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Ich hatte schon lange bevor ich Fuss in den Elephant Nature Park setzte von der Notlage der südostasiatischen Elefanten gehört. Freunde und andere Blogger schwärmen schon seit einiger Zeit über das Schutzgebiet im Norden Thailands und ich selber habe schon einigen Leuten davon abgeraten, Elefantenreiten zu gehen. Als ich dann vor einigen Wochen in Chiang Mai war, musste ich dem berühmten Park also auch mal einen Besuch abstatten.

Elephant face.

 

Für diejenigen, die noch nichts von der Misshandlung der Elefanten und dem Park, der sie zu retten versucht, gehört haben, gibt’s hier eine kurze Übersicht.

Was passiert mit den Elefanten in Thailand bzw. in Südostasien?

Obwohl Elefanten in der thailändischen Kultur bewundert werden und ihre Ebenbilder die meisten Tempel verzieren, werden sie auch weitläufig im Tourismus ausgebeutet, besonders durch Elefantenreiten und Shows, bei denen die Tiere malen oder Instrumente spielen müssen. Abgesehen davon, dass sie in Trekkinlagern überarbeitet werden, werden Elefanten auch für illegale Holzgewinnung missbraucht und dazu gezwungen, mit ihren Besitzern auf den Strassen der lauten, überfüllten Grossstädte betteln zu gehen. Die Misshandlungen, welche die Elefanten durch ihre Besitzer erfahren, hinterlässt bei den Elefanten oft brutale Verletzungen und lebenslängliche Behinderungen.

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Elefant mit gebrochener Hüfte in Elephant Nature Park.

Manche Leute denken, dass dies alles gar nicht so schlecht klingt – wie soll denn das einem Elefanten schaden, wenn der ein Gemälde malen muss? Und ist Elefantenreiten nicht das Gleiche wie das Reiten auf Pferden? Ich will eigentlich gar nicht zu genau auf das Pferde vs. Elefanten Argument eingehen. Die Tatsache, dass wir Pferde reiten, hat keinen Einfluss darauf, ob Elefanten geritten werden sollen oder nicht. Wir schlagen Pferde nicht mit Elefantenhaken, stechen sie nicht mit Nägeln und lassen sie nicht hungern, um sie dazu zu bewegen, sich so zu verhalten, wie wir wollen. Obwohl ich Zuhause gerne reiten gegangen bin, würde ich mich ebenfalls nie auf ein misshandeltes Pferd setzen – egal wo.

Die traurige Tatsache ist, dass nur wenige Leute realisieren was es braucht, um den Geist eines Elefanten derart zu brechen, dass er sich auf eine solch unnatürlicher Weise verhält. 

Die Mahout-Tradition behauptet, dass man das wilde Tier nur in einen Arbeitselefanten verwandeln kann, wenn man dessen Geist komplett bricht. Die Tiere müssen dafür drei Tage durch die Hölle gehen – eine Tortur die Phajaan genannt wird und auch als “the crush” bekannt ist.  Elefanten werden als Babies ihren Müttern weggenommen und in einem winzigen Käfig eingesperrt. Daraufhin werden sie ununterbrochen missbraucht und ihnen wird während der gesamten Zeit Futter und Schlaf verweigert. Mahouts, die Elefantentrainer, setzten sich immer wieder auf den Rücken der Tiere um ihre Dominanz zu beweisen und immer wenn sich der Elefant zu wehren versucht, wird er gnadenlos geschlagen und mit Nägeln gestochen.

Im Internet kursiert ein Video, welches diesen Prozess zeigt. Ich rate an, es anzuschauen, obwohl es absolut nichts für schwache Nerven ist:

Obwohl es natürlich bewiesen ist, dass man Elefanten auch mit positivem Verhaltenstraining ausbilden kann, halten Mahouts in Südostasien weiter an ihrer grausamen Prozedur fest, einfach nur weil es die “Tradition” so vorschreibt und es schliesslich Geld zu verdienen gibt.

Alle Elefanten in Thailands Tourismusindustrie mussten durch diesen schrecklichen Prozess durch. Jeder einzelne von ihnen. 

Was ist das Ziel des Elephant Nature Park? 

