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Icelandair bietet ja schon seit längerem für bis zu sieben Tage kostenlose Zwischenstopps in Island an. Dies ist so ziemlich der perfekte Zeitraum, um die ganze Ringstrasse einmal abzufahren, Island zu umrunden und dabei die wichtigsten Attraktionen zu sehen.

Die Ringstrasse ist 1332 Kilometer lang und zieht sich in einem grossen Bogen einmal um die ganze Insel. Sie verbindet Attraktionen, abgelegen Dörfchen und die Natur mit den Städten. Und sind wir mal ehrlich, gibt’s denn ein besseren Ort als Island’s zerklüftete Natur für einen Road Trip? Während meiner sieben-tägigen Inselumrundung frage ich mich häufig “Ist das echt? Bin ich wirklich hier?” und ehrlich gesagt haben wir beinahe zu viel Zeit am Strassenrand mit fotografieren und bestaunen verbracht, sodass wir ständig im Zeitdruck waren, um noch rechtzeitig zu unserem nächsten Ziel zu gelangen.

Obwohl es möglich ist Island per Autostopp zu bereisen und einige Verrückte sogar rund um die Insel radeln (echt, ich hab total Respekt vor euch), sind die öffentlichen Verkehrsmittel jedoch schlecht und man erkundet Island immer noch am besten mit dem eigenen Mietauto.

In diesem Artikel gibt’s also alles was du wissen musst, um den Budget Road Trip in Island zu einem vollen Erfolg zu machen:

Raus aus Reykjavik und ab in die Natur

Reykjavik ist eine tolle Stadt und wenn du Zeit hast, solltest du ihr definitiv ein paar Stunden widmen, aber schlussendlich bist du ja nicht nach Island gereist, um Städte zu besuchen, richtig? Man findet kaum ein anderes Land, welches derartig vielseitige Natureindrücke auf einem so engen Raum bietet, wo sich gigantische Wasserfälle einfach mal so im Garten der Anwohner befinden, mystische Lavafelder die Landschaft bedecken und wohl so ziemlich alles eine Doppelseite im Nat Geo verdient hätte. Bleibe nicht in der Stadt stecken, sondern mach dich ruck zuck auf den Weg in die Natur!

A landscape somewhere on the Snaefellsnes Peninsula.

In Island gibt’s mehr als nur den Goldenen Kreis

Viele Leute haben natürlich nicht viel Zeit und entscheiden sich darum, diejenigen Attraktionen zu besuchen, die sich in der Nähe von Reykjavik befinden. Namentlich sind dies der Geysir (nicht mehr aktiv), Strokkur (bricht alle 5min aus), der Wasserfall Gullfoss sowie der Þingvellir Nationalpark und dementsprechend sind diese wenigen Attraktionen auch um einiges besser besucht als Örtchen, die etwas weiter von der Hauptstadt entfernt sind. Hier herrscht ein ständiges Kommen und Gehen von grossen Tourbussen und Reisegruppen, die des öfteren, sind wir mal ehrlich, ziemlich laut und nervig sein können. Vielleicht waren die grösseren Besucherzahl schuld, aber ich fand die Attraktionen auf dem Goldenen Kreis um einiges weniger beeindruckend als viele der kaum besuchten Naturschönheiten anderswo auf der Insel.

Versteh mich nicht falsch, natürlich sind der Geysir, der Nationalpark und Gullfoss definitiv einen Besuch wert, aber ich empfehle nicht allzu viel Zeit damit zu verbringen, von den grossen Reisegruppen beschallt zu werden. Fahr stattdessen zur Snaefellsnes Halbinsel, zum Myvatn See, entdecke Nebenstrassen und finde verstecke Wasserfälle oder verbringt etwas Zeit in einem der vielen, hübschen Küstenstädtchen.

Seaside town in Iceland

Wähle das richtige Auto für dich und dein Abenteuer

Mach nicht den gleichen Fehler, den wir begangen haben und informier dich im vornherein, wie viel Benzin denn euer Wunschauto schluckt. Unser Toyota RAV4 sah zwar hübsch aus, hatte viel Platz und war insgesamt ein super Wagen für unsere gewählte Route, hatte aber auch einen klitzekleinen Tank und brauchte mehr Benzin, als mir lieb war. Ok, das eigentlich tolle Auto ist am kleinen Tank nicht schuld, leider mussten wir deswegen aber 2-3 mal pro Tag tanken gehen und meine Nerven wurde bei den Benzinpreisen deswegen öfters als notwendig auf die Probe gestellt. Bei jedem Blick auf die Rechnung wuchsen mir aufs neue ein paar graue Haare mehr.

