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Zuhause” ist ein komisches Wort. Es hat verschiedene Bedeutungen für verschiedene Menschen – für manche ist es der Ort, an dem man aufgewachsen ist, wo die Menschen sind, die einem etwas bedeuten oder dort, wo man sich sicher und aufgehoben fühlt. Für andere ist es bloss eine heisse Schokolade an einem kalten Wintertag. Für mich bedeutet “Zuhause” ein Gefühl der Zugehörigkeit, es ist ein Ort, der mich ganz einfach glücklich macht. Vielleicht könnte Kapstadt eines Tages für mich ein solches Zuhause sein.

Schon als Kind bin ich immer weggelaufen. Ich fühlte mich nie zuhause in der Schweiz. Obwohl ich, aus einer gewissen Sichtweise betrachtet, alles hatte – von der wunderschönen Landschaft, über einen komfortablen Lebensstil bis hin zu Freunden, der Familie und einer sicheren Zukunft – fehlte mir immer diese inhärente Zufriedenheit einer Person, die ihren Platz im Leben gefunden hat. Irgendwann während meiner Kindheit habe ich realisiert, dass die Stadt, in der ich lebte, bei mir nicht diese warmen und wohligen Gefühle auslöste, die eigentlich ausgelöst werden sollten. Familienferien waren der Höhepunkt meines Jahres und ich trottete meinen Eltern glücklich durch geschäftige Flughäfen hinterher und hielt tapfer lange Flüge und Fahrten durch, nur um einige Tage weg zu können.

View of Camps Bay

Sobald ich alt genug war, allein zu Reisen, habe ich das auch getan. Wenn ich mich zum Ausgehen mit Freunden traf, nippte ich oft den ganzen Abend an einer Cola, um das Geld, welches andere für den Alkohol ausgaben, für meine Reisen zu sparen. Versteht mich nicht falsch, ich mag einen guten Whiskey oder ein Bier wie viele andere auch und ich bin definitiv kein Spielverderber, das Reisen hatte für mich einfach immer Priorität im Leben. Ich habe schon Jobs gekündigt, Typen verlassen, wichtige Anlässe verpasst und so einige Univorlesungen geschwänzt – nur um mehrmals im Jahr in ein Flugzeug hüpfen zu können.

Nur wenige Dinge übertreffen den Adrenalinschub den ich kriege, wenn ich ein neues Land entdecken kann oder die Aufregung die mich überkommt, wann auch immer ich einen Flughafen betrete. Während ich eindeutig auch reise, um meine Abenteuerlust und meine ständige Neugier zu befriedigen, weiss ich, dass ich eigentlich trotzdem noch nach diesem gewissen Etwas suche.

Die Zufriedenheit, die andere in einem stabilen Leben gefunden habe, habe ich beim Reisen entdeckt. Was ich nicht geschafft habe, ist dieses Gefühl der Zugehörigkeit ausfindig zu machen. Die kleine Stimme in meinem Kopf erinnert mich immer wieder daran, dass ich nicht bis über 80 um die Welt rauschen kann, weil ich dann eine runzlige Oma mit Gehhilfe sein werde (obwohl, das wär schon ne coole Oma). Was ich also mache, während ich so um die Welt reise, ist verschiedene Orte nach der Eignung für ein zukünftiges Zuhause zu bewerten. Ich stelle mir jeweils vor, wie es wäre, mich eines Tages an genau diesem Ort niederzulassen.

Kapstadt war der erste Ort seit langer Zeit, wo sich alles einfach richtig anfühlte und bei den meisten Aspekten dieser Stadt hat es bei mir einfach Klick gemacht.

