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Ohne gültigen Führerschein in Bali rumzufahren ist logischerweise illegal. Um als Tourist legal einen Roller zu lenken, braucht man nämlich entweder einen internationalen Motorrad-Führerschein (nein, der normale Führerschein wie bei uns reicht nicht) oder muss sich auf dem Polizeiposten in Denpasar einen indonesischen Führerschein besorgen. Ziemlich simpel, wenn man denn gewillt ist, das benötigte Geld und die Zeit aufzuwenden. Für die meisten Reisenden ist das Ganze für ein paar Tage Ferien natürlich viel zu viel Aufwand und die Mühe einfach nicht wert, und seien wir ehrlich, da sieht man schliesslich Zehnjährige durch den Verkehr rasen und viele Indonesiere scheinen sich eigentlich selber kaum an die Verkehrsregeln zu halten.

Hier ist also die Anleitung dazu, wie man nicht von der Polizei erwischt wird und was man tun kann, wenn man doch aus dem Verkehr gezogen wird und ein Bestechungsgeld zahlen muss.

Scooter in Bali

Wie man in Bali einen Scooter mietet:

Scooter werden wortwörtlich an jeder Ecke vermietet, wobei sich natürlich das Verfahren von Geschäft zu Geschäft unterscheiden kann. Normalerweise muss eine Kopie des Reisepasses vorgelegt und einen Mietvertrag unterschreiben werden. Hingegen kümmert es die Verkäufer nicht, ob man einen gültigen Führerschein hat oder nicht, da ja schliesslich die wenigsten Touristen einen solchen vorweisen können und Geld verdient werden muss. Auf jeden Fall sollte man jedoch darauf achten, vor dem Unterschreiben eines Vertrages den Roller auf Schäden zu prüfen, denn sobald man das Gebäude verlassen hat, ist man für allfällige Schäden verantwortlich und haftbar.

Wir haben unsere zwei Roller mit Hilfe unseres Wohnungsvermieters gemietet und, trotz Hochsaison, einen mehr als fairen Preis erhalten. Wem das Feilschen nicht liegt, sollte daher die Unterkunft oder einen vertrauenswürdigen Einheimischen zu Hilfe ziehen.

Die üblichen Preise, die mit etwas Verhandlungsgeschick einfach erreicht werden können sind:

  • 50’000 Rupiah pro Tag
  • Rund 700’000 Rupiah für einen Monat

Was man tun muss, um bei der Polizei nicht aufzufallen

Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Polizisten sich liebend gern an stark befahrenen Strassenecken rund um und in Kuta strategisch positionieren um die ahnungslosen Touristen von der Strasse zu pflücken. Es ist schlicht und einfach die gängige Praxis, sich den kargen Lohn mit einer Flut von Bestechungsgeldern aufzubessern. Die Polizisten sind auf der Suche nach leichten Opfern, und wenn man in Bali mit dem neu erworbenen „I fucket Rhonda“ Shirt unterwegs ist und einen passenden Sonnenbrand und ein Stacheldrahttattoo zur Schau trägt, passt man natürlich perfekt auf den Stereotyp des dummen Touristen und somit ins Beuteschema.

Die Polizei scheint sich übrigens nur im südlichen Bali und in touristischen Zentren um die Verkehrsregeln (oder besser gesagt um die Bestechungsgelder) zu kümmern, gegen Norden und in anderen Teilen des Landes nimmt ihre Präsenz markant ab.

So vermeidet man es, aufzufallen:

  • Immer einen Helm tragen.
  • Sich nicht im Bikini oder Badeshorts in den Verkehr begeben und knappe Kleidung vermeiden. Keinesfalls oben ohne rumfahren und lieber mal die etwas konservativeren Stücke aus dem Schrank ziehen.
  • Auch wenn sich viele Einheimische nicht daran halten, darauf Acht geben, dass keine Verkehrsregeln gebrochen werden. Immer brav blinken, Ampeln und Einbahnstrassen beachten und keine gefährlichen Manöver abziehen. Trotz des chaotischen Verkehrs versuchen als selbstbewusster und kompetenter Fahrer aufzutreten.
  • Respektvoll sein, nicht rumbrüllen und keine aggressive Fahrweise zur Schau tragen.