Wähl ein Auto mit einer guten Treibstoffeffizient, vielleicht sogar einen Diesel Wagen und fülle das Auto jedes Mal, wenn der Tank halb leer ist wieder auf. Tankstellen sind nämlich in den ländlichen Regionen Islands selten und das letze was man möchte, ist in einem entlegenen Nationalpark mit einem leeren Tank stecken zu bleiben.

Our Toyota RAV4 in a moss field

Ein super Mietwagen-Unternehmen in Island ist übrigens SADcars, welches trotz dem irreführenden Namen gar nicht traurig sondern ziemlich happy ist. Während die meisten Mietwagen-Firmen den Kunden nämlich brandneue Autos anbieten und daher in Island extrem teuer sind, hat SADcars ältere Wagen im Angebot und ist daher um einiges günstiger als die Konkurrenz. Das billigste Auto ist für $33 pro Tag zu haben und von Minis bis hin zu 4x4s speziell geeignet für Highland Strassen kann man genau das mieten, was man für die eigene Reise als angemessen empfindet.

Die Autos sind zwar etwas älter, sind aber alle in gutem Zustand und man sieht ihnen die paar extra Jährchen kaum an. Es gibt keine fancy USB Stecker oder top moderne Parkhilfen, aber dafür befindet sich das SADcars Hauptquartier in unmittelbarer Nähe zum Keflavik Flugafen und Gäste werden mit dem eigenen Shuttle abgeholt. Darum muss man auch nicht anstehen und schon ein paar Minuten später sitzt man bequem im eigenen Mietauto und kann zu seiner Reise aufbrechen. Übrigens gibt’s, wenn man denn schon im voraus bezahlt, noch 15% Rabatt. Das Angebot von SADcars ist in Island einfach unschlagbar.

Hotdogs und noch mehr Hotdogs: günstig essen an Tankstellen

Da auch die einfachsten Gerichte in Restaurants preislich schon mal bei $30 oder mehr angesetzt sind, ist dies für die meisten Budget Reisenden einfach keine Option. Zum Glück hat Island aber Tankstellen, die einfach Weltklasse sind. Ich hab da täglich gegessen, und man glaubt es fast nicht, mich dabei nicht mal zu schlecht ernährt. In den isländischen Tankstellen gibt’s immer die typischen Hotdogs mit frischen oder gebratenen Zwiebeln, aber auch Gourmet Sandwiches mit Lachs, Süsskartoffeln, Avocado und so weiter. Die Hotdogs kosten so um die $2-3, die Sandwiches sind für $6-7 zu haben, und häufig hat es in den Tankstellen noch kleine Burgerbuden, in denen man ebenfalls für unter $10 recht anständig essen kann.

Wer lieber Lebensmittel kaufen und selber kochen möchte, findet diese im Bonus, Kronan oder Netto. Diese Budget-Läden sind überall in Island zu finden, man kann dort gut und günstig einkaufen und anschliessend in der Küche auf dem Campingplatz oder im Hostel kochen.

Bæjarins Beztu Pylsur has the best hotdogs in all of Reykjavik.

Campieren!

Neben Benzin und Essen sind natürlich auch die Unterkünfte in Island schweineteuer. Wir haben uns einige Guesthouse und Hotel Angebote angesehen und nachdem wir uns vom Preis-Schock erholt hatten, haben wir beschlossen, stattdessen einfach campen zu gehen.

Und seien wir mal ehrlich, einen besseren Ort zum übernachten, als direkt vor einem gigantischen Wasserfall, dessen Wassermassen zwischen sattgrünen Hügeln hinabstürzen, gibt es sowieso nicht. Viele der Campingplätze in Island befinden sich in absolut atemberaubenden Locations, haben dämpfend heisses Wasser zum Duschen, Toiletten und einige sogar Küchen und Wifi.

Mein Favorit war zum Beispiel der Campingplatz direkt vor Skogafoss, einem der grössten Wasserfälle des Landes. Ich dachte ich sei gestorben und im Camping-Himmel aufgewacht. Die Plätze sind also nicht nur landschaftlich unglaublich reizvoll, sondern viele von ihnen sind komplett kostenlos. Wenn es einem nichts ausmacht für einen Tag keine Toiletten Anlagen zu haben, kann man nämlich auch überall, wo man sich nicht auf einem Privatgrundstück befindet, sein Zelt aufbauen und wild campieren.

Campground right in front of Skogafoss.