Groot Constantia winery

Ich bin eine Liebhaberin der schönen Landschaften. Da ich am Rande der Alpen mit einem unglaublichen Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Berge und einem grossen See direkt vor der Haustüre aufgewachsen bin, bin ich ich in Sachen Landschaften ziemlich verwöhnt. Kapstadt hat es geschafft all meine Anforderungen zu übertreffen. Als ich in Kapstadt ankam, war es bereits Nacht und den ersten Blick, den ich auf die Stadt erhaschte war, als ich früh am Morgen aus dem Hotelfenster blickte und prompt einen mittleren Schock erlebte. Ich hatte so eine unglaubliche Aussicht schon lange nicht mehr gesehen und was es für mich noch schockierender machte war, dass ich es auch gar nicht erwartet hatte. Kapstadt war der letzte Stop meiner langen Afrikareise und ich hatte die Stadt weder recherchiert, noch mich auch nur ein bisschen auf den Aufenthalt vorbereitet. Und nach all den Aussichten auf die Landschaften der Nationalparks des Kontinents, hatte ich nicht erwartet noch einmal so überrascht zu werden.

The view of Cape Town from the hotel

Während ich also für die folgende Woche so durch Kapstadt und die Umgebung fuhr, merkte ich, dass ich mich eigentlich gar nicht satt sehen konnte. Die Berge, das Meer und die Strände sorgen für unglaubliche Bilder und Kapstadt selber fühlt sich nicht, wie so manch andere Grossstadt, wie eine Betonhölle an. Es gibt alle Annehmlichkeiten einer Weltmetropole, aber nur eine kurze Autofahrt entfernt herrsch Natur-pur und es stehen eine beträchtliche Auswahl an Fluchtmöglichkeiten zur Verfügung. Es gibt viel zu sehen und zu unternehme in und rund um Kapstadt, von der Fahrt entlang der berühmten Küste nach Cape Point, dem Besuch der Weingüter, einer Wanderung auf den Tafelberg oder dem Beobachten der Pinguine am Boulders Beach. Alles ist üppig und grün, schön und sonnig. Vielleicht war es einfach das Wetter, oder vielleicht ist es auch der afrikanische Kontinent – aber irgendwie waren die Leute einfach glücklich. Und diese Zufriedenheit ist ansteckend.

Es gibt nicht viel mehr zu sagen und beim nächsten Thema lasse ich einfach das Bild sprechen, aber ich habe in Kapstadt wirklich unglaublich gut gegessen. Als internationale und grosse Stadt gibt es in Kapstadt von Sushi, über Mexikanisch bis hin zu afrikanischen Spezialitäten selbstverständlich alles. Der dazugehörende Wein aus den regionalen Weingütern darf natürlich auch nie fehlen. Alles in allem war Kapstadt für mich nach wochenlangen einfachen “Pap”, Reis und Kartoffelgerichten das pure Paradies und ich stürzte mich wie eine Verhungernde auf die abwechslungsreiche Restaurantszene.

Lunch at the Groot Constantia winery

Ein grosser Nachteil von Kapstadt ist natürlich die Sicherheit. Während es völlig in Ordnung und sicher ist, sich während des Tages zu Fuss fortzubewegen, wechseln sobald die Sonne untergeht alle auf Taxis (oder das eigene Auto), auch wenn sich das Ziel nur um die Ecke befindet. Alle Häuser sind von dicken Mauern und hohen Zäunen umgeben und es werden eine Reihe von Sicherheitssystemen eingesetzt, um Verbrechen und Einbrüche möglichst zu verhindern. Als ich in meinem Hotel eingecheckt habe, wurde ich als erstes dem Wachmann vorgestellt, mir wurde ein Code für das Tor gegeben und ich wurde daran erinnert, keine Fremden ins Gebäude zu lassen. Das alles erscheint auf den ersten Blick etwas furchteinflössend, aber ich habe mich in Kapstadt trotzdem sehr sicher gefühlt. Für mich ist dies auch keinen Grund, von einem Besuch der Stadt abzusehen, oder mich vielleicht in Zukunft für längere Zeit dort niederzulassen.

 

Eine Antwort

  1. Tabitha

    Ein schönes Plädoyer für Kapstadt. Ich werde die Stadt im Herbst erkunden und bin schon wahnsinnig gespannt.
    Danke fürs “Appetit” anregen 😉

    Reply

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