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Zuerst mochte ich Malawi eigentlich gar nicht. Ich war zwar nie da, hab auch nicht wirklich viel über das Land gehört, aber die Visumsbeschaffung war so dermassen mühsam, dass ich Malawi von Anfang an schon abgeschrieben hatte.

Ist man Schweizer, so wie ich, kann man nicht einfach wie so manch andere Nationalitäten einfach reinspazieren. Nein, man muss sich zunächst mal ein Visum besorgen. Halb so schlimm eigentlich. Nur unterhalten die Malawier in der Schweiz keine Botschaft und die nächste zuständige Stelle befindet sich in Brüssel. Man schickt also seinen Pass mitsamt zentimeterdicken Formularen nach Belgien und hofft inständig, dass der Umschlag auch ankommt und einigermassen heil und mit Visum wieder zurück geschickt wird. Falls der Pass unterwegs verloren geht kann man sich die geplante Reise sowieso gleich abschminken. Wenn man da anruft um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen, wird man auf viel zu schnelles Französisch angemotzt und man solle gefälligst geduldig warten. Gut, fünf Wochen später kam der Pass dann zwar zurück, aber das ganze Unterfangen hat mich eindeutig ein paar Nervenzellen zu viel gekostet.

Children in Malawi

Kinder in Malawi – so viel Grossartigkeit in einem Bild

An der Grenze wurden die Dinge nicht einfacher. Der Herr am Einreiseschalter ist zwar freundlich, blättert aber eine ganze Weile im Pass rum und teilt mir dann mit, dass ich als Schweizer Bürgerin leider ein Visum brauche und dass ich darum nicht einreisen könne. Ich bin verwirrt, habe ich doch extra keine Kosten und Mühen gescheut um das Ding zu besorgen und es klebt dick und fett mitten in meinem Pass. Ich weise den Herrn zu Seite 14 und warte. Er inspiziert das Visum auf eine Art und Weise, die bei mir die Vermutung aufkommen lässt, dass er noch nie etwas derartiges gesehen hat. Ich beginne mich zu wundern, ob ich die erste Person bin, die sich die Mühe gemacht hat ein Visum zu besorgen. Vielleicht schieben andere Reisende einfach ein Bündel Geld über die Theke? Der Einreisebeamte verschwindet im Hinterzimmer und ich sehe, wie sich mehrere Personen über meinen Pass beugen und das Visum misstrauisch begutachten. Es folgen zwei weitere Befragungen und ein erneuter Trip ins Hinterzimmer, bis mir endlich erlaubt wird die Grenze zu passieren.

Mein Start mit Malawi war zwar etwas holprig, aber das Land selber hat mich schlussendlich vom ersten Moment an umgehauen. Ungefähr 25% der Fläche des Landes ist Wasser – der berühmte Lake Malawi ist der neuntgrösste See der Erde und ich verbringe dann auch einige Tage an diesem Süsswassersee in Kande Beach, entdecke die umliegenden Dörfer und entspanne mich am Wasser. Die Küstenlinie ist wunderschön und bietet eine der besten Aussichten, die ich in Afrika gesehen habe.

Kande Beach

Kande Beach an den Ufern des Lake Malawi

Was mir jedoch an Malawi abgesehen von der Natur am Besten gefallen hat, sind die Menschen. Vor meinem Abstecher ins ostafrikanische Malawi war ich im viel touristischeren Nachbarland Tansania unterwegs, wo mich die Wildtiere und Nationalparks ungemein, die Menschen jedoch weniger beeindruckt haben. Geld war die Hauptmotivation für viele Interaktionen mit den Einheimischen, was meine anfängliche Begeisterung für die Freundlichkeit der Menschen in Afrika etwas gedämpft hat. Du willst ein Foto machen? Geld muss her oder das Gegenüber wird schon mal unangenehm. Du brauchst eine Wegbeschreibung? Ohne Geld gibt’s nichts. Und natürlich wird man wie häufig in Afrika von einer Traube Menschen umringt, die allesamt irgendwas verkaufen wollen.

Malawi war etwas anders. Kurz nach meiner Ankunft beschliesse ich ein kleines Fischerdorf zu besuchen. Sofort rennen Kinder aus den Häusern und lassen alles stehen und liegen um die Fremden zu begutachten. Die Kleinen halten meine Hand und rubbeln erstaunt an meiner bleichen Haut herum um sicherzugehen, dass ich mich auch wirklich nicht bloss weiss angemalt habe. Das absolute Highlight scheint jedoch meine Kamera zu sein. Obwohl es beinahe unmöglich ist den Kindern zu vermitteln, dass sie für ein scharfes Foto stillstehen müssen, posieren diese wie wild, rennen dann wieder zurück um auf das Display zu kucken und brechen daraufhin in wildes Kichern und Geschrei aus. Einige der Erwachsenen zeigen mir den Fang des Tages, der auf Planen zum Trocknen in der Sonne ausgebreitet ist während uns die chaotische Kinderschar auf Schritt und Tritt begleitet.

Fishing Village

Fischerdorf am Lake Malawi

In einem anderen Dorf wird mir gezeigt, wie das ostafrikanische Grundnahrungsmittel Nsima (Auch Ugali oder Pap genannt, je nach dem aus welchem Ecken des Kontinents man stammt) aus Maismehl hergestellt wird. Während die meisten Reisenden für das Gericht nur Nasenrümpfen übrig haben, ist Nsima, welches eine ähnliche Konsistenz wie Polenta hat, unglaublich beliebt bei den Einheimischen und in der Gegend ein Hauptbestandteil der meisten Mahlzeiten. Geld wird nicht einmal erwähnt. Die Leute sind jedoch stets bereit die Flaschen voller Wasser, die ich mit mir herumschleppe, als Gegenleistung für die gute Gesellschaft zu akzeptieren.

 

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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