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Fotografen reden selten über Filter und auch ich erwische mich immer wieder dabei, wie mir dasselbe passiert. Wenn mich jemand fragt, wie ich ein bestimmtes Foto aufgenommen habe, vergesse ich oft zu erwähnen, welche Filter ich benutzt habe und gleichermassen denken viele Menschen immer noch, dass es für gute Fotos lediglich eine super Kamera braucht. Die Wahrheit ist, dass eine Menge Faktoren bei der Aufnahme eines atemberaubenden Landschaftsfotos involviert sind. Ja, teils ist das ein gutes Auge für Bildkomposition, das Fotografieren zur richtigen Tageszeit und auch der Besitz eines Stativs – aber Filter sind ebenfalls ein wichtiger und kaum erwähnter Teil der Landschaftsfotografie.

Ich liebe die Landschaftsfotografie und daher verlasse ich mich oft und gerne auf verschiedene Filter wenn ich draussen in der Natur unterwegs bin. Für die Strassenfotografie, Wildtierfotografie oder Porträtaufnahmen benutze ich keine Filter. Wie ich auch keine Sonnenbrille im Dunkeln aufsetzen würde, schraube ich auch Filter nur vors Objektiv, wenn ich sie wirklich brauche.

In diesem Artikel werde ich euch also in die Welt der Filter einführen, euch zeigen, wann und wie man sie verwenden kann und auf was man beim Kauf eines Filters achten sollte.

Shooting with a Square Filter and Filter Holder in Central Mongolia.

Fotografieren mit einem quadratischen Filter und einem Filterhalter in der Zentralmongolei.

Die verschiedenen Filtertypen in der Fotografie und wie man sie verwendet

UV Filter

In alten Filmkameras wurden UV Filter dazu verwendet das UV Licht zu blockieren, um so den Blaustich, der an sonnigen Tagen das Bild überlagerte, zu reduzieren. In modernen Kameras und Objektiven treten diese Störeffekte jedoch nicht mehr auf und somit ist diese originale Funktion des UV Filters auch überflüssig. Weil diese Filter aber eben nur noch ein klares Stück Glas sind, werden UV Filter heute hauptsächlich zum Schutz des Objektivs eingesetzt. Einige Fotografen lassen diese Filter ständig an der Linse, andere benutzen sie gar nicht. Ich bin da irgendwo zwischendrin. Es ist einfacher Staub, Schlieren und Fingerabdrücke von einem Filter zu entfernen und es ist auf jeden Fall billiger, den UV Filter aufgrund eines Kratzers zu ersetzen als ein neues Objektiv kaufen zu müssen. Wahrscheinlich wird jeder Unfall der den Filter beschädigt auch am Objektiv und der Kamera nicht spurlos vorbeigehen, aber ich denke doch, dass die Überlebenschancen einer Linse mit Filter vornedran doch etwas besser sind als ohne. Und der zusätzliche Schutz beruhigt schon ein bisschen.

Verwenden kann man UV Filter also gerne, wenn man denn möchte, aber notwendig sind sie keinesfalls. Man darf auch nicht vergessen den Filter bei dunkleren Lichtverhältnissen wieder abzuschrauben, da UV Filter mit abnehmendem Licht gerne mal Geisterbilder und Streulicht verursachen. Da ich meistens während der goldenen und blauen Stunde fotografiere und den Filter anschliessend wieder vergesse dran zu schrauben, benutze ich UV Filter daher kaum.

Polarisationsfilter

Polarisationsfilter beeinflussen, wie die Kamera Glanz, Schein und Spiegelungen aufnimmt. Beim Fotografieren von Wasser zum Beispiel möchte man vielleicht Spiegelungen auf der Oberfläche vermeiden, um dem Wasser dieses glasklare Aussehen zu verleihen. Dank der Reduktion der Spiegelungen und des Glanzes/Scheins der durch das Sonnenlicht verursacht wird, erscheint dann auch die Farbe das Wassers intensiver und lebendiger. Der Farbwechsel ist jedoch nicht nur im Wasser zu beobachten, sondern betrifft das ganze Bild: Pflanzen können grüner erscheinen und der Himmel verwandelt sich von einem hellblau in eine dunklere, sattere Farbe. Möchte man also glänzende Oberflächen, störenden Schein oder Spiegelungen vermeiden, verwendet man einen Polarisationsfilter.