Der Elephant Nature Park ist der Ort in Thailand, der die schreckliche Misshandlung der Elefanten zu stoppen versucht und den Tieren, die aus Missbrauchssituationen gerettet wurden, Zuflucht und ein sicheres Zuhause bietet. Abgesehen von den Elefantenbabies, die im Park geboren wurden, werden viele Elefanten die Narben ihres früheren Lebens für immer tragen. Überall sieht man klaffende Wunden, andere Tiere haben gebrochene Hüften, Beine und Rücken und können nur noch humpeln. Einige der Elefanten sind blind, da ihre ehemaligen Mahouts aus Wut auf die Augen eingestochen haben.

Elephant and an Elephant Nature Park employee

Der Park befindet sich an einem Fluss in einem langen Tal etwa 60km ausserhalb von Chiang Mai und kann eigentlich nur als Elefantenhimmel beschrieben werden. Der Zufluchtsort wurde 1996 von Lek Chailert gegründet, die in einem kleinen Bergdorf nahe zur Natur aufgewachsen ist und das Leiden der Elefanten in ihrem Land gesehen hat. Der Schwerpunkt des Parks liegt klar auf Schutz und Erhaltung statt auf Training und nutzt nur positives Verhaltenstraining, wenn mit den Elefanten gearbeitet werden muss. Die geretteten Elefanten können hier heilen und den Rest ihres Lebens in Ruhe geniessen. Sie leben in kleinen, selbst gewählten Herden und dürfen sich frei durch den Park bewegen. Wenn ihre Mahouts sie für etwas brauchen, werden die Elefanten mit Früchten bestochen und nicht mit dem Haken gezwungen.

Der Elephant Nature Park beherbergt jedoch nicht nur Elefanten. Über 400 Hunde, 50 Büffel, Katzen und andere Tiere haben hier ihr Zuhause gefunden. Lek versucht ausserdem mit der lokalen Kultur, den Aberglauben und Traditionen zu arbeiten, lehrt in den Dörfern den richtigen Umgang mit Elefanten und bringt Tierärzte in abgelegene Regionen. Ihr Team, zusammen mit einheimischen Mönchen, bindet auch regelmässig die orangen, heiligen Schärpen um die Baumstämme der Region, um deren Abholzung zu verhindern. Holzarbeiter fassen derart markierte Bäume nämlich nur ungern an, da sie Racheakte der Dschungelgeister befürchten.

Wie verbringt man einen Tag im Elephant Nature Park?

Um eine so grosse Elefantenpopulation durchzufüttern – ein Elefant frisst pro Tag 200-300kg -, die missbrauchten Elefanten ihren Besitzern abzukaufen und das Grundstück zu pflegen braucht es natürlich eine Menge Geld. Die ganze Operation wird daher durch Spenden, viele ehrenamtliche Mitarbeiter und die täglichen Besucher, die pro Tag 75$ hinblättern müssen, finanziert und am laufen gehalten.

Abgeholt wurden wir vor unserem Hotel von einem kleinen Minibus, der bald darauf mit noch mehr Fahrzeugen einen wahren Konvoi durch die Landschaft Nord-Thailands bildete. Überall in Chiang Mai sind Werbungen für Elefantentrekkings zu sehen und auf unserer Fahrt zum Park, fuhren wird dann auch zwangsläufig an einigen der Trekking-Camps vorbei, die der Elephant Nature Park zu verhindern versucht. Jedes Mal, wenn wir einen Touristen auf einem Elefanten überholten, liessen die Leute im Auto ihrer Abscheu über die Praktik freien lauf. Wie können die so dumm und naiv sein? Wissen die nicht, was die da unterstützen? Schaut euch mal dieses widerliches Lachen an! Ignorante Arschlöcher. 

Elephant feeding time.

Nach einer Stunde Fahrzeit kamen wir dann mit einer ganzen Horde weiterer Reisenden im Park an und wurden schnell zu einem quadratischen, offenen Teil des Gebäudes geführt, wo die Elefanten täglich von den Besuchern gefüttert werden. Obwohl sich eine ganze Menge Leute an diesem Tag für einen Besuch entschieden hatten, fühlte sich der Park aber nie überfüllt an. Entsprechend unserer Ankunftsfahrzeuge wurden wir in kleine Gruppen unterteilt – ein Arrangement, welches den ganzen Tag beibehalten wurde.

Sobald die blauen Plastikeimer, bis zum Rand gefüllt mit Früchten und Gemüse herausgebracht wurden, kamen die Elefanten auch schon aus allen Himmelsrichtungen heranmarschiert. Jeder Besucher hatte darauf hin die Gelegenheit, die saftigen Früchte in den langen Rüsseln zu deponieren, die dann schnell und effizient die Nahrung in die grossen, kauenden Mäuler verfrachteten und sich ebenso schnell wieder auf die Suche nach mehr begaben. Nach der Fütterung spazierten wir durch den Park und konnten einige der Elefanten treffen und mehr über ihre traurigen Geschichten erfahren.

