This post is also available in: Englisch

Ich bin mir sicher, dass die Plitvicer Seen eigentlich ein ziemlich toller Ort sind. Für mich waren sie jedoch vor allem eines: ziemlich neblig. Der ganze Ausflug war zwar wunderschön, hat mich aber nicht wirklich aus den nassen Socken gehauen. Wie jetzt? Irgendwo hast du wahrscheinlich über die unwirkliche Landschaft mit den hunderten Wasserfällen, den tiefblauen Seen und den dichten Wäldern im Zentrum Kroatiens gelesen. Du hast gehört, dass das UNESCO Welterbe zu einer der schönsten Naturlandschaften der Welt zählt und dir Bilder der atemberaubenden Aussichten angeschaut. Du hast den Nationalpark an die Spitze deiner Bucketlist gesetzt und hast dir fest vorgenommen, den Ort eines Tages zu besuchen. Und hier bin ich und sage, dass es mich nicht umgehauen hat?

Der Nationalpark ist weit davon entfernt, schlecht zu sein, er ist sogar unglaublich eindrucksvoll und pittoresk. Ich empfehle jedoch jedem, die Plitvicer Seen in einer der schöneren Jahreszeiten zu besuchen und den Aufenthalt gut zu planen.

Ansonsten kann es passieren, dass die Plitvicer Seen so aussehen:

Misty Plitvice Lakes

Ich gebe zu, Schönheit ist auch in diesem Bild zu finden. Für mich ist schliesslich ein verregneter Tag in einem Nationalpark, immer noch einem sonnigen Tag in der Betonhölle einer Grossstadt vorzuziehen. Der Bleder See und die Plitvicer Seen gaben mir wieder Raum zum atmen. Waren doch einige Tage in einem Nationalpark alles, was ich in in letzter Zeit wollte.

Brendan und ich verspürten den Drang, den Städten zu entfliehen und unsere Köpfe wieder mal in der Natur durchzulüften. Wir buchten daher bei unserer Zagreber Unterkunft, dem Hostel Day and Night, einen Tagesausflug zu den bekannten Plitvicer Seen. Begleitet von der allgegenwärtigen osteuropäischen Vorliebe für kitschige Popmusik, unserem Fahrer und ein paar wenigen anderen Reisen, fuhren wir frühmorgens los Richtung Nationalpark. Die Stimmung war gut und es wurde fleissig zur den Hits auf dem iPod unseres kroatischen Fahrers mitgesungen. Ich fühlte mich, wie auf einer 90ies Karaoke-Tour.

Aber später, während ich durch die Nässe der Plitvicer Wälder stapfte, war ich weniger glücklich. Hier war ich also, in einem der schönsten Nationalpärke des Planeten und ich konnte absolut nichts sehen. Nix. Nada.

wooden walkway plitvice lakes

Die Informationen, welche uns im Park gegeben wurden, waren ziemlich schlecht bis irreführend. Die Dame am Eingang schickte uns auf eine zweistündige Wanderung durch den Wald, wenn es eigentlich einen Bus gegeben hätte, der uns schneller zu den berühmten Wasserfällen geführt hätte. Bis wir schlussendlich die tatsächlichen Sehenswürdigkeiten erreicht hatten, waren Mensch und Ausrüstung bereits ziemlich durchnässt und wir waren schon ziemlich mürrisch drauf. Auf den wenigen Schildern, die eigentlich den Weg weisen sollten, fehlte jegliche Art von Distanzangaben, es gab keinen Busfahrplan und die kleine Karte, die uns ausgehändigt wurde, war ziemlich nutzlos. Wir improvisierten also, und wären dabei fast verhungert.

Es war nass und kalt, und zu allem hin war auch noch keine Essgelegenheit im Umkreis von 10km zu finden. Brendan und ich hatten den Park mit der Absicht betreten, uns in einem der Restaurants zu verpflegen und hatten schlicht und einfach nicht erwartet, dass bereits alles geschlossen sein würde. Wir begannen mit einem zunehmend flauen Gefühl im Magen zu realisieren, dass wir den Tag wohl mit nur einem Apfel im Magen durchstehen müssen. Für einen Moment haben wir uns überlegt zu Angeln. Oder auf die Jagd zu gehen. Oder an Ästen zu kauen.

wooden walkway plitvice lakes

Ich bereue den Trip jedoch keinesfalls. Zwischen dem endlosen Nebel und dem stundenlangen Wandern durch die Wälder, ohne viel zu sehen, habe ich doch kleine Einblicke in einen wunderschönen Nationalpark erhalten. Viele der Bereiche des Parks sind, trotz des trostlosen Wetters in dieser subobtimalen Jahreszeit, einfach nur unglaublich und beeindruckend. Holzstege schlängeln sich entlang des Wassers und eine Vielzahl von Wasserfällen stürzen über Hügel und Klippen. Aufgrund langer und heftiger Regenfälle im November, wurden viele der Pfade überschwemmt oder zumindest teilweise unter Wasser gesetzt.

Was mich natürlich nicht davon abhielt, es trotzdem zu probieren. Pfad geschlossen? Hält mich nicht auf. Pfad überschwemmt? Eh, ist ja nur Wasser. Pfad zwei Meter unter Wasser? Besser mal die Schuhe ausziehen. Mit der Sicht so schlecht, wie sie war, wollte ich trotzdem das Beste aus dem Tag machen, auch wenn dies bedeutete, dass ich beim Fotografieren dieser schönen Holzstege vor den Wasserfällen nasse Socken kriegte.

waterfall plitvice lakes

Liebe Leser, wenn ihr jetzt diese zugegebenermassen schönen Fotos betrachtet, denkt an den Preis, den ich dafür bezahlen musste. Die Tortur beinhaltete die ständige Angst um das Leben meiner elektronischen Ausrüstung, das ununterbrochene Abwischen von Objektiv und Kamera, das hin und her Rennen ihm Zickzackmuster um das Schlimmste zu vermeiden, ziemlich nasse Socken und einen komplett leeren Magen. