This post is also available in: Englisch

In der Landschaftsfotografie wird meist angestrebt, dass durch das ganze Bild hindurch – vom Vordergrund bis hin zur Bergkette in der Ferne -alle Elemente im Fokus sind. Die Schärfentiefe derart zu maximieren ist jedoch nicht einfach, vor allem wenn man keine Qualitätsverluste durch einen hohen Blendenwert in Kauf nehmen möchte.

Dein Objektiv hat nämlich einen sogenannten “Sweet Spot”, also einen optimalen Punkt, bei dem bestmögliche Schärfe erreicht wird. Dieser Punkt liegt je nach Objektiv und kleinstmöglicher Blendenzahl meist irgendwo zwischen f/5.6 und f/11. Benutzt man daher mal f/22 um eine grösstmögliche Schärfentiefe zu erreichen, wird auch die Bildqualität durch Beugungsunschärfe beeinträchtigt. Ich möchte dich jetzt aber nicht mit viel technischen Details und Quantenphysik langweilen, kurz und knapp bedeutet dies jedoch, dass bei einer hohen Blendenzahl zwar mehr scharfgestellt ist und eine hohe Schärfentiere erreicht werden kann, das Licht jedoch durch ein viel kleineres Loch gezwungen wird und daher beginnt mit sich selbst zu interferieren. Und zack hat man dann ein “weicheres” Bild.

Hier wird mit Focus Stacking angesetzt. Diese Methode ist nicht so schwierig, zeitaufwendig und umständlich, wie man sich das vielleicht vorstellt und setzt lediglich etwas mehr Zeit in der Nachbearbeitung und einige zusätzliche Fotos vor Ort voraus. Beim Focus Stacking werden also mehrere Aufnahmen der exakt gleichen Szene gemacht, jedoch wird kontinuierlich auf verschiedene Distanzen fokussiert. Schlussendlich werden all diese Bilder zu einem rassiermesserscharfen Foto zusammengefügt, welches die schärfsten Portionen jedes Bildes in sich vereint.

Alles in allem ist Focus Stacking eine einfache Methode und führt vor allem bei Teleobjektiven, der Makrofotografie aber auch in einigen Weitwinkelsituationen zu scharfen Fotos, die mit nur einer Belichtung so nicht möglich gewesen wären. Keine Angst, diese Methode muss man natürlich nicht zwingend bei jeder Fotosession anwenden. Auch ich verwende Fokus Stacking nur wenn es nötig ist, ich also mit Zoomobjekten arbeite oder wenn sich wie im Beispiel von Guadalupe das Vordergrundelement extrem nahe an der Kamera befindet.

Focus Stacking

Ich werde dir das Focus Stacking in diesem Artikel mit einem Sonnenuntergangs-Beispiel aus dem Guadalupe Mountains National Park in Texas näher bringen. Wie du sehen kannst, wollte ich sowohl den extrem nahen Kaktus im Vordergrund, als auch den Berg im Hintergrund möglichst scharf abbilden, was mit meinem Weitwinkelobjektiv wenn überhaupt nur mit hoher Blendenzahl möglich gewesen wäre. Der Einfachheit halber habe ich in diesem Beispiel nur zwei deckungsgleiche Aufnahmen mit unterschiedlicher Schärfentiefe verwendet. Natürlich kann man jedoch mit so vielen Fotos wie man möchte (und der Computer verkraften kann) arbeiten.

Was man braucht

  • Ein stabiles Stativ
  • Eine Kamera und Objektiv
  • Photoshop, Elements oder ein ähnliches Bildbearbeitungsprogramm. In diesem Tutorial wird Focus Stacking jedoch anhand von Photoshop gezeigt.

Darauf muss man beim Fotografieren achten

1. Finde den “Sweet Spot” deines Objektivs

Folgende Faustregel eignet sich ziemlich gut, um den süssen Punkt eines Objektivs ausfindig z machen: zuerst muss die maximale Blendenöffnung eines bestimmten Objektivs in Erfahrung gebracht werden, zum Beispiel also f/2.8. Anschliessend reduziert man den Wert um 2.5 bis 3 Blendenstufen und erhält somit den Sweet Spot. Bei einem Objektiv mit einem minimalen Blendenwert von f/2.8 wäre dies also um f/5.6 bis f/8.