Die Mittagspause verbrachten wir damit, uns auf das köstliche, komplett vegetarische Buffet zu stürzen und hatten dann auch noch die Gelegenheit, einen freiwilligen Film über den Elephant Nature Park und die Situation der Elefanten in Thailand anzuschauen. Ich war froh zu sehen, dass viele der Besucher die Pause nutzten, um noch etwas mehr zu erfahren – auch wenn der Film ebenfalls nicht für zartbesaitete war. Anschliessend beobachteten wir die Elefanten beim Baden im Fluss und konnten selber noch einige Kübel Wasser auf ihre Rücken werfen. Die restliche Zeit war dann den süssen Elefantenbabies gewidmet.

Bathing the elephants.

Elephant feeding time.

Wieso nenne ich es ziemlich verantwortungsvoller Tourismus?

Obwohl ich den Elephant Nature Park liebe und es bewundernswert ist, was Lek und ihr Team erreicht haben, gibt es für mich auch einen Kritikpunkt, wobei meine Beschwerden jedoch hauptsächlich mit den Besuchern zu tun haben. Die gleichen Leute, die sich auf der Fahrt zum Park noch lauthals über die “ignoranten Touristen” auf den Elefanten ausgelassen haben, waren die ersten, die all ihre grossen Ideale zum Fenster raus geworfen haben, als sie die Chance hatten, selber einem Elefanten nahe zu kommen. Die haben sich für die perfekte Selfie-Position gegenseitig die Ellbogen in die Rippen gehauen – wahrscheinlich um dann später auf Facebook angeben zu können – und waren eher an ihrem Smartphone als an den beeindruckenden Elefanten vor ihnen interessiert.

Elephant selfie.

People swarming a baby elephant.

Death wish?

Todeswunsch?

Diese Individuen ignorierten auch sämtliche Regeln des Parks. Von denen gibt es nur einige wenige und die sind auch ziemlich simpel: Die Babyelefanten soll man nicht anfassen, man darf nicht hinter einem Elefanten sitzen oder stehen und kein Wasser in die Augen der Elefanten spritzen. Ich sah, wie diese Regeln wiederholt von den gleichen Leuten gebrochen wurden. Sie alle waren sichtlich eher daran interessiert, bei ihren Freunden angeben zu können, als den Elefanten und dem Park Respekt entgegenzubringen. Für mich waren die kein Stück besser als die elefantenreitenden Touristen ausserhalb des Parks.

Bei einer so beliebten Attraktion muss man natürlich immer damit rechnen, dass es unter den Besuchern auch einige schwarze Schafe hat, jedoch unternahmen die Mitarbeiter des Parks nicht viel, um diese Leute zurechtzuweisen und haben einige der Regeln nur flüchtig erwähnt. Ich hoffe, sie werden sich in Zukunft etwas aktiver zeigen und vermehrt durchgreifen.

Die Elefanten scheinen jedoch glücklich zu sein und werden mir viel Liebe und Respekt behandelt. Ich bin froh, dass ich den Elephant Nature Park gefunden habe und rate jedem Thailand Reisenden an, diesem auch einem Besuch abzustatten. 

elephant trunk and feet

elephant and its handler

elephant in the river

Washing time

baby elephant and its family

Baby elephant getting fed bananas

elephant skin

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

2 Responses

  1. Christina {MrsBerry}

    Das ist wirklich ein tolles Projekt. Schon allein um den Park und die Elefanten durch die Eintrittsgelder zu unterstützen, ist es einen Besuch wert. Den Tieren dann noch so nah zu kommen ist dazu ein feiner Bonus.
    Schöne Bilder hast du mitgebracht.

    Wenn ich mal in der Nähe bin, werde ich den Park auch besuchen.

    Liebe Grüße
    Christina

    Reply
  2. Frollein

    Hallo Tiffany,

    vielen Dank für diesen wichtigen und tollen Artikel!!!
    Wir haben auf unserer ersten Balireise auch ein negativ Beispiel von Elefantenresorts besucht, ohne vorher zu wissen wie schlecht mit den Dickhäutern umgegangen wird. Seither raten wir jedem Asien-Touristen von dem Besuch so einer Elefantenattraktion ab, um die Quälerei nicht zu unterstützen.

    Liebe Grüße,
    Julia

    Reply

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