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Caodaismus ist eine ziemlich faszinierende Religion und integriert Ideen und Praktiken aus dem Christentum, Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus und sogar aus dem Islam und Hinduismus. Laut der Newcomer-Bewegung, haben alle Weltreligionen den gleichen Ursprung und deren Anhänger kommunizieren alle mit dem gleichen höchsten Wesen. In ihrem Versuch die unterschiedlichsten Ideen aus aller Welt in Einklang zu bringen und nicht gegen Andere zu diskriminieren, mutet Caodaismus daher ein wenig wie die Religion der Zukunft an.

Gegründet wurde die Religion vor rund 90 Jahren in Tay Ninh, Vietnam und hat sich seither zur drittgrössten Glaubensrichtung des Landes entwickelt. Durch Auswanderer hat sich der Caodaismus dann sogar Richtung USA, Europa und Australien ausgebreitet, wobei der berühmte Holy See im Gründungsort Tay Ninh jedoch immer noch als der wichtigste Cao Dai Tempel gilt.

Cao Dai Temple in Tay Ninh from the outside

Manche beschreiben den Tempel und seine Zeremonien als Augenkrebserregend, ich würde das Geschehen jedoch eher als faszinierend beschreiben. Alle Gläubigen sind in reinem Weiss gekleidet, während die Priester farbige Roben aus rotem, gelbem und blauem Stoff tragen, die den Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus repräsentieren. Der Tempel selber ist eine Explosion aus grellen Farben, die von knallpink über senfgelb bis zu starkem rot, dunkelgrün und babyblau reichen. Schlangen und Drachen winden sich um die Säulen und ein Orchester aus Zithern, Lauten und Gongs spielen eine komplizierte Melodie. Im Gegensatz zu den wild gemixten Farben und Mustern, sitzen die Anhänger jedoch in ordentlichen Reihen – die Frauen links, die Männer rechts und die Priester ganz vorne.

Zeremonien finden vier Mal am Tag statt: um sechs Uhr morgens, am Mittag, sechs Uhr Abends und um Mitternacht. Besucher sind immer willkommen und eine Eintrittsgebühr gibt es nicht. Während der Messe sollte man jedoch ruhig stehen, denn das Herumwandern innerhalb, sowie ausserhalb des Tempels ist verpönt – sogar der Verkehr wird für eine halbe Stunde rund um den Holy See angehalten.

Inside the temple during the evening ceremony

men and women pray in neat rows Inside the temple during the evening ceremony

Es ist nicht überraschend, dass der Cao Dai Tempel in Tay Ninh ein beliebtes Tagesausflugsziel für Reisende in Ho Chi Minh Stadt ist. Der Besuch der Zeremonie ist in den meisten Tourpaketen in Kombination mit den Cu Chi Tunneln und dem Mekong Delta enthalten. Da die Touren jedoch alle unter Zeitdruck stehen, besuchen sie alle ausnahmslos die Mittagszeremonie.

Dementsprechend ist der Tempel um 12 Uhr komplett überfüllt und die Warteschlangen sind gigantisch. Besucht man den Tempel mit einer Tour, hat man ausserdem nur eine halbe Stunde zur Besichtigung zur Verfügung, da die Tourbusse ihren engen Zeitplan einzuhalten haben. So eine Massentour nach Tay Ninh war mir dann einfach zu überfüll und zu kurz, denn zu jeder anderen Tageszeit ist der Holy See, abgesehen von den einheimischen Gläubigen, nämlich menschenleer. Brendan und ich beschlossen daher, eine Nacht in Tay Ninh zu verbringen und die Abendzeremonie zu besuchen.

Nach Tay Ninh zu gelangen war dann auch relativ einfach. Wir haben einfach einen Touranbieter überzeugt, für eine einfache Fahrt zum Tempel zu bezahlen. Eine Alternative sind die öffentlichen und ziemlich verlässlichen Busse, die für wenig Geld ebenfalls regelmässig von Ho Chi Minh City ins 90km entfernte Tay Ninh fahren. Egal welches Transportmittel man schlussendlich wählt, die Fahrt dauert beim typisch verrückten vietnamesischen Verkehr rund 2.5 Stunden.

Bevor die Zeremonie beginnt, muss jeder vor dem Tempel die Schuhe ausziehen. Angeblich können Touristen das Geschehen vom Balkon aus verfolgen, da Brendan und ich jedoch Abends die einzigen Besucher waren, mussten wir uns im Eingangsbereich im Erdgeschoss aufhalten – was jedoch auch kein Problem war und die Sicht keineswegs beeinträchtigte. Besucher sollten jedoch früh genug vor Ort sein, da die Priester ab 10 Minuten vor Beginn der Zeremonie niemanden mehr in den Tempel lassen.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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