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Ob man es jetzt Sternenfotografie oder Astrophotographie nennt, die Schönheit der Sterne einzufangen ist etwas, das du bei deinem nächsten Ausflug in die Wildnis keinesfalls verpassen solltest.

Meine Einstellungen:

Kamera: Canon 700D
Objektiv: Sigma 10-20mm f/4-5.6 super-wide
Ort: Captain’s Desert Camp, Wadi Rum, Jordanien

Blende: f/4.0
Belichtungszeit: 30 Sekunden
ISO: 200
Fokus: auf unendlich

Star Photography in Wadi Rum

Blende:

Für die Sternenfotografie braucht es viel Licht. Ich habe die Blendenzahl f/4.0 gewählt, da dies die weiteste mögliche Blendenöffnung ist, die bei dem verwendeten Sigma 10-20mm Objektiv bei einer Brennweite von 10mm möglich ist. Natürlich sollte bei dieser Art von Landschaftsfoto auch alles möglichst scharf sein. Eine weite Blendenöffnung kombiniert mit dem Fokus auf unendlich reduzieren jedoch die Schärfentiefe nicht, wenn sich keine Elemente im Vordergrund in unmittelbarer Nähe der Kamera befinden.

Hat man ein Vordergrundelement und möchte dieses, wie auch die Sterne, scharf abbilden, gibt es dafür folgenden Trick: Man macht zwei Aufnahmen mit der gleichen Blendenzahl, fokussiert aber beim ersten auf die Sterne – also unendlich – und beim zweiten auf das Vordergrundelement. Anschliessend kombiniert man die zwei Fotos in Photoshop.

Fokus:

Unbedingt manuell fokussieren, in kompletter Dunkelheit funktioniert der Autofokus der Kamera nämlich nicht. Ohne Vordergrundelement in unmittelbarer Nähe setzt man den Fokus auf unendlich (auf den meisten Objektiven die umgedrehte 8) und das Bild sollte überall gleichmässig scharf sein. Ansonsten schiesst man wie oben beschrieben zwei Fotos und macht sich anschliessend ans Photoshoppen.

Belichtungszeit:

Um herauszufinden, wie lange man maximal belichten sollte, verwendet man am besten die 500er-Regel: Teilt man 500 durch die Brennweite des Objektivs, gibt die resultierende Zahl die maximale Belichtungszeit in Sekunden an.
(Einige Quellen sagen 600, andere 450 – so oder so scheint 500 ein guter Durchschnitt zu sein.)

Ist die Belichtungszeit länger, entstehen durch die Bewegung der Erde Sternenspuren bzw. Startrails. Um ganz sicher zu gehen, dass die Sterne auch als scharfe Punkte und nicht leicht verschwommen abgebildet werden, setzt man am besten die Belichtungszeit noch ein wenig kürzer an, als die Formel ergibt. Ich habe 30 Sekunden gewählt, da dies ohne Fernauslöser bei meiner Kamera die maximale Belichtungszeit ist und ich nicht wollte, dass aufgrund der Verzerrung des super-wide Objektivs an den Rändern des Bildes Spuren entstehen.

Obwohl 30 Sektunden eine gute Zahl zur Orientierung ist, gilt diese Belichtungszeit natürlich nicht immer. Je länger die Brennweite des Objektivs, desto kürzer werden die Belichtungszeiten. Schiesst man also bei 20mm, sollte man höchstens 25 Sekunden belichten, und das wäre schon ziemlich an der Grenze.

ISO:

Wadi Rum ist eine Wüste praktisch ganz ohne Lichtverschmutzung. Entsprechend zeigt sich der Sternenhimmel hier besonders prächtig. Da die Sterne also in der ISO-Abteilung von mir keine zusätzliche Hilfe benötigten, wählte ich mit 200 eine niedrige ISO. In Kombination mit der weiten Blendenöffnung und der langen Belichtungszeit, wurden die Sterne auch so toll hervorgehoben, ohne die Qualität des Bildes durch Rauschen zu beeinträchtigen. Zusätzlich haben die Beduinen die Steinformation und die Zelte wunderschön beleuchtet – nicht zu hell und nicht zu dunkel – und dank der niedrigen ISO, wurden diese Elemente auch nicht überbelichtet.

