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Die Halong Bucht, mit ihren über 1600 Kalksteininseln, die spektakulär aus dem grünblauen Wasser aufragen, ist zweifellos eine der beliebtesten Destinationen in Vietnam. Dementsprechend kann es da auch ganz schön voll werden. Selbst in der Nebensaison entladen Reisebusse haufenweise Touristen direkt in die Arme von Kundenfängern und Tourunternehmen, worauf die Herde dann die nächsten paar Stunden auf Boote gepfercht und quer durch die Bucht geschippert wird. Ich bin kein Fan von Menschenmengen und bin auch sehr ungern auf engstem Raum inmitten einer grossen Gruppe grossäugiger Touristen mit zu grossen Kameras gefangen. Nachdem ich also so einige schlechte Dinge über die Bootstouren gehört habe, war ich entschlossen, dass ich diesen Halong Bucht Aufenthalt anders angehen musste.

Cat Ba statt Halong Bay Town

Es war schwierig herauszufinden, wie Halong Bay am besten unabhängig zu bereisen ist. Alle Informationen drehten sich um die üblichen ein- bis mehrtägigen Bootstouren; Alternativen schienen, wenn überhaupt, äusserst spärlich vorhanden zu sein. Alles schien auf die Tatsache hinzudeuten, dass es die Halong Bucht abseits der ausgetrampelten Touristenpfade so einfach nicht mehr gibt. Dann habe ich Cat Ba entdeckt, die grösste Insel der Region und eines der einzigen bewohnten Eilande in der Halong Bucht, die zum Glück auch ein paar Unterkünfte zu bieten hat. Ich beschloss, dort für einige Tage mein Lager aufzuschlagen und alles andere vor Ort zu organisieren.

Kayaks in Halong Bay

Mit einer halben Tour durch die Bucht

Als ich mich in meinem Hotel in Hanoi nach einem Transport nach Cat Ba erkundigte, hatte die Dame an der Rezeption eine ziemlich gute Idee parat: Anstatt die schnelle Fähre via Hai Phong durch eine öde Landschaft zu wählen, solle ich mich doch einer der Bootstouren durch die spektakuläre Halong Bucht anschliessen, die mich dann nach ein paar Stunden ganz einfach auf Cat Ba absetzten würde. Auf diese Weise würde ich trotzdem noch einen Einblick in die Touren erhalten.

Der Trip zum Boot beinhaltete eine vierstündige Minibusfahrt (natürlich angepriesen als VIP Bus) auf den wahnsinnigen vietnamesischen Strassen und wie so oft in Asien, musste die Hälfte der Passagiere im Gang auf kleinen Spielzeugstühlen sitzen, sodass das Unternehmen so viele Passagiere wie nur möglich in das Fahrzeug quetschen konnte. Das Gedränge, kombiniert mit lauter und kitschiger asiatischer Musik, dem unaufhörlichen Gehupe, dem ständigen harten Bremsen und den Ausweichmanövern, machte das Ganze zu einer eher unangenehmen Erfahrung, als ich mich nach einer guten halben Stunde langsam unwohl zu fühlen begann.

Als ich es mir auf dem Boot endlich gemütlich gemacht hatte, war es spannend zu beobachten, wie die Touren eigentlich so operieren. Sie sind nicht mal so schlech, wenn man weiss, auf was man sich einlässt, macht eigentlich recht viel Spass und ist auch relativ entspannend. Raue Kalksteinspitzen, überwachsen mit grüner Dschungelvegetation, erheben sich überall aus dem Wasser. Schwimmende Dörfer ziehen vorbei, Frauen in Kegelhüten paddeln kleine Boote und ein Hund bellt die vorbeifahrenden Schiffe von einer schwankenden Plattformen im Wasser aus an. Die Boote sind langsam und haben Restaurants an Bord und ich habe den Grossteil der Fahrt mit einem Drink in der Hand und dem Beobachten der unglaublichen Landschaft verbracht.

