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Wann immer ich bisher an Petra dachte, war es immer das bekannte Bild von Al Khazneh, des Schatzhauses, das mir in den Gedanken herumschwirrten. Mir war nicht bewusst, dass das berühmte Gebäude eigentlich nur ein kleiner Teil einer gigantischen antiken Stadt ist, die in ihrer Blütezeit an die 40’000 Bewohner beherbergte. Petra ist eine versteckte Stadt, eingeschlossen von hohen, schroffen Sandsteinwänden und ist nur durch einen schmalen Gebirgspfad auf der einen und dem Siq  – eine wunderschön geformte Schlucht aus orangem, rotem, weissem und pinkem Sandstein – auf der anderen Seite erreichbar. Die Tatsache, dass wir um 10 Uhr Petra betraten, um 17 Uhr wieder rauskamen, die 7 Stunden dazwischen nur mit wandern verbracht haben und immer noch nicht alles gesehen haben, zeigt, wie gross das Gebiet tatsächlich ist.

Obwohl bisher rund 1000 Gebäude auf einem 20 Quadratkilometer grossen Areal gefunden wurden, wird vermutet, dass 80% der Stadt noch immer unter Sand und Stein verborgen liegen.

Camel in the Siq

Zwei Kamele im Siq.

Inside the Siq

Steinformationen in der Schlucht.

Wie ich von unserem Guide erfuhr, war Petra einst das Zentrum des Karawanenhandels in der Region und die Hauptstadt der Nabatäer. Und man kann sehen, warum: Petra war eine natürliche Festung, galt als nahezu nicht einnehmbar und war durch die einmalige Lage zwischen den Sandsteinfelsen zudem leicht zu verteidigen.

Petra befand sich im Zentrum der Handelswege der Region und verband verschiedene Städte wie Damaskus im Norden und Aqaba am Roten Meer, sowie Gaza und den persischen Golf miteinander. Das trockene Tal war und ist anfällig für Überschwemmungen, aber die Nabatäer erfanden ein cleveres Wasserbewirtschaftungssystem, welches die Stadt mittels Dämmen und Kanälen vor den Fluten schützte und das Wasser in Zisternen für die darauffolgenden langen Dürreperioden speicherte.

Beim Spaziergang durch den Siq habe ich auch gelernt, dass um 100n.Chr. die Römer für ein paar hundert Jahre über Petra herrschten. Noch heute kann man Teile der damals entstandenen Kopfsteinpflasterstrassen sehen. Die westliche Welt wurde dann aber erst im Jahr 1812 auf Petra aufmerksam, als der Schweizer Reisende Jean Louis Burckhardt, verkleidet als muslimischer Händler, durch Einheimische von den angeblich riesigen Ruinen erfuhr. Daraufhin liess er sich die Ausrede einfallen, dass er bei Aaron’s Grab (Moses’ älterer Bruder) eine Ziege opfern möchte, um seinen Führer zu überzeugen, den Umweg zu machen. Er entdeckte so Petra und berichtete darüber in einem Brief an seine Arbeitgeber in England.

Horse carriage in the Siq

Eine der Pferdekutschen, welche für Eilige den Eingang mit dem Schatzhaus verbinden. Auf der linken Seite sieht man die Überreste der Kopfsteinpflasterstrasse aus der Römerzeit.

Der Fussmarsch vom Eingang bis zum Ende des Siq dauert rund eine Stunde – Fotostopps einberechnet. Wer es gerne schneller möchte, kann sich eine Pferdekutsche mieten. Mit diesen rasen die Beduinen in halsbrecherischem Tempo durch die Schlucht und zwingen Fussgänger dazu, möglichst schnell zur Seite zu springen, um nicht überfahren zu werden.

The end of the Siq with a view of the Treasury

Das Ende des Siq und die Aussicht auf das Schatzhaus.

Nach dem langen Marsch durch die kurvige und verwinkelte Schlucht endet der Siq dann urplötzlich und der Besucher sieht dieses beeindruckende Gebäude aus rosa Sandstein vor sich aufsteigen: Al Khazneh, das Schatzhaus. Obwohl Petra eine Menge an Besuchern anzieht, sorgen die weiten Wege dafür, dass sich die Leute verteilen und man steht daher manchmal sogar komplett allein in einer Schlucht oder an einem Grab. Allein beim Schatzhaus war eine grosse Ansammlung von Menschen zu beobachten und Reisegruppen, sowie die Beduinen mit ihren Kamelen füllten den kleinen Platz vor dem riesigen Steintempel. Die besten Bilder und ein etwas ruhigeres Erlebnis gibt es hier früh am Morgen, am späten Nachmittag, nachdem die meisten Besucher zu ihren Bussen oder Hotels zurück gekehrt sind – oder in der Nacht.

Camel in front of the Treasury

Ein Kamel vor dem Schatzhaus.

Walking to the city center

Ruinen auf dem Weg zum alten Stadtzentrum.

Vom Schatzhaus aus – übrigens gab’s da gar nie einen Schatz, es wird vermutet, dass das Gebäude als Grabtempel diente – dauert es nochmals rund eine Stunde bis zum grossen Tempel und der Kolonnadenstrasse, Teile des ehemaligen Stadtzentrums. Die Landschaft ist jetzt etwas offener, überall sind Gräber in den Sandstein gemeisselt. Sie reichen von kleinen Löchern im Felsen, bis hin zu gigantischen Strukturen, die sogar noch grösser als das Schatzhaus sind.

Hat man das Stadtzentrum erreicht, und hat wie wir immer noch nicht genug Felsenarchitektur gesehen, geht es nochmals 30-45 Minuten geradeaus den Berg hinauf zum Ad Deir, dem Kloster. Dieses sieht zwar fast wie das berühmte Schatzhaus aus, liegt aber ein wenig abseits des ausgetrampelten Weges und ist daher weniger überfüllt, ruhiger und bietet schöne Ausblicke auf die umliegende Felsenlandschaft. Beduinen bieten in einem kleinen Café Tee und Kaffee an und es ist ein schöner Ort, um sich von der anstrengenden Wanderung zu erholen. Alles in allem ist das Kloster den harten Aufstieg wert, und für die Faulen gibt es auch noch den einen oder anderen Esel zu mieten.

Geniesst die restlichen Bilder aus dem wunderschönen Petra:

Walk to the Monastery

Auf dem Rückweg von Ad Deir, dem Kloster.

The Monastery

Ad Deir, das Kloster.

Brendan and I at the Treasury

Brendan und ich vor dem Schatzhaus.

Walk through the Siq

Auf dem Weg durch die Siq Schlucht.

Camel

Das Kamel “November” – ein Hengst – vor dem Schatzhaus. Nur männliche Tiere werden geritten, Stuten werden für ihre Milch und zur Zucht genutzt.

The Treasury late in the afternoon

Das Schatzhaus am späten Nachmittag – die meisten Besucher sind bereits verschwunden.

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