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In nur wenigen Tagen geht für mich mein erstes wirklich langes Reiseabenteuer los. Es ist die Art von Abenteuer, bei der man ausser den 20kg Gepäckfreigabe nichts mehr besitzt und die ganze Welt erkunden geht. Auf jeden Fall werde ich für bis jetzt unbefristete Zeit in Europa und Asien unterwegs sein.

Ich war nie so ein Messie, aber das Zeug sammelt sich halt einfach an, wenn man längere Zeit am gleichen Ort lebt. Die Staubfänger häufen sich und plötzlich fühlt man sich von der Postkarte, welche die beste Freundin vor Jahren mal gesendet hat, oder vom billigen Schmuckstück, welches man mal zum Geburtstag gekriegt aber nie gemocht hat emotional abhängig. Früher hatte ich immer eine Unmenge Ausreden wie „das war doch ein Geschenk! Das kann ich nicht wegwerfen!“ parat oder habe den platzenden Kleiderschrank mit „vielleicht werde ich das ja noch irgendwann anziehen“ gerechtfertigt. Es war hart, aber schlussendlich habe ich es geschafft, das ganze Zeug loszuwerden und mich dabei auch noch gut zu fühlen.

Und so geht’s:

Where to next?

1. Werde die Wohnung los

Für etwas zu bezahlen, das man gar nicht braucht, kann sich niemand erlauben. Ausser vielleicht die Superreichen. Meine ehemalige Mitbewohnerin und ich haben daher beschlossen eine Nachmieterin für mich zu suchen. Der ganze Prozess war nicht einfach und es hat einige Wochen gedauert, bis wirklich alles erledigt war. Es musste eine Anzeige auf einer lokalen Website aufgegeben werden, Bewerber aussortiert und zur Wohnungsbesichtigung eingeladen werden und schlussendlich musste die Nachfolgerin ausgewählt und die Übergabe mit der Verwaltung organisiert werden.

Der Wohnungsmarkt in Zürich ist auch heute noch so dermassen ausgetrocknet, dass ich mich noch genau daran erinnern kann, wie es war, als ich mich damals kurz vor Unibeginn verzweifelt um eine Wohnung bemüht habe. Ich stand in endlos erscheinenden Schlangen für Wohnungsbesichtigungen an, fühlten mich zunehmend entmutigt, wenn wieder mal hundert Leute mit mir warteten und war nach jeder Absage verzweifelter. Einmal wurde ich sogar fast Teil einer richtigen Treppenhausschlägerei, als sich einige andere Interessenten wegen eines Antragsformulars prügelten. Als ich nach Monaten endlich eine Wohnung an guter Lage fand, habe ich mir geschworen, dass ich nie nie wieder aus dieser Wohnung ausziehen würde. Nie!

Als mir vor einiger Zeit bewusst wurde, dass ich die Wohnung definitiv aufgeben würde, schlichen sich natürlich Gedanken wie „was wenn du zurück willst? Du wirst nie mehr so eine tolle Wohnung finden!“ ein. Wenn du weisst, dass du eines Tages zurückkehren willst, gibt es immer die Möglichkeit dein Zimmer, die Wohnung oder das Haus unterzuvermieten. Ich wollte jedoch frei sein und mich nicht um eine Wohnung eine halbe Welt entfernt kümmern müssen, wenn ich gerade dabei bin in andere Kulturen einzutauchen und Spass zu haben.

Ich habe mich für den harten Schnitt entschieden, vor allem da es für mich von Anfang an klar war, dass ich nie mehr nach Zürich zurückkehren werde. Ich habe mich dort nie zuhause gefühlt. Aber – und darum habe ich das hier als erstes aufgelistet – stelle sicher, dass du genügend Zeit hast deine Wohnungssituation zu klären, bevor du zu deinem grossen Abenteuer aufbrichst.

Vergiss ausserdem nicht, TV und Internet zu kündigen und alle Briefpost wie Zeitungsabonnements an die alte Adresse abzubestellen. Ich habe meinen offiziellen Wohnsitz wieder bei meinen Eltern und jegliche Post, wie Bankkorrespondenz oder amtliche Schreiben, wird an diese Adresse geschickt. Ich schlage vor, dass du mit einer Person, der du vertraust, etwas ähnliches arrangierst.

To keep or not to keep?