2. Stativ

Setz die Kamera unbedingt auf ein Stativ. Die Bildkomposition sollten identisch sein und sich nur im Fokus unterscheiden.

3. Benutz den M Modus

Alle Bilder sollten die gleichen Belichtungseinstellungen aufweisen und sich also in ISO, Verschlusszeit und Blendenwert nicht unterscheiden.

4. Fokussiere Manuell indem du rein-zoomst 

Beginne mit dem nahegelegendsten Punkt deines Bildes und setze den Fokus in den darauffolgenden Fotos schrittweise weiter entfernt an. Behalte die Schärfentiefe im Hinterkopf und lass die scharf gestellten Bereiche des Bildes etwas überlappen, um später in der Nachbearbeitung eine deckende Schärfe zu erreichen. Die Sequenz ist beendet, wenn das am weitesten entfernte Element erreicht wird, welches sich meist um oder genau auf Unendlich befindet.

Guadalupe Mountains National Park

Der Prozess in der Nachbearbeitung

Es gibt zwei Methoden, um die Bilder mit unterschiedlicher Fokussierung in der Nachbearbeitung zusammenzufügen. Die erste Technik verlässt sich fast gänzlich auf den automatisierten Prozess von Photoshop, in der zweiten wird manuell gearbeitet.

Automatisiertes Focus Blending mit Photoshop

1. Datei – Skripten – Dateien in Stapel laden (Dies öffnet alle Fotos als Ebenen in einem Photoshop-Dokument)

2. Nachdem alle Fotos als Ebenen ins Dokument eingefügt wurden, sortiere ich diese gerne nach Fokusdistanz und benennte sie entsprechend. Stell sicher, dass keines der Fotos als Hintergrund angezeigt wird. Ist dies der Fall, hilft ein Doppelklick auf “Hintergrund” und das Bild wird in eine reguläre Ebene umgewandelt.

3. Bearbeiten – Ebenen automatisch ausrichten – “Auto” wählen (Dies stellt sicher, dass alle Ebenen exakt aufeinander ausgerichtet sind)

4. Bearbeiten – Ebenen automatisch überblenden – Bilder stapeln und “Nahtlose Töne und Farben” anwählen (Photoshop bestimmt nun die schärfsten Teile jedes Bildes und fügt die notwendigen Ebenenmasken hinzu)

5. Das Resultat lässt sich sofort erkennen. Es befinden sich nun Ebenenmasken neben den Ebenen, welche die schärfsten Bereiche weiss anzeigen und die unscharfen Bereiche mit schwarz versteckten. Ist der Prozess abgeschlossen, zoomt man am Besten noch rein, überprüft das ganze Bild auf Fehler und korrigiert wo es notwendig ist mir schwarzer (abdeckend) oder weisser Farbe (aufdeckend) nach.

focus stacking in photoshop

Focus stacking in Photoshop

Manuelle Fokus Stapelung

Ich wähle die manuelle Methode meist, wenn ich vorhabe nur zwei bis drei Bilder zusammenzufügen und etwas mehr Kontrolle und Präzision wünsche. Wählt man den manuellen Weg, werden ebenfalls zunächst die oben genannten Schritte 1-3 durchlaufen, sodass die Fotos als Ebenen geöffnet und exakt ausgerichtet sind. Statt das Fokus Blending jedoch zu automatisieren, werden die schärfsten Bereiche der Bilder anschliessend mittels Ebenenmasken und weiss/schwarzen Farbverläufen sowie Pinseln manuell zusammengefügt.

Das war’s Leute, Focus Stacking ist tatsächlich ziemlich einfach und anschliessend kann das fertige Bild wie üblich weiter bearbeitet werden.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

CommentLuv badge