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Da nur ein kleiner Teil des Strassennetzes in der Mongolei geteert ist und die Navigation der vielen Feldwege ein ziemliches Insider-Wissen voraussetzt, ist es nicht einfach, die Mongolei auf eigene Faust zu bereisen. Manche Leute schaffen das trotzdem, aber da ich nach dem Naadam Festival nur noch drei Wochen Zeit hatte, wusste ich, dass ich einfach so viel wie möglich aus meiner verbleibenden Zeit im Land herausholen musste. Ich biss also in den sauren Apfel und entschied mich zum ersten Mal seit langem wieder einmal dafür, mich einer Tour anzuschliessen und den Süden der Mongolei mit einer Gruppe zu bereisen.

Roads in mongolia: a rarity.

Geteerte Strassen: eine Seltenheit in der Mongolei.

Ich entschied mich für Sunpath Mongolia, ein Hostel und Tourunternehmen in Ulaanbaatar, welches von einer wundervollen und hilfsbereiten Dame namens Dolgmaa geführt wird. Sunpath war auch mit Abstand die billigste Variante, bot viele, verschiedene und auf individuelle Wünsche angepasste Touren und versprach zudem, durch das Übernachten bei Nomadenfamilien tief in die mongolische Kultur einzutauchen. Das hörte sich schon mal wunderbar an.

Schlussendlich waren wir fünf Personen, die sich auf die achttägige Tour in die Gobi Wüste begaben. Platz fanden wir alle, mehr oder weniger komfortabel, in einem alten, hellblauen und ziemlich russischen Minibus. Im Kofferraum wurden warme Pullis, einige Kleider zum Wechseln, ein Riesenpack Feuchttücher und alles andere, was man zum Campen eben noch so braucht verstaut – Zelte, Schlafsäcke und die Verpflegung wurden von Sunpath organisiert. Als wir raus aus der Stadt und in die endlos grüne Graslandschaft ratterten, wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Blue Russian minibus and a pink lake in southern Mongolia

Unser blauer Bus und ein rosa See, den wir irgendwo im Nirgendwo entdeckt hatten.

The milky way and an orange glow from the rising moon seen without light pollution in the Gobi, Mongolia.

Wie der Himmel ohne Lichtverschmutzung aussieht: Die Milchstrasse und der orange Schein des aufgehenden Mondes in der Gobi Wüste.

Das Erste, was mir nach dem Verlassen der lauten und abgasverseuchten Hauptstadt Ulaanbaatar auffiel, war die Zeitlosigkeit der endlosen Graslandschaften unter diesen bauschigen, weissen Wolken. Als wir neben einem Ovoo, einem schamanistischen Steinhaufen aus Steinen, Holz, blauen Stoffstücken, Knochen und so einigen Vodkaflaschen hielten und der Motor zur Ruhe kam, hörte ich zum ersten Mal seit Monaten keinen Lärm, kein Gehupe und keine lauten Menschenmassen, sondern einfach nur diese unglaubliche Stille.

Schön brav, wie es uns erklärt wurde, spazierten wir drei mal im Uhrzeigersinn um den Steinhaufen, warfen unsere eigenen drei Steine obendrauf und baten um eine sichere und zügige Fortsetzung unserer Reise. Dieses Ritual ist nur eines von mehreren mongolischen Aberglauben zum Thema Reisen – genauso wie man auf keinen Fall danach fragen darf, wie lang denn der Trip zu einer bestimmten Destination dauert. Da wir unsere Fahrt gen Süden auf keinen Fall verfluchen wollten, gaben wir trotz endloser, holpriger Fahrten auf schlaglöchrigen Feldwegchen der Versuchung nicht nach und schafften es tatsächlich, keine entsprechenden Zeitfragen zu stellen.

Je weiter wir nach Süden fuhren, desto öfters begann der Motor des russischen Minibusses aufgrund der stetig steigenden Temperaturen zu überhitzen. Während unser unermüdlicher Fahrer jeweils versuchte, das Auto mit Wasser wieder auf eine angemessene Temperatur abzukühlen, konnten wir die Zeit nutzen, um die Landschaft zu erkunden – die war ja schliesslich wo man auch hinschaute unglaublich. Abends hielten wir bei Nomadenfamilien an, wobei mehrere weisse Jurten in der grünen Landschaft normalerweise bedeuteten, dass eine Familie eine zusätzliche Unterkunft für Gäste eingerichtet hatte und wir dort für die Nacht Obdach finden konnten. Wir wurden mit Ziegenfleisch, Milch und Käse, leckeren mongolischen Pfannkuchen und deftigen Eintöpfen versorgt und wenn ich nicht am essen war, versuchte ich so viel wie möglich über den nomadischen Lebensstil herauszufinden. Ich lernte, dass Stuten alle zwei Stunden gemolken werden, dass die Mähne eines Hengstes nie geschnitten wird um den Geist des Pferdes zu bewahren und erfuhr, dass es eine Stunde dauert um eine Jurte komplett aufzubauen. Nachts wickelte ich mich in den dicken Schlafsack, legte mich in eines der harten Betten, verscheuchte die in der Jurte gefangenen Motten und schlief schliesslich dank der wundervollen Stille schnell ein.

