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Es ist ein regnerischer Morgen, als Tim Clancy, ein Amerikaner der vor gut 20 Jahren als Entwicklungshelfer nach Sarajevo gekommen ist und die Region nie verlassen hat und Kenan Muftic, ein bekannter Bergsteiger mit der Reputation eines echt harten Typen, mich in der Innenstadt von Sarajevo abholen. Ziel ist es, mir und einigen weiteren Journalisten die Highlights der Bosnien und Herzegowina-Teilstrecke des Via Dinarica Projektes zu zeigen.

Der Via Dinarica, der sich über 1000 km von Albanien den ganzen weiten Weg bis nach Slowenien erstreckt, ist ein Wanderweg der Superlative. Er ist treffend nach den Dinarischen Alpen benannt, einer Bergkette, deren Kalksteinspitzen sich durch den gesamten östlichen Teil des Kontinents ziehen. Das Via Dinarica Projekt existiert also schon von Natur aus, der Abenteuer-Tourismus Verband von Bosnien und Herzegowina hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, die Strecke mit Hilfe von Mitteln der UNDP und USAID für jedermann zugänglich zu machen. So muss man in Zukunft kein Profi-Bergsteiger mehr sein, um die ganze Strecke oder auch nur Teilabschnitte zu bewandern. Der Via Dinarica Wanderweg soll aber nicht nur als gigantischer multinationaler Wanderweg die Gemeinden und Länder verbinden, sondern ist auch ein grosser Schritt in Richtung der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus in der Region.

Via Dinarica team climbing the mountain of Maglic in the mist, Bosnia and Herzegovina. © Elma Okic

Das Via Dinarica Team erklimmt den Maglic Berg im Nebel, Bosnien und Herzegovina. 
© Elma Okic

Trail map © Via Dinarica

Karte der drei verschiedenen Wanderwege.  © Via Dinarica

Es ist nachhaltiger Tourismus in seiner wohl besten Form: Abgelegene Bergdörfer werden dazu ermutigt, mit kleinen Unternehmen Einkommen zu generieren und den Wanderern Unterkünfte, leckeres traditionelles Essen, Outdoor-Aktivitäten, die gelegentlichen Souvenirs und eine ganz neue Ebene der kulturellen Erfahrung und des Austausches zur Verfügung zu stellen. Reisende erleben im Gegenzug die wohl letzte grosse Wildnis Europas. Alles in allem soll der Wanderweg nicht nur diese wenig bekannte Region des Balkans fördern und die natürlichen Ressourcen schützen, sondern auch zur Erhaltung der Hochlandkulturen beitragen.

Es ist nachhaltiger Tourismus in seiner wohl besten Form: Abgelegene Bergdörfer werden dazu ermutigt, mit kleinen Unternehmen Einkommen zu generieren und den Wanderern Unterkünfte, leckeres traditionelles Essen, Outdoor-Aktivitäten, die gelegentlichen Souvenirs und eine ganz neue Ebene der kulturellen Erfahrung und des Austausches zur Verfügung zu stellen. Reisende erleben im Gegenzug die wohl letzte grosse Wildnis Europas. Alles in allem soll der Wanderweg also nicht nur diese wenig bekannte Region des Balkans fördern und die natürlichen Ressourcen schützen, sondern auch zur Erhaltung der wertvollen Hochlandkulturen beitragen.

Schon die Fahrt von Sarajevo in den Sutjeska Nationalpark, der an der Grenze zu Montenegro liegt und einer der schönsten Abschnitte des Via Dinarica ist, stellt sich als äusserst spannend heraus. Es war in diesem bergigen Gelände, wo Titos Armee im zweiten Weltkrieg mit einer brillanten Guerillataktik vor den vordringenden Deutschen fliehen konnte. Weit tragischer sind die Hinterlassenschaften des Bosnienkrieges. Häuser und Dörfer mit einer traurigen und bewegten Geschichte reihen sich hier aneinander. Ein Vergewaltigungszentrum, das Heimatdorf eines bekannten Generals und Orte von Massakern, Scharmützeln oder richtigen Gefechten. Die Stunden im Jeep sind gefüllt mit eindrucksvollen Landschaften, ein bisschen Geschichtsunterricht und vielen Informationen über das Via Dinarica Projekt.

Kenan Muftic looking towards the Valbona valley from Podi e Kolates, peak, 2556m, Albania. © Elma Okic

Kenan Muftic blickt vom auf 2556 m liegenden Podi e Kolates Gipfel auf das Valbona Tal, Albanien. 
© Elma Okic

Wir erfahren, dass Kenan Muftic, zusammen mit der Fotografin Elma Okic, gerade von einer dreimonatigen Expedition zurückgekehrt ist. Diese führte die Gruppe zu Fuss entlang der gesamte Länge des Via Dinarica. Kenan und seine Truppe dokumentierten und fotografierten den gesamten Weg, sammelten Marketingmaterial für die kommenden Monate, versuchten zu erkennen, wo Infrastrukturverbesserungen notwendig sind und wo die Herausforderungen liegen. Allem voran haben sie sich jedoch mit den Einheimischen beraten. Diese Einheimischen werden „Champions“ genannt, da sie jeden Winkel ihrer Region kennen und so bei der Entwicklung des Via Dinarica von unabdingbarer Hilfe sind.

