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Vor kurzem habe ich für einen Monat die Mongolei besucht, habe am Nationalfest Naadam teilgenommen und viel Zeit mit so einigen Nomadenfamilien verbracht, die mir viel über das traditionelle Leben als Mitglied in einer der grössten verbleibenden Nomadenkulturen der Welt beigebracht haben. Seit tausenden von Jahren überleben sie in den harschen Steppen, sorgen für ihre Tiere und können dank ihnen überleben. Obwohl das Nomadenleben in der Mongolei immer noch beliebt ist, haben harte Winter und trockene Sommer ganzen Herden das Leben gekostet und so viele Familien gezwungen, in die Hauptstadt Ulaanbaatar zu ziehen, das traditionelle Leben aufzugeben und sich einen Job in den Minen zu suchen. Diejenigen Menschen, die immer noch in der weiten Graslandschaft leben, ermutigen ihre Kinder zu einer guten Ausbildung und einem Studium für eine bessere Zukunft. Momentan sieht man überall im am dünnsten besiedelten Land der Welt jedoch immer noch genau die unglaubliche Schönheit, die man sich vorstellt wenn man an die Mongolei denkt: weisse Jurten auf grünen Wiesen, grosse Herden von Pferden, Schafen und Ziegen, die auf der Suche nach dem saftigsten Gras über die Felder ziehen und Teenager, die sich Pferderennen leisten. Ein Paradies für all diejenigen, die sich nach Abenteuer, einem endlosen Himmel, viel Raum und Natur sehnen.

Die Gastfreundschaft der Mongolen war geradezu überwältigend und während ich Zeit mit diesen unerschütterlichen Menschen verbracht habe, liess ich mir natürlich wann ich konnte etwas über das Leben als Nomade erzählen. Geniesse einige Eiblicke in das Leben der mongolischen Nomadenfamilien:

Mongolian gers in a grassy landscape

Jurten sind immer noch die bevorzugte Unterkunft der Mongolen und sogar viele Familien, die in die Hauptstadt gezogen sind, entscheiden sich auch weiterhin in den runden Zelten statt in einer Wohnung zu leben. Obwohl die Zahl der Nomaden abgenommen hat, leben immer noch die Hälfte der Mongolen einen nomadischen Lebensstil in den Steppen, sorgen für ihr Vieh und ziehen mindestens zwei, mehrheitlich jedoch vier mal im Jahr mit dem ganzen Hab und Gut um.

Mongolian ger and a toddler

Der Aufbau einer Jurte dauert, wenn die ganze Familie mithilft, rund eine Stunde. Ein kreisförmiger Rahmen mit hölzernen Stützpfosten wird mit Schichten aus Filz und Yakleder bedeckt und das Ganze wird zu einer Struktur festgezurrt, bei der schlussendlich nur noch ein rundes Loch im Dach und ein niedriger Eingang übrig bleibt. Das Loch lässt Licht und frische Luft hinein und lässt den Rauch aus dem Ofen entweichen, kann jedoch schnell mit einem Seil verschlossen werden, sollte das Wetter umschlagen. Der Eingang einer Jurte ist übrigens immer nach Süden ausgerichtet – eine Tradition die angeblich mehr Sonne in das Haus lassen und den kalten Nordwind abhalten soll.

Milking the mares in Mongolia

Airag, die vergorene Stutenmilch, ist wohl das beliebteste Getränk der Mongolei. Da die Pferde alle zwei Stunden gemolken werden müssen, werden die Fohlen während des Tages angebunden, um die Stuten in der Nähe der Unterkunft zu halten.  Airag zu produzieren ist harte Arbeit – da eine Stute pro Tag nur ca. 2 Liter Milch gibt, sind mehrere Stuten notwendig, um einen ganzen Haushalt zu versorgen. Die Milch muss anschliessend auch noch ständig in Bewegung sein. Darum werden die Behälter mit der gärenden Flüssigkeit oftmals in der Nähe der Tür aufgehängt, sodass jeder der Ein und Aus geht nochmals schnell umrühren kann.

Old man tying foals up on a rope.

Die Fohlen werden jeden Morgen eingefangen und angebunden, sodass diese nicht zu viel trinken und sich die Stuten nicht zu weit wegbewegen. Wann immer die Stuten gemolken werden, dürfen die Fohlen zuerst eine Minute trinken und am Ende des Tages werden sie zusammen mit ihren Müttern für die Nacht freigelassen.

Airag is then served in big bowls

Airag ist ein soziales Getränk und wird daher oft in einer Gruppe genossen und aus grossen Schüsseln geschlürft. Die Gastfreundschaft wird sehr ernst genommen, und so wird auch Besuchern beim Eintreffen zuerst immer eine Schale Airag oder Milchtee mit etwas Käse und Crackers offeriert.

