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Unser Tag in Wadi Rum beginnt mit einem kleinen Tumult. Obwohl ich nachts im Camp von ein paar Mücken (oder einem einzelnen, sehr bösartigen Exemplar) im Gesicht zerstochen wurde und nun aussehe, wie jemand, der gerade von einer Kneipenschlägerei kommt, ist dies nicht der Grund für die Aufregung. Nicht eines, nicht zwei, sondern drei Kamele im Captain’s Desert Camp sind trächtig und laut den Beduinen, könnten die Geburten jeden Moment losgehen. Natürlich begeben wir uns sofort ins Kamelgehege, um das Geschehen mit eigenen Augen zu beobachten.

Obwohl die hochschwangeren Kamele sich dazu entscheiden, nicht zu gebären, machen Brendan und ich die Bekanntschaft eines süssen Babykamels, das zwar nur einige Wochen alt, jedoch mindestens genauso mürrisch ist, wie seine älteren Artgenossen. Es gibt die typisch gurgelnden Geräusche von sich, versucht uns anzugreifen, besteigt die eigene Mutter und jagt eine Herde von verängstigten Ziegen durch das halbe Camp. Wir beobachten das kleine Kamelchen bei seinen Eskapaden, weichend lachend den plumpen Angriffen aus und staunen nicht schlecht, als ein Beduine das Tier liebevoll umarmt und in den Schwitzkasten nimmt, bevor es sich wieder losreisst um noch mehr Unfug anzustellen.

A Bedouin boy and his camel. He came riding up on it, racing his friends, got off and then stood there long enough for me to get my favourite shot from Jordan.

More camel love: this time it's on of the Bedouins from our desert camp, hugging a baby camel.

Nachdem wir den Launen des Babykamels nur knapp entkommen sind, nehmen wir unsere Plätze auf der Ladefläche eines 4×4 ein und begeben uns damit in die Wüste. Ich bin froh zu sehen, dass die Camps, die Touren und die Verwaltung fest in den Händen der Beduinen sind, die einen ausgeprägten Sinn für Öko-Abenteuertourismus zu besitzen scheinen. Wadi Rum ist wohl eine der schönsten, sowie auch authentischsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Die Beduinen leben noch ziemlich traditionell, es gibt keine grossen Hotelkomplexe und keine gierigen Unternehmen, die den Besuchern das Geld für einige miese Erfahrungen in einer überfüllten Touristenattraktion aus der Tasche ziehen.

Wadi Rum ist ruhig und friedlich, was irgendwie auch zu seinem zweiten Namen “Tal des Mondes” passt. Beeindruckende Felsformationen ragen überall aus dem orangefarbenen Sand, schroffer Granit- und Sandstein, der nur darauf zu warten scheint, mit einer Klettertour entdeckt zu werden. Ab und zu sichten wir eine kleine Karawane auf einer Düne, sehen Kindern bei Kamelrennen zu und entdecken kleine Camps, versteckt hinter den farbigen Felsen. Die Stille wird nur das Brummen des 4×4 gebrochen, als wir uns am Dach festklammern und unser Guide aufs Gas tritt, um den dritten Anlauf auf eine Düne zu unternehmen.

Driving through the desert on the back of a 4x4 and enjoying the view.

Desert landscape.

Wadi Rum landscape

Got the opportunity to climb one of the rock formations and stand on a natural arch.

Dunes.

4x4 on the dunes

Nach einem erfolgreichen Tag in der Wüste, aber mit noch ein wenig Zeit, bevor wir zurück nach Aqaba müssen, erhalten wir die Chance, ein Oryx-Schutzgebiet am Rande von Wadi Rum zu besuchen. Besucher werden hier in der Regel nicht erlaubt, da der Zweck des Reservates nicht bei Safari’s und Unterhaltung liegt, sondern zur Zucht der seltenen Tiere für eine spätere Auswilderung dient. Dies bedeutet natürlich, dass die Antilopen von Besuchern, wie auch Einheimischen ferngehalten werden, um in ihrer natürlichen Umgebung und mit einer gesunden Angst vor dem Mensch aufzuwachsen.

Der Arabische Oryx war einst in den Wüsten des ganzen Nahen Ostens zu Hause und wird sogar auf den Höhlenzeichnungen der Region dargestellt. Nachdem die Tiere durch die Jagd und die Überweidung ihrer Lebensräume im 20. Jahrundert in der Wildnis ausgestorben waren, wurde im Jahr 2002 dieses neue Erhaltungsprojekt in Jordanien eingeführt. Wenn das Programm erfolgreich ist, könnten Besucher in Wadi Rum bald die Oryxantilopen in der Wadi Rum Protected Area in freier Wildbahn beobachten und für die Beduinen bestände die Möglichkeit, Oryx-Beobachtungstouren anzubieten. Es ist ein tolles Projekt und ich bin froh, dass ich die Möglichkeit erhalte, die Tiere ausserhalb eines Zoos und in ihrem ursprünglichen Lebensraum zu beobachten: der wilden Landschaften von Wadi Rum.

Oryx reserve

Oryx reserve

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

3 Responses

  1. Ewald

    Sehr interessanter Bericht und wunderschöne Fotos. Diese Natur und Unberührtheit. Wirklich wie eine Mondlandschaft. Wir freuen uns mit Dir, dass Du dies erleben darfst.

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    • Tiffany

      Wie immer, vielen Dank für den Kommentar. Es freut mich, dass dir die Fotos gefallen haben – Wadi Rum wäre sicherlich auch was für dich!

      Reply

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