Selbstverständlich kann man trotz aller Präventivmassnahmen natürlich die Hautfarbe trotzdem nicht verbergen. Wenn man jedoch die obigen Regeln befolgt, sollte man schon mal in der Lage sein, die meisten Begegnungen mit Polizisten zu vermeiden. Falls man trotzdem aus dem Verkehr gezogen wird, ist das eigentlich auch kein Problem, wenn man denn weiss, wie man sich verhalten muss. Brendan, Lauren und ich hatten uns mal gründlich verirrt und mussten an einer belebten Kreuzung anhalten um die Kartenapp zu konsultieren. Bei dem ganzen Chaos hatten wir jedoch glatt übersehen, dass wir direkt neben einem Polizeiposten angehalten hatten und wurden natürlich sofort umzingelt. Wir sind unversehrt und nur 5$ ärmer entkommen und haben eine wertvolle Lektion gelernt.

Brendan and I on a scooter

Was man tun muss, wenn man trotzdem aus dem Verkehr gezogen wird

  • Unwissenheit vortäuschen, den besten unschuldigen Gesichtsausdruck aufsetzen und behaupten, dass man nichts von einem internationalen Führerschein gewusst hat, da die Scootervermietung auch nichts dergleichen erwähnt hat. Die noch bessere Variante ist, zu sagen, dass man den Geldbeutel samt Führerschein zu Hause gelassen hat.
  • Der Polizist wird dann mit der üblichen Panikmache beginnen und hohe Bussen gegen die 1 Million Rupiah oder Gerichtsverfahren androhen. Du weißt, dass es absolut lächerlich ist und der Polizist weiss, dass er gerade eine x-beliebige Zahl aus der Luft gegriffen hat, aber hier geben die meisten Touristen aus Angst auf und bezahlen.
  • Man muss seinem Argument unbedingt treu bleiben und darauf bestehen, dass man unmöglich so viel bezahlen kann, da man nur ganz wenig Geld dabei hat. Die meisten Reisenden und Expats, die sich ein wenig auskennen, stecken speziell für die Bestechungsgelder eine 50’000 Rupiah Note in den Scooter. Zieh die Note raus und bestehe darauf, dass du nur diesen einen Schein dabei hast. 50’000 scheint der Durchschnitt zu sein und das Geld fliesst den Polizisten direkt in die Tasche – da wird nichts aufgeschrieben und keine Busse verteilt. Der Polizist wird nach einigen Minuten auf das Angebot eingehen.
  • Daran denken, immer respektvoll und höflich zu bleiben und sich fleissig zu entschuldigen. Nicht Angst bekommen und ruhig bleiben: Die Polizisten sind korrupt und wollen bloss Geld verdienen. Sie haben nicht wirklich vor, jemanden vor Gericht zu zerren. Ausserdem würde niemals ein Polizist mit dem Tourist zusammen den Geldbeutel holen gehen oder die Personalien überprüfen, das wäre viel zu viel Arbeit. Am Ende läuft alles auf das jeweilige Verhandlungsgeschick hinaus.

Noch eine kurze Nachbemerkung: Wir wurden in einem Monat insgesamt drei Mal aus dem Verkehr gezogen. Das erste Mal, als wir dummerweise vor dem besagten Polizeiposten anhielten und zweimal von Polizisten auf Motorrädern, die unsere weisse Haut erspäht hatten und sich einfaches Geld erhofften. Einmal zahlten wir ein Bestechungsgeld von 50’000 (5$), zwei weitere Male kamen wir ohne „Busse“ davon. Im Wissen, dass wir nur wegen unserer Hautfarbe angehalten wurden, bestanden wir ausdrücklich darauf, zu erfahren, welche Verkehrsregel wir denn verletzt hätten und betonten immer wieder, dass wir nur angehalten wurden, da wir offensichtlich Ausländer waren. Natürlich konnte keine logische Erklärung geliefert werden und – nachdem sie bemerkten, dass wir keine leichten Opfer sein würden – gaben die Polizisten jeweils nach einer Minute auf und liessen uns mit einer „Warnung“ ziehen.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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