The Ongiin River and our campsite, somewhere in Southern Mongolia.

Der Ongiin River und unser Zeltplatz, irgendwo im Süden der Mongolei.

The Ongiin Khiid Monastery.

Das Ongiin Khiid Kloster.

Eines Abends zelteten wir direkt am Ongiin Fluss und konnten unser einziges Bad in einer ansonsten staubigen und verschwitzten Woche geniessen. Wir besuchten das Ongiin Khiid Kloster, standen auf den brennenden Klippen und bestiegen die singenden Dünen. Diese riesige Sandformationen emittieren bei starkem Wind ein lautes, dröhnendes Geräusch. Ich brauchte eine gute Stunde um auf die Düne zu klettern und die Wanderung hat mich fast umgebracht, diese bot jedoch auch spektakuläre Aussichten über die Wüste Gobi. In der Nacht packte ich jeweils mein Stativ und die Kamera und ging nach draussen, um die Milchstrasse zu fotografieren. Da die Mongolei nur ca. 3 Millionen Einwohner hat und viele von diesen in der Hauptstadt Ulaanbaatar leben, gibt es keine Lichtverschmutzung. Nie zuvor hatte ich die Nebel so ausgeprägt und die Sterne so hell leuchten sehen.

An einem der letzten Tage der Tour wanderten wir im Yolyn Am, dem Tal der Lämmergeier. Die namensgebenden Geier leben hoch oben in den gezackten Gipfeln, kommen aber nur selten näher an Menschen heran, sodass man leider kein Foto schiessen kann. Zum Glück gibt’s da aber auch noch eine riesige Population mongolischer Rennmäuse, welche die üppige Landschaft zu hunderten bevölkern und in alle Richtungen davontrippeln, sobald ihnen die Besucher zu nahe kommen.

The Valley of the Vultures.

Das Tal der Lämmergeier.

A Golden Eagle in Mongolia

Ein goldener Adler in der Nähe des Terelj Nationalparks.

Der Terelj Nationalpark befindet sich nur rund eine Stunde entfernt von Ulaanbaatar und ist daher auch etwas touristischer angehaucht. Ich habe dem berühmten Schildkrötenfelsen nur einen flüchtigen Blick gewidmet und war von den vielen Touristencamps, Geschäften und Unterkünften, die dort überall aus dem Boden spriessen gar nicht beeindruckt, genoss aber das Reiten und eine Wanderung zum Aryabal Meditation Temple. Dieser Tempel liegt an einem der Berghänge und auf dem Weg nach oben können Besucher an einem Glücksrad drehen, Tipps zur korrekten Meditation lernen und buddhistische Weisheiten wie zum Beispiel “Betrachte es als grosses Glück, dass du heute Morgen gesund und lebend aufgewacht bis und nicht vom Herr des Todes geholt wurdest” und “um die geistigen Gebrechen zu überwinden sollte man schnell reagieren, wie bei einer Schlange, die einem auf den Schoss kroch und deren Kopf man sogleich abschnitt” auf Tafeln lesen. Tönt wundervoll.

Die Tour beendet haben wir schlussendlich, ein ganzes Stück haariger und übelriechender als noch eine Woche zuvor, bei einer gigantischen, silbernen Statue von Dschingis Khan. Hoch oben, als ich Dschingis so in die Augen starrte, genoss ich meine letzte Stunde in der vollkommenen Stille.

The gigantic Ghenghis Khan statue near Ulaanbaatar.

Die gigantische Dschingis Khan Statue in der nähe von Ulaanbaatar.

Flowers in the Valley of the Vultures.

Blumen im Tal der Lämmergeier.

Sometimes things got a little bit tight...

Manchmal wurde es auch etwas eng…

View over the Gobi desert from what must be the tallest dune in the world.

Aussicht auf die Wüste Gobi von der wahrscheinlich höchsten Sanddüne der Welt.

Imagine the silence!

Stell dir die Ruhe vor!

Me at the flaming cliffs.

Ich bei den brennenden Klippen.

A view over a much drier landscape near the Ongiin River.

Die Aussicht auf eine trockenere Landschaft in der Nähe des Ongiin Flusses.

The path leading to the Aryabal Meditation Temple inside Terelj National Park.

Der Pfad zum Aryabal Meditation Temple im Terelj Nationalpark



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