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Bevor ich mit dem Tutorial beginnen kann, muss zunächst eine Unterscheidung zwischen wilden und kommerziellen Höhlen gemacht werden. Wilde Höhlen sind genau das, was der Name schon sagt – wild. Es gibt keine Guides, kein Licht und keine Wege und Pfade. Sie sind viel schwerer zu fotografieren und ausserdem häufig auch recht gefährlich zu navigieren. Ich werde mich in diesem Tutorial jedoch auf kommerzielle Höhlen beziehen. Diese sind meist gut beleuchtet und Fotografen müssen sich in ihnen weder in der Dunkelheit den Kopf stossen, noch mit einer ganzen Reihe von Blitzinstallationen herumschlagen.

Die Reed Flute Cave in Guilin – zu Deutsch in etwa “Schilfrohrflötenhöhle” – ist eine solche kommerzielle Höhle und liegt ca. 5 km ausserhalb der Innenstadt von Guilin. Ihren poetischen Namen hat sie dem Schilf zu verdanken, welches ausserhalb der Höhle wächst und aus dem sich anscheinend Flöten fertigen lassen. Die über 180 Millionen Jahre alte Reed Flute Cave war schon im Jahr 800 während der Tang Dynastie gut besucht, was sich von den vielen Gedichten, die im innern der Höhle an die Wände gekritzelt sind schliessen lässt. Wiederentdeckt wurde die Höhle dann jedoch erst tausend Jahre später in den 1940ern, als eine Gruppe Flüchtlinge sie auf der Suche nach Unterschlupf in den Karstbergen fand. Die Reed Flute Cave ist eine faszinierende Welt der Kalksteinformationen und wie viele andere Höhlen in Asien, wird sie wunderschön in verschiedenen Farben beleuchtet. Fügt man da noch Wasser hinzu, in dem sich die Stalagmiten und Stalaktiten spiegeln, und man weiss gar nicht mehr, wo man zuerst hinschauen soll. Es hatte auch nicht viele Besucher in der Höhle und es war erlaubt ein Stativ mitzubringen. Die Schilfrohrflötenhöhle ist alles in allem ein grossartiges Ausflugszielt, welches man definitiv besuchen sollte, wenn man die Guangxi Provinz bereist.

Wie viel Ausrüstung habe ich mitgebracht?
Ich bin kein Fan davon, alles erdenkliche Zubehör rumzuschleppen und versuche daher, soweit es geht, für meine Fotoausflüge zu planen. Bei der Schilfrohrflötenhöhle wusste ich, dass ich eine grosse, weitläufige Höhle vor der Linse haben würde und montierte also das Sigma 10-20 Superweitwinkel Objektiv an meiner Canon 700D. Ein 18-55mm Standarzoom Objektiv hatte ich auch noch dabei, habe es aber schlussendlich nicht gebraucht.

Reed Flute Cave in Guilin, China

Canon 700D, Sigma 10-20 super-wide @ 10mm, ISO 100, f/11, 25 Sekunden.

Bessere Fotos mit RAW

Dies ist ein allgemeiner Foto-Tipp und beschränkt sich natürlich nicht ausschliesslich auf Höhlenfotografie. Wenn man Fotos im RAW-Format produziert, erhält man im Gegensatz zu JPGs viel mehr Daten für die spätere Nachbearbeitung. Im Rohdatenformat können mehr Helligkeitsstufen gespeichert werden, was bedeutet, dass mehr Töne von schwarz bis weiss aufgenommen werden. All diese zusätzlichen Details machen es wiederum einfacher, zum Beispiel Unter- oder Überbelichtung und den Weissabgleich in der Nachbearbeitung zu korrigieren. Und weil mehr Daten vom Sensor erfasst werden, führt eine spätere Bildbearbeitung auch nicht zu einer drastischen Verringerung der Qualität. Da Höhlen trotz Beleuchtung immer noch ziemlich dunkel sind, macht es RAW viel einfacher, später am Rechner noch einige Anpassungen vorzunehmen.

Bring Stativ und Fernauslöser mit

Um bei längeren Belichtungszeiten ein scharfes Bild zu erhalten, braucht man natürlich ein Stativ. Achte jedoch darauf, dass die Höhle deiner Wahl dies auch erlaubt. Manche Orte verbietet Stative ganz, in anderen kommt man nur mit Sonderbewilligung rein und wieder andere erlauben es, vor der Öffnung oder nach Feierabend mit Stativ zu fotografieren. Am besten informiert man sich vorab über die jeweiligen Regeln um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Falls eine Höhle kein Stativ erlaubt, kann man als Notlösung einen grossen Rucksack mitbringen und diesen als Unterlage für eine erhöhte und stabile Aufnahme verwenden. Fakt ist, dass Höhlen einfach zu dunkel sind und man ohne Stativ (oder ähnliches) die ISO so stark erhöhen muss, dass man mit einem verrauschten Bild und hohem Qualitätsverlust rechnen muss.

