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Die Everglades sind gefährdet. Landwirtschaft, die fast unkontrollierte Ausbreitung urbaner Entwicklung und menschlicher Einfluss, nicht zuletzt durch Horden kaum umweltbewusster Touristen, sind Umweltprobleme, welche die einmaligen Feuchtgebiete massiv bedrohen. Gestörte Strömungsverhältnisse sind ein riesiges Problem, die Population der Watvögel hat um 90% abgenommen und nicht einheimische Pflanzen- und Tierarten, welche die einheimische Flora und Fauna bedrohen, oder bereits fast komplett ausgerottet haben, wurden eingeschleppt. Es wurden Schritte eingeleitet, um den Wasserfluss in die Everglades wieder zu erhöhen und den Nationalpark so weit wie möglich zu erhalten. Aber, um es gelinde Auszudrücken, sind die Everglades bereits ein hoch-bedrohtes, sehr empfindliches Ökosystem.

Obwohl Airboats bzw. Luftkissenboote innerhalb des Everglades Nationalpark weitestgehend verboten sind, flitzen sie trotzdem in den angrenzenden Sumpfgebieten durch die Schilfgras-Prärien und bringen Touristen auf Alligator-Safari. Die Unternehmen geben an komplett umweltfreundlich zu sein, aber ich und viele andere glauben, dass sie doch ihre Spuren im fragilen Ökosystem hinterlassen. Denn, wenn man sich als Unternehmen selber lautstark als umweltfreundlich anpreist, gleichzeitig aber mit “unglaublicher Action”, “Wildlife Shows” und “Alligatoren Wrestling” in und rund um einen Nationalpark wirbt, ringen bei mir die Alarmglocken. Für mich sind Airboats wie Zoos, sie können durchaus eine positive, aufklärende Funktion haben, aber schlussendlich würde ich trotzdem besser schlafen, wenn es sie gar nicht geben würde.

An alligator just chilling in the Everglades National Park

Die Everglades, wie wohl die meisten Nationalpärke, scheinen besser für ein langsameres, bewussteres Tempo geeignet zu sein. Und natürlich ist es durchaus möglich, die ‘Glades ohne Airboat zu erkunden – zu Fuss, im Kayak oder im Kanu zum Beispiel. Man ist so vielleicht nicht in der Lage absolut alles zu sehen, aber muss man denn das überhaupt? Mir wäre es lieber die Umwelt wird intakt gelassen und einige Gebiete wären überhaupt nicht zugänglich, als mit einem Airboat durch den Sumpf zu rasen und für eine Stunde Action zur Zerstörung dieses unglaublichen Ökosystems beizutragen.

Es gibt keine bessere Art, um zu verstehen warum die Everglades es verdienen gerettet zu werden, als dem Nationalpark selber einen Besuch abzustatten. Natürlich gibt es viele mehrtägige Wanderungen und Kanu-Trips, aber ich habe mal einige Stops im Nationalpark aufgelistet, die gut auf einem Tagesausflug via des Homestead Eingangs besucht werden können.

Begib dich auf den Anhinga Trail bei Royal Palm

Die Pflanzenwelt der Everglades ist faszinierend, aber was doch die meisten Besucher in den Park zieht, sind die Wildtiere. Royal Palm ist ein Muss, wenn man eine riesige Anzahl wilder Tiere aus nächster Nähe und ohne Airboat-Tour sehen will. Der Anhinga Trail führt über Holzbrücken und geteerte Pfade entlang der Wasserwege und durch dichte Vegetation. Da es bei Royal Palm von Wildtieren nur so wimmelt, trifft man hier nicht nur die beeindruckenden Alligatoren, sondern auch eine grosse Vielfalt an Vögeln, wie zum Beispiel Reiher, Kormorane, Ibisse und Störche an. Ab und zu sieht man sogar eine Schildkröte aus dem Wasser blinzeln. Es ist fast ein bisschen überwältigend, wie viele Tiere sich in diesem Gebiet aufhalten – vor einem Holzsteg sah ich zum Beispiel, wie sich über 20 Alligatoren zusammen gemütlich sonnten.

A great blue heron stalking prey in the Everglades, Florida.

Alligator in the Everglades

A cormorant sitting on a boardwalk in the Everglades

Der Pinelands Trail

Der Pinelands Trail ist – meiner Meinung nach – ein ziemlich unbekannter und unterbewerteter Pfad durch einen Kiefernwald. Dieser Kiefernwald erstreckte sich einst entlang der gesamten Atlantikküste, aber heute ist dieses kleine Gebiet praktisch das einzig verbleibende Habitat dieser Art.

the Pinelands Trail leads through a small pocket of pine forest

Der Mahogany Hammock Trail

Der Hardwood Hammock, frei übersetzt eine Hartholz Erhebung, ist eines von mehreren klar ausgeprägten Ökosystemen innerhalb des Everglades Nationalparks. Während riesige Flächen des Parks aus Sumpf bestehen, ragen die Hammocks um nur wenige Zentimeter aus der Landschaft hervor. Dies erlaubt Hölzern, wie zum Beispiel Mahagoni-, Gumba-Limbo- und Ahornbäumen dort zu wachsen. Der Mahogany Hammock Trail führt zu genau so einer kleinen Insel mitten in der Schilfgras Prärie, die zufälligerweise auch noch den grössten Mahagonibaum der USA beherbergt.

great blue heron in the everglades

Der Pa-hay-okee Aussichtspunkt

Wenn man sich den riesigen Weiten der Everglades bewusst werden will, muss man hoch hinaus. Am Boden sieht man nur bis zum nächsten Grasbüschel, aber vom Pa-hay-okee Aussichtspunkt hat man einen wunderbaren Blick über dieses endlos erscheinende Meer aus Schilfgras. Zum Aussichtspunkt führt ein hübscher Holzsteg, der von Magnolienbäumen eingerahmt wird, einen Sumpfzypressenwald und eine Erklärung, wie der Shark River Slough, eine 8 Meilen breite Wasserfläche, als Ökosystem funktioniert.

Boardwalk leading to the Pahayokee overlook

Ich denke diese vier Punkte sind eine tolle Einführung in den Everglades Nationalpark und dessen Ökosysteme. Bis nach Flamingo muss man nicht unbedingt, denn abgesehen von einigen Teichen mit Wasservögeln auf dem Weg dahin, findet man dort nur eine Toilette und ein unbedeutendes Café.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

2 Responses

  1. Stefan

    Hi Tiffany,
    sehr coole Fotos von dem kleinen Alligator. Du hast doch bestimmt schon eine Menge Wildlife Fotos aus der ganzen Welt. Die fänd ich auf jeden Fall mal sehr interessant. Vielleicht hast du ja mal Lust bei mir zu stöbern.

    Reply
    • Tiffany

      Leider nicht so viele wie ich gerne hätte 🙂 ich muss wieder mal nach Afrika. Vielen Dank auf jeden Fall und du hast natürlich auch ganz wundervolle Fotos!

      Reply

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