Viele Fotografen entscheiden sich für einen Zirkularpolarisationsfilter, bei dem man durch Drehen des Filters die Stärke anpassen kann. Beachten muss man jedoch, dass ein Polarisationsfilter die Menge des Lichts welches an den Sensor gelangt um etwa 1-3 Blendenstufen reduziert. Man muss also die Belichtungswerte entweder durch einen höheren ISO Wert, längere Verschlusszeiten oder einen tieferen Blendenwert anpassen. Dementsprechend sollten Polarisationsfilter auch nicht Nachts verwendet werden.

polarisationsfilter: mit und ohne vergleich

Neutraldichte (ND) Filter

Hast du dich jemals gefragt, wie Landschaftsfotografen die Bewegung der Wolken einfangen, seidig-glatte Wasserfälle darstellen oder die Wellen an einem Strand mitten am Tag in einen sanften Nebel verwandeln? Wann immer man ein Gefühl der Bewegung vermitteln möchte und dabei längere Verschlusszeiten benötigt (entweder weil man gerade nicht zur besten Tageszeit fotografieren kann oder sich im harschen Tageslicht kreativ ausleben will), kommen Neutraldichte-Filter zum Einsatz. Diese Filter sind lediglich ein abgedunkeltes Stück Glas, welches an der Vorderseite des Objektivs montiert wird, um so die Lichtmenge die den Sensor erreicht zu reduzieren. Dank der ND Filter ist man als Fotograf nicht mehr an die Lichtbedingungen gebunden und kann Bewegung auf verschiedene kreative Arten einfangen.

ND Filter können aber auch in aussergewöhnlichen Situationen nützlich sein, zum Beispiel wenn man versucht überfüllte Touristen-Hotspots ohne die ganzen Menschenmassen zu fotografieren. Schraubt man da einen mächtigen 10-stop Filter dran, lösen sich Menschen in Bewegung dank der ultra langen Belichtungszeit in Luft auf.

Neben den gleichmässig abgedunkelten Neutraldichte Filtern gibt es aber auch noch einige andere Varianten zu beachten:

Graduelle ND Filter

Graduelle ND Filter funktionieren genau gleich wie die regulären ND Filter mit dem einfachen Unterschied, dass nur eine Hälfte des Filters abgedunkelt ist und die andere aus klarem, durchsichtigem Glas besteht. Graduelle Neutraldichte Filter werden dann verwendet, wenn ein Teil des Bildes zu überbelichtet ist und man dies mit abdunkeln des betroffenen Bereichs korrigieren möchte. Der Teil des Bildes, der den Dynamikbereich der Kamera überschreitet, ist in den allermeisten Fällen der Himmel. Der graduelle ND Filter wird dann aufgesetzt, um Details und Farbe in diesen zu grellen/hellen Himmel zurück zu holen.

A soft-edge graduated ND filter covering the left side of the image, while the right side is left bare in comparison.

Ein Gradueller ND Filter mit weicher Kante bedeckt die linke Seite des Bildes. Im Vergleich dazu wurde die rechte Hälfte frei gelassen.

Graduelle ND Filter – weiche oder harte Übergänge?

Hard Edge ND Filter

Bei diesen Filtern ist der Übergang zwischen klarem Glas und abgedunkeltem Glas klar definiert und hart. Hard Edge Filter kommen bei Landschaften mit komplett flachem Horizont zum Einsatz, dann wenn kein Objekt in den Himmel ragt und eine klare Grenze zwischen hell und dunkel besteht. Ein Beispiel hierfür ist der Ozean, wo man eine saubere und harte Grenze zwischen Wasser und Himmel beobachten kann. Die Übergangslinie des Filters wird in dieser Situation genau am Horizont platziert.

Soft Edge ND Filter

Bei Soft Edge ND Filtern ist der Übergang zwischen abgedunkelten und klarem Glas gradueller und weicher. Diese Filter sind daher auch nicht ganz so limitiert einsetzbar wie die Hard Edge Filter und können bei einer Vielzahl von Landschaftsfotos verwendet werden, auch wenn Bäume, Berge oder Gebäude über den Horizont ragen.