Nach der Ankunft in Tjentise, einem kleinen Dorf, welches den Eingang zum Sutjeska Nationalpark markiert, erholen wir uns von der langen und kurvenreichen Fahrt durch die Bergstrassen im Tentorium Restaurant mit ein paar Gläsern Rakija. Der im Balkan beliebte Obstbrand kennen wir inzwischen gut und nennen ihn aufgrund seiner wärmenden Qualitäten liebevoll „Bosnisches Frühstück“. Anschliessend wickeln wir uns in einige zusätzliche Schichten aus Jacken und Handschuhen und fahren die Hänge des Berges Maglić hoch. Dort, so wird uns versichert, können wir zwischen den Nebelschwaden einen Blick auf den Perućica Urwald erhaschen. Perućica ist einer der zwei letzten verbleibenden Urwälder Europas und wird auf ein Alter von rund 20,000 Jahren geschätzt. Der Nebel lichtet sich nicht, aber zum Glück bleiben uns Elmas Fotos, die das wahre Potenzial des Via Dinarica und der wundervollen Aussichten, die auf dem Weg genossen werden können, zeigen.

The primeval forest, hidden in the mists.

Der Urwald, versteckt im Nebel.

Nach unserem kurzen Ausflug in den Wald, setzen wir uns wieder in die Jeeps und fahren höher, wobei sich der Regen schon bald in einen richtiggehenden Schneesturm verwandelt. Wir beschliessen, die Jeeps auf einer kleinen Erhöhung zu parken und einen Aussichtsturm zu besteigen, um eine bessere Aussicht auf die Bergwelt zu erhalten. Während wir auf dem Turm stehen, der Wind uns um die Ohren heult und sich die Schneeflocken auf den Köpfen häufen, erläutern uns Tim und Kenan ihre Vision von drei separaten Wanderwegen. Geplant sind der weisse Trail, der über die höchsten Gipfel der Dinarischen Alpen führen wird, der blaue Trail, der seinen Weg entlang der adriatischen Küste schlängeln wird und der grüne Trail, ein einfacherer Pfad durch die grünen Nadelwälder der östlichen Hänge. Die Wanderwege sind natürlich äusserst passend benannt, denn ich stehe auf dem weissen Trail und unter mir hat der Schnee die Berglandschaft in ein glitzerndes Gewand gehüllt.

Tim Clancy enjoying the snow storm.

Tim Clancy geniesst den Schneesturm auf dem Maglić Berg.

Tito's bungalow

Was von Titos Bungalow an den Ufern des Donje Bare Sees noch übrig geblieben ist.

Der Schneesturm kühlt uns bald bis auf die Knochen und wir beschliessen, mit den Jeeps zurück ins Tal zu fahren, um uns im Tentorium mit einer herzhaften Mahlzeit und einer weiteren Runde Rakija aufzuwärmen. Unser zweiter Ausflug in die Berge führt uns anschliessend auf den Berg Zelengora, die weniger schroffe Seite des Nationalparks. Dort liegt auch Titos ehemaliger Bungalow an den Ufern des friedlichen Donje Bare Sees. Damals ging es hier jedoch weniger idyllisch zu und her. Tito liebte es nämlich, von seiner Veranda aus auf die sich am Wasserloch versammelnde Tierwelt zu schiessen. Für unseren Besuch sieht der See jedoch aus wie ein Winterwunderland. Der Schnee fällt immer noch in Massen vom Himmel und inzwischen bedecken mehrere Zentimeter den Boden. Wir bleiben nicht lange, da es bereits dunkel wird und wir noch eine lange Fahrt zurück nach Sarajevo vor uns haben. Aber es war ein schöner und passender Abschluss einer sehr informativen und interessanten Reise in die Dinarischen Alpen. Eine Wanderung entlang des Via Dinarica empfehle ich jedoch in den wärmeren Monaten.

Hier sind noch einige von Elma’s wunderbaren Fotos, die sie auf ihrer dreimonatigen Wanderung entlang des Via Dinarica Weges gesammelt hat:

Village of Lukomir, Bosnia and Herzegovina.  At 1495m Lukomir is the highest and most isolated village in Bosnia and Herzegovina. © Elma Okic

Foto aus Lukomir, dem höchsten und isoliertesten Bergdorf in Bosnien und Herzegovina. 
© Elma Okic

© Elma Okic

© Elma Okic

Horses at Biokovo mountain Nature Park, Croatia © Elma Okic

Pferde im Biokovo Naturpark, Kroatien. 
© Elma Okic

Climbing up to Zla Kolata / Maja e Keq 2535m, from Valbona valley, Albania. © Elma Okic

Klettern auf dem Zla Kolata Gipfel und Maja e Keq, Albanien. 
© Elma Okic

3 Responses

    • Tiffany

      Ich danke dir, schön hat dir der Bericht gefallen. Habe ich dich jetzt zu einer 3-monatigen Wandertour im Balkan inspiriert? 🙂

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