Ein Stativ ist also ein Muss, aber wusstest du, dass dein Finger auf dem Auslöser ebenfalls Schwingungen auslöst, die dein Foto etwas weniger scharf erscheinen lassen können? Um das zu vermeiden, hat man am besten einen Fernauslöser dabei. Wenn man keinen hat, kann man auch den 2-Sekunden Timer (gut) oder den 10-Sekunden Timer (besser) in den Kameraeinstellungen auswählen. Wer noch einen Schritt weiter gehen will, kann per Spiegelvorauslösung den Spiegel der Kamera vor der eigentlichen Aufnahme hochklappen und so weiter Schwingungen reduzieren.

Reed Flute Cave in Guilin, China

Canon 700D, Sigma 10-20 super-wide @ 10mm, ISO 100, f/11, 25 Sekunden.

Runter mit der ISO

Die ideale ISO-Empfindlichkeit hängt natürlich sehr von der Art der Höhle ab. Besucht man eine gut beleuchtete Höhle wie die Reed Flute Cave und darf sein Stativ mitbringen, hat man Glück und man kann die ISO gut auf 100 belassen. Um genügend Licht einzufangen, wäre in dunkleren Höhlen ohne Stativ hingegen ISO 800 oder höher angebracht. Wie immer gilt, je niedriger der ISO Wert, desto besser. Am besten machst du zunächst mal einige Testaufnahmen um herauszufinden, wie tief du gehen kannst und welche Einstellungen für deine Lichtsituation am besten funktionieren.

Bring ein Weitwinkel oder Superweitwinkel Objektiv mit

Einige Höhlen bestehen aus vielen engen Tunneln, meistens aber hat man es aber mit grossen, offenen Kavernen zu tun. Um die ganze beeindruckende Grösse einer Höhle einzufangen, bringt man am besten ein Weitwinkel, wenn nicht gar ein Super-Weitwinkel Objektiv mit. Ich hatte mein Sigma 10-20 Superweitwinkel Objektiv dabei und war froh, diesen grossen Winkel zu haben. Natürlich kann man auch schöne Kompositionen mit einem Zoom Objektiv finden, wenn man sich jedoch für ein Objektiv entscheiden muss, würde ich jedem ein Weitwinkelobjektiv ans Herz legen. Am besten entscheidet man sich vor dem Ausflug für ein Objektiv und bleibt dabei, denn in feuchten, staubigen Höhlen Objektive zu wechseln ist natürlich nicht ideal.

Fokussiere manuell

Wenn es zu dunkel ist, ist der Autofokus schnell verwirrt und weigert sich entweder ganz zu funktionieren, oder fokussiert auf den falschen Punkt, was zu einem unscharfen Foto führt. Selbst in ziemlich gut beleuchteten Höhlen würde ich das Risiko nicht eingehen und stattdessen einfach manuell fokussieren. Schalte dafür am besten Live-View auf dem Kameramonitor ein und verwende die Zoom Taste um so weit wie möglich an die Stelle reinzuzoomen, auf die du fokussieren willst. Dann spielt man so lange mit dem Fokus rum, bis das vergrösserte Bild auf dem Monitor scharf ist. Die Stelle sollte natürlich eingermassen gut beleuchtet sein. Wenn die Höhle zu dunkel ist, kann man eine kleine Taschenlampe zu Hilfe ziehen oder falls alles im Bild einigermassen weit weg ist, auch einfach auf unendlich fokussieren.

Verwende Formen, Schatten und Reflexionen zu deinem Vorteil

Beim Fotografieren in Höhlen dreht sich alles um die Bildzusammensetzung und die Suche nach interessanten Mustern und Formationen im Felsen. Oft gibt es Wasser und man kann die Spiegelung in das Bild integrieren, was ich in allen drei gezeigten Fotos auch tat. Man kann sehen, dass das untere Bild ähnlich ist wie das erste Foto, hier habe ich jedoch die Lichter am Rand des Weges miteinbezogen und schlussendlich ein Foto kreiert, das einer Szene aus einem Science Fiction Film gleicht.

Reed Flute Cave in Guilin, China

Canon 700D, Sigma 10-20 super-wide @ 14mm, ISO 100, f/11, 25 Sekunden.

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