Umgekehrt Gradueller ND Filter

Dieser Filter hat genau eine Funktion, und die ist bei Sonnenaufgangs- und Untergangsfotos zu helfen, genau dann nämlich, wenn sich der Feuerball nur wenig über dem Horizont befindet. Der umgekehrt graduelle ND Filter ist vielleicht etwas schwieriger zu visualisieren, aber vorstellen kann man sich den so: Teilt man den Filter in vier gleich grosse Abschnitte, dann ist der oberste Viertel um eine Blendenstufe abgedunkelt, der zweite Viertel um drei Blendenstufen dunkler und die unteren zwei Viertel sind klar, mit weichen Übergängen dazwischen. Umgekehrte graduelle ND Filter sind oft etwas länger als reguläre ND Filter und somit ist der Fotograf in der Lage, den Filter entsprechend zu bewegen und den dunkelsten Teil des Glases direkt über der Sonne zu platzieren. Würde man in dieser Situation hingegen einen einfachen graduellen ND Filter verwenden, wäre die Sonne eventuell zu überbelichtet und der obere Teil des Himmels zu dunkel.

Die verschiedenen Filterformen

Natürlich stehen beim Kauf solcher Foto-Filter verschiedene Filtersysteme zur Verfügung. Die folgenden zwei sind bei weitem am verbreitetsten:

Runde Schraubfilter

Schraubfilter werden ganz einfach vorne am Objektiv angeschraubt und da sie keine zusätzlichen Adapter oder Halter benötigen, sind sie ziemlich einfach zu handhaben. Ein kleiner Nachteil ist jedoch, dass man entweder für jedes Objektiv den zugehörigen Filter mit dem richtigen Durchmesser oder einen Step-Up Ring kaufen muss.

Steckfilter

Diese quadratischen oder rechteckigen Filter sind ebenfalls in verschiedenen Grössen erhältlich, der Vorteil ist jedoch, dass der gleiche Filter auf alle Objektive passt, solange man natürlich den richtigen Adapterring für den Filterhalter besitzt. Wobei auch schon ein zweiter Punkt angeschnitten ist. Benutzt man Steckfilter braucht man zusätzlich einen Filterhalter. Der Vorteil ist jedoch, dass man den Filter frei nach oben oder unten bewegen und so genau an die gewählte Szene anpassen kann.

Graduated ND Filter held up against an overexposed sky.

Ein quadratischer gradueller ND Filter vor einem überbelichteten Himmel.

Was du beim Kauf eines Filters beachten musst

Zuerst muss man mal wissen, welche Stärke und Form der Filter überhaupt haben soll. Dies variiert von Fotograf zu Fotograf und hängt von den eigenen Vorstellungen und dem individuellen kreativen Ziel ab. Wer sich aber für die quadratischen Steckfilter entscheidet, sollte sich wie schon erwähnt unbedingt noch den passenden Filterhalter dazu kaufen. Filter sind sehr empfindlich und zerkratzen leicht wenn man mit ihnen nicht sorgfältig umgeht. Obwohl es möglich ist die quadratischen Filter ganz einfach mit einer Hand vor das Objektiv zu halten, rate ich davon ab, da der Kontakt zwischen Filter und Objektiv und die unvermeidbaren Bewegung der Hand zu Kratzern führt. Und ein weiterer Bonuspunkt: hat man einen Filterhalter, hat man auch die Hände frei.

Achte auf die korrekten Filter- und Filterhalter-Grössen

Beim Kauf eines Filters muss man unbedingt darauf achten, dass Filter und Halter den korrekten Umfang haben und aufs Objektiv passen. Ausserdem muss man aufpassen, dass die Kanten des Filterhalters nicht in das Bild hineinragen und unschöne schwarze Ränder hinterlassen. Wer nicht für jedes einzelne Objektiv den passenden Zirkularfilter kaufen möchte, sollte Step-Up und Step-Down Ringe in Betracht ziehen. Diese Ringe sind etwas leichter und günstiger als Filter und ermöglichen es, einen Filter mit einem kleineren oder grösseren Durchmesser als das Objektiv dennoch zu benutzen. Step-Down Ringe werden aber nicht oft gebraucht. Da der Filter hier für das Objektiv zu klein ist führen diese nämlich zu Vignettierung an den Rändern des Bilders. Step-Up Ringe hingegen sind eine gute, kostengünstige Alternative für diejenigen Fotografen, die einen Filter mit grossem Umfang besitzen und diesen auch auf kleinere Objektive schrauben möchten.

