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Ihr habt ihn inzwischen ja fast schon zur genüge gehört, mein No. 1 Tipp für tolle Landschaftsbilder: man muss unbedingt während der goldenen und blauen Stunden rund um den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang fotografieren gehen. Alles andere bringt’s nicht. Aber wie entscheidet man überhaupt, ob sich der gewählte Foto-Spot besser als Sonnenaufgang oder Sonnenuntergangsort eignet?

Besonders wenn man wie ich viel herumreist, an Orten fotografiert die einem völlig fremd sind und noch ständig die Zeitzonen wechselt, kann es schwierig sein herauszufinden, welche Tageszeit sich denn nun besser für die Fotografie eignet.

Darum greife ich oft und gerne auf eine Website namens The Photographer’s Ephemeris zurück, die dabei hilft alles rund um Sonne und Mond sowie Aufgänge und Untergänge herauszufinden. Diese Browser-App ist so gut, dass sie nicht nur die genauen Anfangs und Endpunkte der verschiedenen Dämmerungen (genannt astronomische, nautische und zivile Dämmerungen) angibt, sondern auch die exakten Winkel und Bewegungen der Sonne und des Mondes berechnet.

Schaut man sich das untenstehende Beispiel des berühmten Horsehoe Bend an, kann man sehen, dass die Sonne im Januar etwas seitlich des hufeisenförmigen Mäanders untergeht, der Sonnenaufgang aber im Rücken des Fotografen stattfindet.

Photographer's Ephemeris showing sunset and sunrise details over the famous Horseshoe Bend in northern Arizona.

Die Website Photographer’s Ephemeris zeigt die Sonnenuntergangs- (dunkles orange) sowie die Sonnenaufgansposition (gelb) über dem berühmten Horseshoe Bend in Arizona.

Wie man herausfindet, ob sich das Fotografieren bei Sonnenaufgang oder doch bei Sonnenuntergang lohnt

Will man herausfinden, ob man gegen Ende des Tages fotografieren kann oder früh aus dem Bett muss, sollte man sich bei der Konsultation von Photographer’s Ephemeris folgende Fragen stellen:

  1. Will ich die Sonne in meinem Foto haben? Blendenflecken sind ein grosses Problem und können Fotos ruinieren, wenn man geradeaus oder auch schon mit einem Winkel in die Richtung der Sonne fotografiert. Mit ein paar Tricks und Glück kann man aber auch die störenden Flecken vermindern, die Sonne in einen Sonnenstern verwandeln und über dem Horizont einfangen. Wenn möglich sollte man hier ein Objektiv mit einer ungeraden Anzahl Lamellen verwenden. Wie man sehen kann musste ich aufgrund der schieren Grösse des Bend mit dem 10-20mm Objektiv (6 Lamellen) fotografieren, was nicht wirklich einen schönen Sonnenstern ergeben hat.
  2. Will ich einen dramatischen Himmel voller Farben? Oft leuchtet der Himmel gegenüber des Sonnenaufgangs oder -untergangs in diesen wunderschönen Farben auf. Dort, wo die Sonne den Horizont übertritt, ist der Himmel jedoch so lange überbelichtet und grell-weiss, bis es für die Landschaftsfotografie fast schon zu dunkel ist. Wären also beim Beispiel des Horseshoe Bend frühmorgens bei Sonnenaufgang einige Wolken rumgeschwirrt, hätte ich gute Chancen gehabt, einen dramatisch-farbigen Himmel zu fotografieren.
  3. Will ich allein sein oder störe ich mich nicht an Menschenmassen? Beliebte und berühmte Orte ziehen bekanntlich gerne Massen von Touristen an und vor allem rund um den Sonnenuntergang kann es manchmal vor dem Naturwunder ganz schön eng werden. Der Horseshoe Bend war Abends zum Beispiel der reine Menschenzoo – hunderte Besucher drängen sich um den Abgrund, machten Lärm und belegten die guten Fotospots. Wie immer hatte jedoch kaum jemand Lust früh aufzustehen und ich war bei Sonnenaufgang beinahe alleine dort.
Shooting directly into the sun can cause some nasty light flares.