Khorkhog - a traditional Mongolian meal

Eines der beliebtesten Gerichte heisst Khorkhog und wird nur zu speziellen Anlässen gekocht. Dabei wird Ziegen- oder Schafsfleisch zusammen mit Gemüse und heissen Steinen in eine Milchkanne geworfen und anschliessend schön langsam für zwei Stunden gegart. Der Geschmack ist unglaublich!

Watering the goats in a remote area in Mongolia

Die Mongolei leidet unter einer natürlichen Wasserknappheit, wobei jedoch wärmere Temperaturen und weniger Regen aufgrund der Klimaerwärmung das Problem noch verschärfen. Hirten in den trockenen Regionen sind von den Grundwasserbrunnen abhängig und es werden alte Autoreifen verwendet, um das gepumpte Wasser aufzufangen und Tröge für die Tiere zu schaffen. Der Wasserstand sinkt jedoch kontinuierlich, was das traditionelle Leben der Nomaden bedroht.

A goat herder and his daughter on an old motorcycle

So ein Ziegenhirte auf einem Motorrad, wie dieser hier mit seiner kleinen Tochter, sind in der Mongolei ein täglicher Anblick. Obwohl Pferde immer noch häufig und bevorzugt gebraucht werden, haben inzwischen viele Nomaden zusätzlich noch Motorräder, um die täglich anfallenden Arbeiten zu vereinfachen.

Horse herder on a motorcycle in Mongolia

Zum Beispiel öfters auch mal zum Pferde treiben…

Cheese drying on the ger roof in Mongolia.

Mongolischer Käse, genannt Byaslag, wird entweder aus Kuh-. Ziegen-, Yak- oder Schafsmilch hergestellt und jede Nomadenfamilie hat ihr eigenes, spezielles Rezept dafür. Aufgrund des nomadischen Lebensstils, kann der Käse jedoch nicht wie bei uns gelagert und gereift werden und um diesen haltbar zu machen, wird die Masse stattdessen in kleine Scheiben geschnitten und auf den Dächern der Jurten zum Trocknen ausgelegt. Das Resultat ist ein harter, extrem saurer Käse, der hauptsächlich als Snack gegessen wird und allen Gästen beim Eintreten in die Jurte mit einer Schale vergorener Stutenmilch und einigen Crackern angeboten wird.

Mongolian men having fun outside a ger.

Leute die denken, dass in der Monglei niemand lacht, haben die Mongolen noch nie beim Witze reissen beobachtet. Diese Männer geniessen noch ein gutes Gespräch nach der Arbeit und vor dem Abendessen.

Mongolian traditional outfit

Das traditionelle mongolische Outfit ist sehr farbig und beinhaltet einen Hut, den Del und schwere Lederstiefel. Der Del ist, abhängig von der Saison und dem Stil der Provinz, ein knielanges Kleidungsstück aus Seide, Baumwolle oder Wolle. Es sieht ein bisschen wie eine farbige Tunika oder einen Mantel aus, und wird um die Taille mit einer Schärpe, sowie am Kragen auf der rechten Seite mit Knöpfen oder Verschlüssen zusammengehalten. Obwohl moderne Kleidung von einigen Nomaden getragen wird, ziehen viele, vor allem bei Anlässen, die traditionelle Kleidung vor.

Modern dressed boys on a horse

Die Kinder bevorzugen meist den Komfort und die Optik moderner Kleidung. Und sie teilen sich öfters mal ein Pferd, was absolut niedlich ist.

Hacking wood in Mongolia

Mongolische Knochenspiele beinhalten eine Menge schnippen, werfen und fangen und benötigen so mehr Geschick, als man zunächst denkt. Die vier Seiten eines Schafsknöchels werden entsprechend der Topografie des Knochens nach den Tieren Kamel, Pferd, Schaf und Ziege benannt und das beliebteste Spiel ist wohl mit Abstand das Pferderennen. Dafür erhält jeder Spieler ein Pferd (Knochen mit der korrekten Seite nach oben) und wirft vier weitere Knöchel mit hoffentlich der korrekten Technik in die Luft. Wenn die gefallenen Knöchel mit der Pferdeseite nach oben zu liegen kommen, darf der Spieler sein Rennpferd um die entsprechende Zahl Felder nach vorne bewegen.




2 Responses

  1. Manuela

    Sehr schöne Bilder hast du wieder mitgebracht.
    Einen Monat in der Mongolei, das muss eintauchen in eine komplett andere Welt sein.

    Darf ich fragen, mit welchem Plugin du deine Bilder darstellst? Mit dem dunklen Balken als Beschreibung zu den Bildern?

    VG
    Manuela

    Reply
    • Tiffany

      Vielen Dank für das Kompliment Manuela 🙂
      Der dunkle Balken ist kein Plugin, sondern die Captions werden bei meinem WordPress Theme einfach so dargestellt. Ich weiss leider auch nicht, wie man das mit einem Plugin auch so hinkriegen könnte…

      Reply

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