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Zunächst war ich gar nicht beeindruckt von Angkor Wat. Später lernte ich die Tempelanlage zu schätzen. Aber alles der Reihe nach…

Als wir auf unserem für den Abend gemieteten Tuktuk aufs Tempelareal fuhren, kam ich auch schon in den Genuss der ersten Aussicht auf die berühmten Türme, die hinter Palmen und den rechteckigen Galerien in die Höhe stiegen. Angkor Wat sah so schön aus, wie es die Bilder versprochen hatten, meine Aufmerksamkeit wurde aber vor allem vom chaotischen Geschehen rundherum in Anspruch genommen. Die Brücke über dem Wassergraben war voller Menschen – ohne Witz, da sah man mehr Leute als Brücke – und die unmittelbare Umgebung war anscheinend in einen riesigen Parkplatz umgebaut worden, komplett mit Tuktuk-Gewühl und hunderten von Souvenir- und Essständen entlang der Strasse. Das berühmteste Örtchen innerhalb des Angkor Wat Archeological Park’s, der Angkor Wat selber, war meilenweit entfernt vom ruhigen Tempel, den ich mir in Gedanken ausgemalt hatte. Stellt euch einen typischen Touristen-Hotspot vor und multipliziert das Ganze dann mit… naja, einer Menge. Der Bereich um den Haupttempel in Angkor Wat bleibt bis heute der touristischste Ort, der mir je untergekommen ist.

The famous Angkor Wat sunrise shot.

Die berühmte Sicht auf Angkor Wat bei Sonnenaufgang.

Angkor Wat wird deine Geduld auf die Probe stellen

Ich kann mich nicht wirklich über zu viele Touristen beklagen, schliesslich bin ich ja eine von ihnen. Aber ich muss zugeben, dass mir mehr als einmal der Gedanke durch den Kopf flatterte, dass man die Anzahl der Besucher während einiger bestimmter Tageszeiten doch wirklich unbedingt limitieren sollte. Nach einem katastrophalen Sonnenuntergangserlebnis auf einem Hügel, bei dem ich mich nach 10 Minuten wieder auf den Rückweg begeben hatte, weil ich ausser tausend Köpfen gar nichts sehen konnte, stand als nächstes der Sonnenaufgang über dem Haupttempel Angkor Wat auf dem Programm.

The massive crowd at sunrise.

Echt jetzt? Die Menschenmenge am Teich.

Ich habe ja erwartet, dass es voll werden würde, aber was ich bei Sonnenaufgang beim Angkor Wat Tempel erlebt habe, glich eher einem gigantischen Menschenzoo. Hunderte Besucher säumten die Ufer eines kleinen Teiches vor dem Tempel, Kamera, iPads und alles dazwischen auf den noch dunklem Himmel und die Silhouette von Angkor Wat über dem Wasser gerichtet und die Ellbogen im Anschlag. Ich hatte Glück, dass ich durch Schlamm waten und noch einen Platz in der ersten Reihe ergattern konnte. Ich stellte also mein Stativ auf und schoss einige Bilder, ging aber früher als die meisten. Diese Entscheidung stellte sich als wahrer Segen heraus. Während sich die Menschenmassen noch draussen aufhielten, machte ich mich auf den Weg Richtung Tempel, um Angkor Wat von innen erkunden und hatte die Anlage für eine weitere halbe Stunde praktisch für mich allein. Ich wage zu behaupten, dass Angkor Wat auf der Innenseite – vor allem ganz ohne Menschen – genauso atemberaubend ist, wie auf der Aussenseite.

Wenn man den Sonnenaufgang über Angkor Wat sehen möchte, sollte man also folgendes tun:

Einige Beruhigungspillen einwerfen (kleiner Scherz). Nein ehrlich, man sollte so früh wie möglich an diesem Teich stehen, am besten eine Stunde vor Sonenaufgang, und sich einen Platz direkt am Wasser sichern. Die meisten Besucher erscheinen sehr früh und vor allem wenn man ein Stativ hat, will man auf keinen Fall ganz hinten stehen. Sobald man mit den Aufnahmen zufrieden ist, sollte man sich auf den Weg zum Tempel machen und diesen erkunden, wenn sich die grossen Menschenmassen noch draussen befinden.

An empty Angkor Wat around sunrise while everyone is still at the pond outside.

Der leere Angkor Wat Tempel kurz nach Sonnenaufgang.

Angkor Wat besteht aus mehr als nur dem Haupttempel

Zum Glück beschränken sich alle meine Beschwerden so ziemlich auf den Angkor Wat Tempel. Das berühmte Herzstück des Parks ist aber nur einer unter vielen Ruinen innerhalb des Angkor Wat Archeological Park’s und während Angkor Wat schön ist, haben mir doch einige der weniger bekannten Tempel wesentlich besser gefallen. Der Park erstreckt sich über 400 Quadratkilometer und auch wenn man einen ganzen Tag mit dem Tuktuk durch die Gegend hetzt, schafft man es trotzdem nur die Hälfte der Ruinen zu sehen, die sich aus den Überresten mehrerer Khmer Reiche zusammensetzen.