2. Abfall, Abfall, Abfall

Wenn du entscheidest auf Langzeitreise zu gehen, wirst du bald feststellen, dass du einfach viel zu viel Zeug besitzt. Abgesehen von einer Kiste voll mit sentimentalen Erinnerungsstücken (wie Fotos, alte Schuljahrbücher, ein wunderschönes Schmuckkästchen aus Holz, welches mir eine Freundin mal aus Nepal mitgebracht hat und weitere Souvenirs, Geschenke und geliebte Gegenstände) sowie meinen geliebten Büchern und einigen Kleidungsstücken, habe ich beschlossen alles wegzugeben. Meine Eltern haben sich bereit erklärt, meine wenigen verbleibenden Sachen auf dem Dachboden zu verstauen, aber abgesehen davon besitze ich in nächster Zeit nur noch das, was in einen Koffer passt.

Um die Spreu vom Weizen zu trennen habe ich ein radikales System eingesetzt: Ich habe einen Abfallsack (der wiederholt weggeworfen und ersetzt werden musste), einige Spenden-Boxen, sowie eine einzige Kiste aufgestellt, in der ich die Dinge verstauen würde, die ich beschloss zu behalten. Um mich selber zu zwingen meine zukünftigen wenigen Besitztümer mit Bedacht auszuwählen, habe ich mir nur erlaubt diese eine Kiste zu füllen.

Schlussendlich habe ich so mehrere Nachmittag umgeben von Kartonschachteln und knietief in altem Mist verbracht. Oft wurde ich beim Wegwerfen einer alten Geburtstagskarte richtig sentimental oder verlor plötzlich die Zeit aus den Augen und verbrachte Stunden mit dem Durchblättern alter Fotoalben. Ich muss zugeben, es ist ein emotionaler Prozess, aber gleichzeitig auch unglaublich befreiend. Erst als alles vorbei und die letzten Kisten gespendet waren, fühlte ich mich, als wäre ein riesiges Gewicht von mir abgefallen. Ich habe realisiert, dass mich all das alte, und hauptsächlich nutzlose Zeug nur festgebunden hat und dass ich mich viel zu lange an solch unbedeutende materielle Sachen geklammert habe.

Ich habe beschlossen, von nun an nicht mehr Besitztümer, sondern nur noch Erinnerungen zu sammeln.

3. Verkaufen

Das Einzige, das ich beschlossen habe zu verkaufen, waren meine Möbel. Ich gebs zu, ich bin einfach viel zu faul um den riesigen Aufwand zu betreiben, der mit dem Verhökern des ganzen Plunders auf Ebay einhergeht. Und diese in anderen Ländern so beliebten und erfolgreichen Garagenflohmärkte haben es nie wirklich in die Schweiz geschafft. Ich habe also nur die grossen und wertvolleren Stücke verkauft und den Rest gespendet. Das nenn ich mal gutes Karma durch Faulheit!

4. Versicherung

Während es Pflicht für alle Schweizer ist eine Grundversicherung bei einer Krankenkasse abzuschliessen, ist das Schweizer System schrecklich chaotisch, frustrierend und verwirrend. Es gibt eine gefühlte Million verschiedener Versicherungen, Selbstbehalte, Ausschlüsse, Einschränkungen und Ergänzungsleistungen. Da soll mal noch einer den Durchblick haben. Ich hoffe, dass wo auch immer du herkommst die Sache einfacher ist, aber seien wir ehrlich, der Umgang mit Krankenversicherungen scheint so ziemlich überall mühsam zu sein.

Ich bin keine dieser Hardcore-Reisenden, die sich versucht ohne Versicherung durchzuschlagen, da hätte ich ehrlich gesagt einfach zu viel Angst.  Die Schweiz zwing mich sowieso eine dieser sauteuren Versicherung abzuschliessen, darum musste eine „günstige“ und für mich gute Option her. Ich habe sichergestellt, dass ich eine weltweite Deckung habe und eine Reiseversicherung hinzugefügt.

 

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

2 Responses

  1. simone

    WOW! Das ist so toll und ich beneide alle Personen, die das geschafft haben. Ich reduziere aktuell auch bereits meinen Hausstand und es ist tatsächlich befreiend. Arbeitest du freiberuflich im Online Marketing oder verdienst du ausschließlich durch deinen Blog dein Geld?

    Alles Liebe für deine Reisen! :))
    LG Simone

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    • Tiffany

      Vielen Dank für deinen Kommentar Simone. Ich arbeite nicht mehr im Online Marketing – den Job hab ich dermassen gehasst, dass er mich zum Bloggen getrieben hat 😉 Jetzt bin ich selbständig und verdiene teils mit dem Blog und auch mit viel Freelance Arbeit (meist Schreiben und Design) meine Brötchen. Viel Glück noch bei der Hausstand-Reduktion und happy travels!

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