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Der Sonnenstern bzw. Blendenstern-Effekt ist eine Technik in der Fotografie, bei der die Sonne oder ein ähnlich helles Objekt im Foto in einen “Stern” mit den typisch prominenten Strahlen verwandelt wird. Diese Lichtstrahlen entstehen, wenn die Blendenlamellen des Objektivs bei einem hohen Blendenwert eine klitzekleine Öffnung erzeugen und so eine Beugung des Lichts um die Kanten der Lamellen verursachen.

Sonnensterne sind eine tolle Lösung, wenn man einfach nicht zur korrekten Tageszeit vor Ort sein kann und direkt in die Sonne fotografieren muss. Anstatt aufzugeben, kann man gut die Sonne von einem Feind in einen Freund verwandeln und den gleissenden Stern zu einem interessanten Aspekt des Bildes machen. Ein Blendenstern eignet sich daher auch gut, um einen Bildschwerpunkt in der Bildkomposition zu setzen, zum Beispiel wenn dem Foto das gewisse Etwas noch fehlt.

Nun, da ich erklärt habe, was Sonnensterne bzw. Blendensterne überhaupt sind, möchte ich noch genauer auf die Elemente eingehen, die das Aussehen und die Grösse des Sonnensternes beeinflussen.

Ein grosser Blendenwert ist wichtig

Ich habe bereits angedeutet, welchen Einfluss der Blendenwert auf das Erschaffen eines Sonnensterns hat. Kurz und knapp kann man sich das jedoch so merken: je kleiner die Blendenöffnung, desto ausgeprägter ist der resultierende Sonnenstern. Fotografiert man hingegen mit einer grossen Blendenöffnung (kleine Blendenzahl), verwandelt sich die Sonne bloss in einen runden, matschigen Lichtklatsch. Natürlich könnte man jetzt ins Extrem gehen und zum Beispiel mit einem Blendenwert von f/32 fotografieren, um eine möglichst kleine Blendenöffnung und einen besseren Sonnenstern zu erreichen. Da sich der “Sweet Spot” – also der schärfste Punkt eines Objektivs – irgendwo in der Gegend um f/8 befindet, ist eine so hohe Blendenzahl jedoch durch die entstehende Beugungsunschärfe und den entsprechenden Qualitätsverlust nicht zu empfehlen.

Meine Lieblings-Blendenzahl für einen tollen Sonnenstern ist daher f/16. Dieser Wert kreiert die gewünschten, ausgeprägten Lichtstrahlen, ohne dass ein grosser Schärfenverlust in Kauf genommen werden muss. Eine grössere Blendenzahl bedeutet aber auch eine längere Verschlusszeit, daher sollte man für diese Technik wenn möglich ein stabiles Stativ dabei haben.

Sunstar created at sunset in White Sands National Monument, New Mexico

Finde eine gut definierte Kante

Obwohl man selbstverständlich auch einen Sonnenstern mitten im Himmel kreieren kann, habe ich trotzdem bemerkt, dass meine Resultate besser sind, wenn die Sonne durch ein Objekt halb verdeckt wird. Für dieses Versteckspiel mit der Sonne eignet sich zum Beispiel ein Gebäude oder der Horizont bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, aber je definierter und härter die Kante des gewählten Hindernisses ist, desto besser sieht der Blendenstern schlussendlich aus. Um den idealen Winkel dafür zu finden muss man sich natürlich etwas bewegen, aber glaub mir, das Resultat ist das bisschen Mühe allemal wert.

Verhindere störende Blendenflecken

Findet man eine gut definierte Kante für seinen Sonnenstern, hat dies auch den Vorteil, dass die störenden Blendenflecken, die meist entstehen wenn man direkt in die Sonne fotografiert, verhindert oder zumindest gemindert werden. Bleiben noch einige Blendenflecken übrig, kann man diese noch mit einem kleinen Trick komplett entfernen. Dafür braucht man lediglich zwei Aufnahmen zu schiessen, eine normale und eine, bei der man die Sonne mit einem Finger abdeckt. Anschliessend verschmilzt man die beiden Bilder in Photoshop.

Im unten zu sehenden Bild vom Dead Horse Point in Utah habe ich alle Blendenflecken bis auf den einen langen Strahl entfernt. Dies ist natürlich persönliche Präferenz und kann im eigenen Bild entsprechend angepasst werden.

Sunstar created at sunset at Dead Horse Point in Utah, United States.

Das Objektiv spielt eine Rolle

Ich habe immer und immer wieder geschrieben, dass die Ausrüstung – meistens – keine Rolle spielt. Der Sonnenstern-Effekt ist jedoch eine dieser Ausnahmen. Möchte man einen ausgeprägten Stern mit vielen Zacken, kann das korrekte Objektiv einen riesigen Unterschied machen. Wie viele Strahlen ein Blendenstern hat, hängt nämlich von der Anzahl der Blendenlamellen ab. Ein Objektiv mit einer geraden Anzahl erzeugt einen Sonnenstern, der genau so viele Strahlen wie Lamellen hat. Besitzt man hingegen ein Objektiv mit einer ungeraden Anzahl Lamellen, verdoppelt sich auch die Zahl der Strahlen und das wiederum resultiert in einer wunderschönen Sonnenexplosition.

Eines meiner Objektive, ein Sigma 10-20mm Super-Weitwinkelobjektiv, hat leider nur 6 Lamellen und erzeugt einen schwach und ehrlich gesagt komisch aussehenden Sonnenstern. Wenn ich also diesen hübschen Blendenstern mit einer Vielzahl von Strahlen im Bild möchte, hole ich das Sigma 18-50mm Objektiv mit 7 Blendenlamellen hervor, welches eine knackige Sonne mit 14 Zacken bewirkt.

Halte nach klarem Sonnenlicht Ausschau

Wenn die Sonne halb hinter einer Wolke versteckt oder von einem Dunstschleier oder Nebel überzogen ist, wird der Sonnenstern entweder gar nicht oder nur als kaum definierbarer, schwummriger Lichtfleck zu erkennen sein. Dies passiert oft rund um den Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang, wenn oft dunstige Wolken über dem Horizont hängen. Es macht nichts, wenn andere Teile des Himmels bewölkt sind, die unmittelbare Gegend rund um die Sonne sollte jedoch nichts als blauen Himmel beinhalten, denn nur klares und unbehindertes Licht ist in der Lage einen gut ausgeprägten Sonnenstern zu erschaffen.

Und noch kurz zum Schluss: Der Sonnenstern bzw. Blendenstern-Effekt beschränkt sich natürlich nicht bloss auf die Sonne. Jede Lichtquelle, die um einiges heller ist als die Umgebung, kann unter den richtigen Bedingungen in einen Stern verwandelt werden. Versuch also zum Beispiel auch mal nach Sonnenuntergang mit Strassenlaternen oder dem Mond zu experimentieren!

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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