Bridge with Statues at Angkor Wat

Unmittelbar nach den überfüllten Sonnenuntergangs und Sonnenaufgangserlebnissen, hätte ich Angkor Wat beinahe als hoffnungsloser Fall abgeschrieben und hatte erwartet, dass der Rest des Parks ähnlich überrannt ist. Stattdessen wurde ich angenehm überrascht. Mit Ausnahme des ebenfalls ziemlich bekannten Tomb Raider Tempels, Ta Prohm, mit seien von Baumwurzeln überwachsenen Eingängen und Mauern, waren die meisten Tempel ziemlich bis komplett verlassen. Ich habe beobachtet, dass sich die meisten Besucher in Bussen fortbewegen, die abgesehen vom Gedränge um Angkor Wat nur einige wenige ausgewählte Stätten ansteuern.

Was ist also das beste Fortbewegungsmittel in Angkor Wat?

Man sollte auf jeden Fall auf die Busse verzichten. Abgesehen davon, dass man in grossen Gruppen durch die Ruinen gehetzt wird, überspringen diese viele der weniger bekannten Tempel. Fahrräder hören sich vielleicht gut an, das Klima in dieser Region Kambodschas ist jedoch erdrückend heiss und feucht und die Distanzen innerhalb des Parks sind riesig. Und als Ausländer ist es einem nicht erlaubt, einen Scooter oder ein Motorrad zu mieten. Am besten heuert man also für wenig Geld ein Tuktuk mit Fahrer an, der einem dann nach belieben den ganzen Tag durch die Gegend chauffiert. Die Fahrer kennen sich zudem gut aus und haben einige wirklich tolle Tipps auf Lager.

Ist Angkor Wat also die ganze Aufregung wert? Ich würde sagen absolut, obwohl Sunrise und Sunset unglaublich ärgerlich sind und man des öfteren mal Nerven aus Stahl benötigt. Im Park gibt es jedoch viel mehr zu entdecken, als nur die brühmte Silhouette dieses einen Tempels. Viele versteckte und eher unbekannte Tempel warten darauf, entdeckt zu werden und die Details an den Tempelfassaden, die Statuen und die Steinschnitzereien sind auf jeden Fall eine genauere Betrachtung wert. Man sollte darauf achten, viel Wasser zu trinken (man schwitzt da wie aus Kübeln) und nicht vergessen, ein langärmeliges Kleidungsstück mitzubringen. Achtung, Tücher/Schals sind nicht erlaubt, die Kambodschaner sind da trotz der erdrückenden Hitze besonders kleinlich.

Und jetzt werde ich aufhören zu reden und lasse diesen Artikel mit einigen weiteren Fotos aus Angkor Wat ausklingen:

The monkey temple is a bit out of the way but turned out to be my favourite temple of the bunch.

Another shot of the Monkey Temple

angkor wat-7

tree in the ruins

the details of Angkor Wat

Angkor Wat temple

the details of Angkor Wat

Tomb Raider temple

Tomb Raider temple

offerings at a temple

temple at Angkor Wat

overgrown entrance

4 Responses

  1. inka

    Uuuh, also, das hat mich einmal mehr abgetörnt. 🙁 Deine Bilder sind natürlich toll, ich würde das auch schon gerne mal selbst sehen, aber so langsam glaube ich, dass ich mir erstmal lieber was anderes anschaue, es gibt so viel zu entdecken auf der Welt, und TouristenMASSEN müssen das ja nicht unbedingt sein.
    Danke für diesen ehrlichen Artikel!
    /inka

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    • Tiffany

      Ja leider hat der Massentourismus Südostasien fest im Griff. Ich habe gerade noch von jemandem gehört, dass Angkor Wat im Herbst erträglicher sein soll, vielleicht wäre also diese Jahreszeit eher etwas für dich. Aber du hast Recht, die Welt hat zum Glück viele Alternativen zu bieten und ich werde mich dann auch bald mal aus Asien verabschieden und in etwas weniger überfüllte Gefilde übersiedeln 🙂

      Reply
  2. Thomas

    Hallo Tiffany

    Deine Tipps für die Sonnenaufgänge werde ich mir auf jeden Fall merken, danke!
    Echt tolle Bilder von Angkor. War ein Tag für dich genug oder sollte man mehr Zeit einplanen, erst recht als Fotograf?

    Reply
    • Tiffany

      Wenn du wirklich durch die Tempel hetzt kann man das wichtigste grundsätzlich an einem Tag sehen. Ich fand aber zwei Tage ideal, so kann man sich auch etwas Zeit nehmen und jeweils frühmorgens loslegen, wenn die Hitze noch nicht so extrem ist.

      Reply

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