossen Metropolen der Welt haben mir grundsätzlich einfach zu viele Menschen, sind zu laut und zu grau. Ich will halt einfach mal ab und zu einen Baum sehen.

Trotzdem mag ich Berlin. Sie ist sogar einer meiner Lieblingsstädte und wann auch immer ich in dieser Gegend der Welt unterwegs bin, versuche ich vorbei zu schauen. Warum? Hier sind meine drei Gründe, warum ich Berlin trotz genereller Großstadt-Abneigung liebe und einen Grund, der mich dann doch wieder in ruhigere Gefilde treibt.

Berlin hat: ausgezeichnetes Essen

In Berlin kann man so richtig gut essen. Ob traditionell Deutsch à la Currywurst oder Schweinshaxe mit Sauerkraut (und richtig viel Bier), bis hin zu Asiatisch, Afrikanisch oder Amerikanisch. Auch die Küchen aus den entlegensten Winkeln der Welt scheinen es nach Berlin geschafft zu haben und die Auswahl ist schier unbegrenzt.

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Currywurst und Döner Kebab werden natürlich an jeder Ecke angeboten. Beide Gerichte wurden in Berlin erfunden und erfreuen sich grosser Beliebtheit – es gibt ja sogar ein Currywurst Museum!  So gut die Wurst ist, mehr als zweimal pro Woche schaffe ich es nicht das Zeug zu essen. Dieses mal habe ich mich daher durch diverse thailändische, indonesische, vietnamesische und typisch deutsche Restaurants und Take Aways gefuttert und die Bäckereien der Gegend unsicher gemacht. Und ich glaube auch einige Kilos zugenommen.

Wenn ich auf eine Speisekarte schaue, bin ich meistens leicht überfordert. Alles hört sich irgendwie gut an und eigentlich möchte ich auch alles mal probieren. Ich bin daher ein grosser Liebhaber von etwas, das ich jetzt einfach mal frech „Tapas Restaurants“ nenne. Ein gutes Beispiel ist die südostasiatische Lokalität Transit. Die Gerichte sind natürlich weder Spanisch, noch sind die meisten davon Vorspeisen, aber die leckeren Gerichte werden in kleinen Schalen serviert, die man sich kreuz und quer von der Speisekarte bestellen kann. So schafft man es, je nach Grösse des Magens, sich durch einen relativ anständigen Teil der Speisekarte durchzuprobieren. Ich liebe es!

Berlin hat: unglaubliche Vielfalt und kuriose Leute

In Berlin scheinen alle irgendwie ein bisschen kreativer zu sein als anderswo. Man kann stundenlang einfach nur Menschen beobachten, da ein gutes Stück der Passanten auf irgendeine Art und Weise künstlerisch angehaucht ist. Zusätzlich besteht eine Grossstadt-typische Obsession mit dem „hippsten“ Quartier in der Stadt. Diese sagenumwobene Zone ändert zwar ständig und die Meinungen gehen auseinander, wo sie sich denn befindet, aber findet man einen der „trendigen“ Orte, kann man unglaublich viel Spass beim Beobachten haben. Typ mit Taucherbrille? Check. Haare in allen Farben des Regenbogens? Check. Mehr Metall am Körper als ein mittelalterlicher Ritter in Vollmontur? Check.

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Man könnte das Ganze auch in ein Trinkspiel verwandeln und bei jedem vorbeiwandelnden Stofftaschenträger, Macbookbesitzer, Starbuckstrinker, Falschebrillengläserträger und Möchtegernkünstler eine kippen, aber dann wäre man wohl zu besoffen um aus dem total angesagten Quartier wieder rauszufinden.

Die Vielfalt widerspiegelt sich jedoch nicht nur in den Menschen, sondern auch in der Kunst auf der Strasse, den vielen Restaurants und den bunt gemischten Lebensstilen. Das Leben hier ist billig, was eine Menge verschiedener Leute anzieht und einen spannenden Mix kreiert. Berlin ist also mehr als deutsche Pünktlichkeit, Geschäftigkeit und beeindruckende Architektur. Berlin ist Leben.

Meine Favoriten unter den People-Watching Spielen: „Schwul oder Europäer?“ und „Hipster oder Obdachlos?“

Berlin hat: faszinierende Architektur

Berlins Architektur ist imposant. Von den prunkvollen Gebäuden aus dem Deutschen Kaiserreich, über pompöse Gebäude aus der nationalsozialistischen Zeit, bis hin zu den aus der Ost und West Trennung resultierten Plattenbauten – alle beeindruckenden Bauwerke in der Hauptstadt in einem Besuch zu sehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Berliner Architektur scheint umso beindruckender, wenn man bedenkt, dass während des zweiten Weltkrieges rund 80% von Berlins historischen Gebäuden zerbombt wurden. Die Stadt war am Boden zerstört, beinahe dem Erdboden gleichgemacht. Die darauf folgende Wiederaufbauphase dauert bis in die 1980er Jahre

Brandenburger Tor

Berlin hat: viel zu viele Baustellen

Berlin scheint mit dem Wiederaufbau jedoch noch nicht fertig zu sein und anscheinend hat eine Neubauwelle die Stadt erfasst. Überall wird etwas umgebaut, verändert, neu erstellt oder plattgewalzt. Wo man auch hinschaut, sieht man Kräne und Baustellen die Strassen verstopfen und die betörenden Geräusche von Presslufthammer und schwerem Baugerät waren auch bei diesem Aufenthalt mein ständiger Begleiter.

Construction site at the Berlin Cathedral

Aufgrund einer Baustelle in der U-Bahn zwischen Friedrichstrasse und Französische Strasse, wurde ein kurzer Ausflug zum alten Flughafen Tempelhof plötzlich zu einer dreistündigen Rundreise. Auf einmal gab es kein Weiterkommen mehr. Baustelle. Gut, man folge den kleinen Fussstapfen am Boden zur 1 km entfernten nächsten Station (habe mich nur einmal verlaufen). Dort wieder einsteigen, ein paar Minütchen dahinrattern und dann heisst es plötzlich wieder aussteigen. Schon wieder irgend eine Blockade. Fragt man bei den Berliner nach, ob das mit den Baustellen immer so extrem ist, kriegt man als Antwort meistens einen Seufzer und ein genervtes Kopfnicken.

Ich war natürlich auch in dieser Stadt wieder auf der Jagd nach guten Fotos, habe aber kaum eine Aufnahme gemacht, bei der nicht mehrere Baukräne in den Himmel ragen oder Absperrungen die Sicht versperren.

Luxusprobleme, ich weiss. Aber ich war schon ein wenig erleichtert, als ich schlussendlich die Ruhe im Zug nach Prag geniessen konnte und die grünen Hügel vorbeiziehen sah.

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