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Es ist bereits mein dritter Besuch in Berlin. Was von der Berliner Mauer und ihren Kunstwerken, kreiert von über 100 Künstlern, übrig bleibt, ist einer meiner Lieblingsplätze in der Stadt, die ich bei jedem Aufenthalt in Berlin zu besuchen versuche.

Leider sind viele der grossartigen Kunstwerke an der Berliner Mauer durch Idioten komplett zerstört worden. Nur vier Jahre nach einer aufwendigen Restaurierung der Gemälde, scheint die Mauer schon fast wieder reif für eine weitere Sanierung zu sein.

Als ich zu Fuss die lange Strecke den Beton entlang abmarschiere, die eins Osten von Westen trennte, denke ich mir, dass ich diesen Ort kaum wiedererkenne. Ich stand vor nicht mal zwei Jahren an genau diesem Punkt und doch sieht alles anders aus. Als ich Berlin im Winter 2012 besuchte, waren die meisten Gemälde noch sauber und unberührt. Heute sind viele der Kunstwerke fast bis zur Unkenntlichkeit verschmiert. Es scheint, als gäbe es kaum ein Stück Mauer, das nicht in irgendeiner Weise bekritzelt, versprüht, bemalt oder anderweitig beschädigt wurde.

Manchmal scheint die Graffiti dem unterliegenden Gemälde ein gewisses künstlerisches Element zu verpassen, meistens ist es jedoch einfach nur ärgerlich, erstaunliche Kunstwerke von allen möglichen gekritzelten Namen zerstört zu sehen.

Berlin Wall Graffiti

Der Grund für diese riesige Zunahme an Vandalismus scheint das Fehlen von Massnahmen seitens der Stadtverwaltung zu sein. Mit der Restaurierung im Jahr 2009 erhielten die Kunstwerke auch einen Graffiti-Schutz. Beschädigungen wurden gemeldet und kurz darauf entfernt. Das Programm lief jedoch nur ein Jahr später aus und die regelmässigen Reinigungen wurden gestoppt. Nun ist die Stadtverwaltung und der Bezirk damit beschäftigt, sich gegenseitig Schuld und Verantwortung zuzuschieben und allgemeint scheint der politische Wille zu Fehlen, dem Vandalismus an der East Side Gallery entgegenzuwirken.

Während ich grossen Respekt für Graffiti-Künstler habe, die ware Kunstwerke erschaffen, entzieht sich mir die Logik hinter den Gedankengänge gewisser Menschen, die das Bedürfnis verspüren, sich auf jeder erdenklichen flachen Oberfläche mit solch literarischen Ergüssen wie den typischen “Ich-war-hier” Kritzeleien zu verewigen. Ich habe auf der Berliner Mauer ganze Geburtstagsgratulationen erspäht, die üblichen paar-Dutzend Penisse gezählt und sogar ausgeschriebene Gespräche mitverfolgt. Eine Person hat wohl ihrem Mitteilungsdrang nachgegeben und dick und fett geschrieben, dass sie gerne die Mauer zurück hätte. Der Satz wurde von einer weiteren Person wütend ein paar Mal durchgestrichen und fünf weitere Menschen wollten noch gerne hinzufügen was für ein Arschloch Typ Nr.1 denn ist.

Anscheinend ist den Besuchern von Berlin auch noch der letzte Rest von Anstand abhanden gekommen und bald muss noch eine Mauer zum Schutz der Mauer gebaut werden. Schade ists auf jeden Fall.

Berlin_Wall-3

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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