Der Horseshoe Bend kurz vor Sonnenuntergang: Blendenflecken haben die meisten meiner Fotos unbrauchbar gemacht.

Here I waited till the sun was almost gone, removed the remaining light flares in photoshop and used a layer mask to bring more details into the sky. Lot's of work!

Für diese Aufnahme wartete ich, bis die Sonne schon fast hinter dem Horizont verschwunden war. Anschliessend entfernte die paar übrig gebliebenen Blendenflecken in Photoshop und bearbeitete mittels Ebenenmasken und Bracketing noch den Himmel. Dies ist mein Lieblingsfoto von Horseshoe Bend, aber es war viel Arbeit und schlussendlich das einzig brauchbare Foto des Abends.

After that, the party was over and the sky remained a bright white until it was too dark.

Kurz danach war die Party schon vorbei und der Himmel blieb langweilig weiss, bis es zu dunkel für Landschaftsfotos wurde.

Wie immer kommt es bei diesen Golden Hour Fotos auf die eigene Präferenz an. Obwohl ich denke, dass ein Sonnenstern und einige gut platzierte Blendenflecken toll aussehen können, empfehle ich doch mit der Sonne im Rücken zu fotografieren und die Tageszeit entsprechend zu wählen. Geht die Sonne hinter dir auf oder unter bleibt dir auch ein längeres Zeitfenster zum fotografieren, du bist in der Lage dich zu bewegen und zu experimentieren und du kannst Zeit in der Nachbearbeitung sparen. Schlussendlich wirst du wahrscheinlich mit mehr guten Fotos nach Hause gehen, als wenn du direkt in die Sonne fotografierst.

Da ich gerne fotografiere bin ich zwei Mal zum Horseshoe Bend gewandert und habe sowohl den Sonnenaufgang, als auch den Sonnenuntergang fotografiert. Ich hatte auf ein paar Wölkchen gehofft, die dem Himmel dieses gewisse Extra verliehen hätten, wurde aber enttäuscht. It happens. Obwohl sich mein Lieblingsfoto vom Horseshoe Bend schlussendlich als das einzig brauchbare vom Sonnenuntergangs-Shoot herausgestellt hat, ist und bleibt der Ort, vor allem mit einem etwas dramatischeren Himmel, die ideale Sonnenaufgans-Location.

Horseshoe Bend at sunrise:  colour already in the sky that requires no bracketing, no annoying light flares and the colour of the rock looks a lot more vibrant.

Der Horseshoe Bend bei Sonnenaufgang: mehr Farbe im Himmel, keine Ebenenmasken in der Nachbearbeitung notwendig, keine Blendenflecken und eine sattere Farbe des Gesteins.

Wait a bit longer and you get a nice glow on the mountains due to the rising sun.

Wartet man etwas länger scheint die Sonne die Berge im Hintergrund an und kreiert einen schönen Schein.

Und noch als kleiner Tipp zum Schluss: Versuche nicht erst kurz vor Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang aufzutauchen und dann verzweifelt noch einen guten Winkel zu suchen. Sei früh vor Ort, so dass du Zeit hast die Umgebung zunächst noch etwas auszukundschaften und dir Gedanken zur Bildkomposition zu machen.

 

2 Responses

  1. Christian

    Hallo Tiffany,

    toller Artikel zum Thema Sonnenauf und -untergang. Die von dir genannte Seite kannte ich bisher noch gar nicht. Ich hab mir immer mit SunCalc weitergeholfen 🙂

    Ein Tipp noch von mir zu den Blendenflecken:
    Du kannst einfach mit Stativ fotografieren und zwei Fotos machen. Bei dem einen hälst du einfach den Zeigefinger vor die Sonne.

    Die beiden Bilder kannst du später in PS übereinanderlegen 🙂

    Gruß
    Christian

    Reply
    • Tiffany

      Ich hab hingegen noch nie von SunCalc gehört, das muss ich auch gleich mal nachschauen. Den Tipp mit dem Zeigefinger wende ich auch regelmässig an, das funktioniert meistens super. Beim Horseshoe Bend war die Sonne aber dermassen grell und störend, dass nicht mal die ganze Hand geholfen hat. Naja, bisschen Photoshop hat’s auch getan 🙂

      Reply

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