Der Unterschied zwischen einem billigen und einem teuren Fotofilter

Filter werden nicht nur in unterschiedlichen Grössen und Formen angeboten, sondern reichen auch noch von billig bis schweineteuer. Der Preis eines Filters hängt nicht nur von der Grösse und Qualität des Glases ab, sondern auch von der Anzahl der Beschichtungen. Teurere Filter reduzieren Vignettierungen, Spiegelungen und störende Blendenflecken, während billige ND Filter zum Beispiel zu einem veränderten Farbstich führen können, der dann in der Nachbearbeitung entfernt werden muss. Wer aber nicht 200$ für ein Stückchen Glas übrig hat, ist auch mit den Filtern um die 50-100$ gut bedient. Der Unterschied ist nicht so grausam und gravierend, wie einem die Verkäufer weiss machen wollen und man erzielt auch mit diesen Filtern im mittleren Preisbereich tolle Resultate. Aufpassen muss man jedoch bei den super-billigen chinesischen Filtern, die zum Beispiel auf Ebay erhältlich sind – hier sind unschöne Nebenwirkungen zu erwarten.

A circular polarizing filter used on a beautiful sky in Mongolia.

Ein Zirkularpolarisationsfilter hebt auch Wolken wunderbar hervor.

Meine Empfehlung

Da die Filter-Auswahl dermassen gross ist, kann es natürlich schwierig sein, sich für die oder den allerersten Filter zu entscheiden. Abgeleitet aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich aber grundsätzlich einen 3-Stop ND Filter sowie einen graduellen 3-Stop ND Filter wärmstens empfehlen. Diese Filter werden bei mir am häufigsten aus dem Rucksack geholt und sind ein gutes Mittelmass. Da sie nicht zu stark oder zu schwach sind, kann man die 3-Stop Filter in vielen verschiedenen Situationen anwenden und ist in den meisten Fällen gut bedient.

Warum brauche ich überhaupt Filter? Kann ich den Effekt nicht später in der Nachbearbeitung einfügen?

Es ist natürlich ideal, wenn man das perfekte Foto bereits vor Ort mit der Kamera erfasst und sich nicht zu sehr auf die Nachbearbeitung verlassen muss. Ich persönlich nutze Lightroom und Co. nur für den letzten Schliff und versuche jeweils das Beste aus den Lichtverhältnissen rauszuholen. Auch wenn man RAW schiesst führen Belichtungskorrekturen, das Entfernen von Spiegelungen und das Hinzufügen von mehr Sättigung immer zu Qualitätsabstrichen. Man kann zwar mit Photoshop noch so einiges retten, aber das Ergebnis wird nie so gut sein, wie wenn man alles von Anfang an richtig macht, im guten Licht fotografiert und den korrekten Filter verwendet.

Für diejenigen, die resolut gegen Filter sind und diese auch nicht verwenden möchten, gibt es aber noch eine andere Lösung. Bracketing oder Exposure Blending erzeugt sehr ähnliche Ergebnisse, bedeutet aber auch relativ viel Aufwand. Bracketing heisst, dass unterschiedliche Blendenstufen gewählt werden und so mehrere Bilder der genau gleichen Szene aufgenommen werden (in der Regel mit einem Stativ). Später werden diese Fotos mit den unterschiedlichen Belichtungszeiten in Photoshop mit Ebenenmasken zusammengefügt. Da mehrere Fotos zu einer Aufnahme verschmolzen werden müssen, ist dieser Prozess viel arbeitsaufwändiger und erzeugt auch einige Probleme, wie zum Beispiel Ghosting. Benutzt man hingegen den ND Filter, muss man nur ein Foto schiessen und hat nicht all die zusätzliche Arbeit in der Nachbearbeitung.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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