Der Bootstrip selber ist ziemlich billig und hält bei verschiedenen Attraktionen, wo die Passagiere dann entscheiden können, ob sie an den Aktivitäten teilnehmen wollen, oder lieben auf dem Boot bleiben möchten. Es gibt die Option zu wandern, im Kayak rumzupaddeln, Höhlen zu erforschen, Klettern zu gehen oder in der Bucht zu schwimmen. Die meisten Aktivitäten kosten extra und die billige Tour kann dann schnell mal teuer werden. Natürlich wird das bei der Buchung öfters mal verheimlicht und die aufsässigen Kapitäne versuchen immer mal wieder die Touristen übers Ohr zu hauen. Ich wollte nicht unbedingt noch mehr Geld ausgeben und entschied mich ein schwimmendes Dorf zu erkunden, während die meisten anderen Teilnehmer kajaken gingen.

Women in their boats in Halong Bay, Vietnam

a floating village

Einen Scooter mieten, den Nationalpark entdecken und individuelle Bootstouren buchen

Der Rest der Reise nach Cat Ba war ziemlich ereignislos. Mit ein paar anderen Individualreisenden wurde ich schliesslich auf der Nordseite der Insel abgesetzt, wo wir dann nach längerer Wartezeit mit einem Bus ins Dorf gefahren wurden.

“Oooh, you stay five nights?” fragte mich der ungläubige Besitzer des Hotels beim Check. “Very long time!”

Sein Gesicht hatte bereits den typischen Ausdruck eines Asiaten angenommen, der einfach nicht verstehen kann, wie man so etwas überhaupt in Betracht ziehen kann.  Meine Nachforschungen hatten bereits ergeben, dass die meisten Reisenden als Teil einer Bootstour nur für eine Nacht nach Cat Ba kommen, und kaum jemand länger bleibt. Später fragte ich ihn, was es denn so für Möglichkeiten für Ausflüge ab Cat Ba gäbe und war erstaunt zu erfahren, dass man auch gut eine angepasste Bootstour buchen kann, speziell auf die eigentlichen Bedürfnisse zugeschnitten. Dafür muss man nur einige Leute zusammentrommeln, um die Kosten zu teilen.

scootering around Cat Ba

Cat Ba national park

Cat Ba ist durch die gleiche schroffe Natur aus üppig bewachsenen Kalksteinformationen geprägt, wie der Rest der Halong Bucht – eine dramatische Landschaft, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Es gibt schöne Wanderwege entlang der Küste und durch den Nationalpark in der Mitte der Insel. Am einzigen sonnigen Tag meines Aufenthalts in Cat Ba, haben ich und meine Begleiter einen Scooter gemietet, sind um die Insel gefahren und haben einfach alles erkundet, was uns vor die Räder kam. Wir wanderten im Nationalpark auf einem steilen Weg auf eine Felsformation, entdeckten einen verlassenen Turm und bestiegen die knarrende und schwankende Struktur natürlich trotz Schild mit “no entry” Aufschrift. Dann sassen wir alle für ein paar Stunden auf dem Gipfel, unterhielten uns mit anderen Reisenden und genossen die Aussicht über die grünen Berge.

Obwohl Cat Ba momentan noch ein Paradies ist, wo man als Reisender – vor allem in der Nebensaison – schon mal ziemlich alleine ist, befindet sich die Insel definitiv im Wandel. Ich sah eine Menge Baustellen, wo entlang der Küste Resorts und Hotels gebaut werden,  was darauf hinweist, dass sich dieses Juwel wohl in nächster Zeit in einen weiteren Hot-Spot der Region verwandeln wird.

 

*Der Kauf eines Bus-Boot-Bus Tickets in Hanoi schient die zuverlässigste und günstigste Variante zu sein, nach Cat Ba zu gelangen. Die gesamte Strecke ist abgedeckt und die Wahrscheinlichkeit ist tief, dass man irgendwo abgezockt wird. Ich zahlte 18$, was ich für einen ziemlich guten Deal hielt, da es die kleine Tour ja praktisch noch gratis dazu gab und ich einen ganzen Tag unterwegs war.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

Eine Antwort

  1. Ewald

    Wir waren im Januar vor drei Jahren in Vietnam und besuchten auch die mystische Halong Bay. Wir erlebten dieses Juwel praktisch Touristen frei!,
    Was mir auffällt ist, dass die wunderbaren Mahagoni Schunken mit ihren gemütllichen Innen Salons niergens auf deinen Fotos zu sehen sind. Gibt es sie womöglich nicht mehr?
    Das wäre ja ein Jammer!!!
    Dass sich soviel in nur so kurzer Zeit verändert ist einfach nur schade!!!!!

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