Fotografiert man in der Nähe einer Stadt oder an einem Ort, wo die Sterne nicht so hell leuchten, muss die ISO dann schon auf mindestens 1000 angehoben werden. Vergleich mal mein Foto von Wadi Rum mit einer Aufnahme von Petra bei Nacht, wo ich durch die Lichtverschmutzung aus Richtung des Dorfes Wadi Musa und eines aufgehenden Mondes, die ISO bis 1600 hochkurbeln musste.

Petra by night

Stativ:

Es spielt keine Rolle, ob man Gehirnchirurg ist und die stabilsten Hände auf dem Planeten hat – bei der Sternenfotografie ist ein Stativ ein Muss, um die Kamera bei den langen Belichtungszeiten völlig still zu halten. Man könnte die Kamera auch auf den Boden oder eine andere stabile Fläche setzen, wobei dies natürlich nur suboptimal ist und man dann bei der Bildkomposition grössere Abstriche machen muss. Tu dir den Gefallen und nimm ein Stativ mit. Stelle die Kamera auf den 2-Sekunden-Timer ein, um Störungen durch das Drücken auf den Auslöser zu verhindern, oder noch besser, kauf dir einen Fernauslöser.

Location:

Obwohl die Milchstrasse beim Wadi Rum Foto direkt hinter mir lag, war die Kombination der erstaunlichen Felsformation und der beleuchteten Zelte einfach zu gut, um ignoriert zu werden. Ich entschied mich daher für ein paar Sterne weniger und stattdessen für eine schönere Bildkomposition.

Die Suche nach einer guten Location ist ein Schlüsselelement der Sternenfotografie. Ein Foto, worauf nur Sterne und ein flaches, leeres Feld zu sehen sind, ist langweilig – das Bild ist dann vielleicht annehmbar, aber sicherlich nichts herausragendes. Finde ein Element im Vordergrund, welches das Auge auf sich zieht und die Bildzusammensetzung interessanter macht. Das kann ein Gebäude sein, ein Berg, ein Baum, eine Strasse und und und. Vermeide zudem nicht nur Grossstädte, sondern auch kleinere Orte, denn auch schön Dörfchen können genügend Lichtverschmutzung produzieren, um die Fotos zu ruinieren. Also raus und ab in die Natur!


Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

4 Responses

  1. Manuela

    Danke für deine Tipps. Nachdem ich nun bei Nachtfotografie fleißig geübt habe, steht als nächstes definitiv der Sternenhimmel an. Mal sehen wie mir das gelingt 🙂

    LG
    Manuela

    Reply
  2. Carina

    Tiffany, Deine Seite ist ein Paradies für mich!
    Ich fotografiere leidenschaftlich gerne, bin aber ein absoluter Laie und oft frustriert, nicht das Ergebnis zu bekommen, das ich angestrebt habe!
    Tolle Erklärung!!
    Aber eins musst Du mir verraten… wie hast Du es geschafft, dass Dir in der Siq 30 Sekunden lang keiner ins Bild gelaufen ist?? 😀
    Liebe Grüße,
    Carina

    Reply
    • Tiffany

      Liebe Carina, vielen Dank für die tollen Komplimente, ich werde ja noch rot! Du tust aber deinen Bildern total unrecht, ich liebe deine Fotos und du hast ein wirklich gutes Auge fürs Fotografieren. Das mit dem Siq war ziemlich einfach: Ich liess die grosse Gruppe einfach vorangehen (die Leute hatten die totale Herdenmentalität) und schon nach fünf Minuten warten war ich komplett allein in der Schlucht.

      Reply

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