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Mir sind heute drei Dinge passiert: Ich habe einige tolle Fotos einer Altstadt geschossen, ich habe viel zu viel schwarzen Kaffee mit Kondensmilch in einem charmanten französisch-angehauchten Café getrunken, welches mich mit kunstvoll arrangierten Puddings angelockt hatte und hatte beinahe einen Nervenzusammenbruch wegen einer alten Dame in einem Boot.

Hoi An ist eine hübsche Stadt voller alter Häuser im Kolonialstil, guten Restaurants und interessanten Streetfood Plätzen. Sie ist umgeben von üppig grünen Reisfeldern und ist ein Mekka für all diejenigen, welche die Garderobe aufstocken und sich etwas massschneidern lassen wollen. Hoi An ist einer dieser Orte, die zwar wahnsinnig schön, aber auch ziemlich überlaufen sind. Die Nachteile dieser Tatsache können vor allem entlang des Flusses genossen werden.

Women on the streets of Hoi An
Street in Hoi An

“Hello! Hello, Hello, Hello, Hello, Heeeelllooo! Hello?”

Die Frau auf dem Boot wiederholt das gleiche Wort immer und immer wieder, als wäre sie eine Schallplatte mit einem Kratzer. Ihr Tonfall wird dabei immer weinerlicher. Es ist wohl das einzige Wort, das sie kennt. Ich versuche sie zu ignorieren und gleichzeitig den Fluss zu fotografieren, beginne mich aber mit jedem Grusswort gereizter zu fühlen. Dennoch bin ich entschlossen, dieses Mal die stärkere Person zu sein. Dieses Mal würde ich nicht nachgeben, nur weil sich jemand ein wenig lästig aufführte. Ihre Stimmbänder müssen irgendwann mal nachgeben, oder? Ich verändere einige Einstellungen auf meiner Kamera, aber die hello’s reissen nicht ab. Schlussendlich möchte ich aber einfach nur noch, dass das Hintergrundgeräusch aufhört und drehe mich mit einem was-zum-Teufel-willst-du Blick um.

“You want boat?” fragt die Frau und gestikuliert wild in Richtung der wackligen Nussschale, in der sie sitzt.

Woman in a boat in hoi an

Ich bin mir sicher, dass sie beobachtet hat, wie ich vor ihr bereits 20 Verkäufer abgewiesen habe, bisher immer mit einem gezwungen Lächeln und einem “no thanks”. Vielleicht dachte sie aller guter Dinge sind 21. Vielleicht hätte ich sie alle ignorieren sollen.

“NO, I don’t want ANY of your boats,” rufe ich zurück und lasse das thanks dieses Mal aus. Ich hoffe, dass dank der Lautstärke die anderen Schlepper in der Umgebung auch endlich mitkriegen würden, dass ich wirklich kein Boot will. Wie üblich, hoffe ich vergeblich.

Nur zwei Sekunden vergehen, bevor ich ein weiteres “Hey! Miss! You want boat?” höre und ich nur noch rot sehe. Die ganzen Eindrücke der vielen Wochen und Monate in Südostasien, der Lärm, die Verkäufer, die einem alle fünf Meter aggressiv etwas andrehen wollen, das Geschrei, das ständige Bedrängt-werden und all die Menschen, die auf irgendeine Weise nervig sind fluten mein Gehirn.

“Oh just shut up!”

Ich bin über mich selbst schockiert. Habe ich gerade einer runzligen, alten vietnamesichen Oma gesagt, dass sie den Mund halten soll? Wahrscheinlich hat sie mich nicht verstanden. Dennoch verbringe ich die nächsten zehn Minute damit, mich einerseits schlecht zu fühlen und andererseits Brendan hysterisch zu erzählen, dass ich Asien nicht mehr ertrage.

Das Fazit, das ich aus dieser Geschichte ziehe? Ich brauche Kopfhörer.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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