Wer jedoch einen gut eingerichteten Campingplatz dem wilden Zelten vorzieht, sollte sich überlegen eine Camping Card zu kaufen. Diese kostet nur 14900 Krona (etwa $123) und erlaubt zwei Erwachsenen und bis zu vier Kindern für bis zu 28 Nächte auf über 44 Zeltplätzen überall im Land zu übernachten. Da die Campingplätze pro Person und Nacht rund $10 kosten, kann man, vor allem wenn man mit der Familie oder in einer Gruppe unterwegs ist, mit der Camping Card schnell viel Geld sparen.

Wer die ganze Campingausrüstung nicht nach Island mitschleppen will, kann diese auch einfach bei einem der vielen Anbieter online vorbestellen und dann in Reykjavik abholen.

Und falls das Wetter gar nicht mitspielt und man im strömenden Regen keine Lust hat das Zelt aufzubauen, kann man immer noch in einem der vielen Hostels übernachten. Für ein Bett im Schlafsaal bezahlt man rund $35-40, wobei das Kissen zur Verfügung gestellt wird, man aber den eigenen Schlafsack mitbringen muss.

Achtung verrücktes Wetter: wann ist denn die beste Zeit, um nach Island zu reisen?

Island ist wettermässig total schwierig einzuschätzen, denn es gibt einfach keine Garantie, dass während der gewählten Reisezeit die Sonne scheint und die Elfen zwitschern. Der beste Reisemonat ist aber der Juni, da dann die Schulferien in Europa noch nicht begonnen haben und das Land viel weniger Besucher sieht als während der Hochsaison im Juli und August. Im Juni ist das Wetter auch am trockensten und sonnigsten und die Chancen total verregnet zu werden, sind daher niedriger. Im Juli und August ist es zwar etwas wärmer, das Wetter ist ok und man hat mehr Tageslicht zur Verfügung, aber dank der Hochsaison hat es auch viel mehr Touristen und alles ist doppelt so teuer.

Wir haben uns für den September entschieden, da die Nebensaison dann schon begonnen hat, es kaum Besucher hat, es aber immer noch nicht zu kalt zum campen ist. Es war kühl und dicke Jacke, lange Unterwäsche und Schal waren notwendig, aber wir hatten auch einige super schöne Tage. Geregnet hat es nur an einem Tag, aber das Wetter im September ist unberechenbar. Ein Campingplatz Besitzer hat uns erzählt, das es im Jahr zuvor zur gleichen Zeit schon einen halben Meter Schnee hatte.

It's pretty out there - the Icelandic countryside and a farm.

Zweierlei ist aber garantiert, und das sind die extrem schnellen Wetterveränderungen und der konstant starke Wind. Es kann schön und sonnig sein, ein paar Minuten später fährt man in eine dicke Nebelwand und wieder zehn Minuten später regnet es. Das Wetter in Island ist einfach nur verrückt und man hat keine Chance vorherzusagen, was man an einem bestimmten Ort zu einer gewissen Zeit antreffen wird. Am besten ist man daher auf alles vorbereitet und nimmt sicherheitshalber immer die Regenjacke mit. Auch mit dem heftigen Windböen muss man sich abfinden. Diese sind für die meisten Unfälle auf Islands Strassen verantwortlich und bereiten auch den Mietwagen-Unternehmen so einige Probleme. Viele Autos kommen nämlich mit Windschäden in die Hauptstadt zurück, da nichtsahnenden Touristen die Autotür glatt aus der Hand gerissen und nach vorne gebogen wird. Es ist darum unglaublich wichtig, dass man die Hände immer am Steuer behält, immer entsprechend der Windrichtung parkiert, und Autotüren nie offen lässt.

Stormfront rolling in over a herd of Icelandic horses.




4 Responses

    • Tiffany

      Tatsächlich ist es so, dass ein ziemlich grosser Teil der Bevölkerung Islands an diese mystischen Kreaturen glaub, und dass sich der Rest der Welt ein wenig darüber lustig macht. Von der Elfenbeauftragten habe ich jedoch noch nie gehört, total irre 😉

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  1. Anna

    Wow. Erstmal sind die Bilder wirklich der absolute hammer. Da packt mich ja sofort das Fernweh.
    Island ist wirklich ein Traumziel, leider für mich mit meinen zwei Hunden nicht machbar, da ich ihnen den Flug nicht zumuten möchte.
    Dafür schwelge ich jetzt einfach in deinen Bilder und träume eine bisschen 🙂 vielleicht auch von Elfen 🙂

    Liebe Grüße
    Anna
    Bloggerin bei canistecture.de
    Anna recently posted…Links KW 12My Profile

    Reply
    • Tiffany

      Das kann ich natürlich verstehen, die armen Hunde. Ich hätte hingegen am liebsten Haustiere, kann es aufgrund meines Lebensstils aber einfach nicht verantworten 🙂 Du träumst mit Reisebildern und ich mit Katzenbildern.

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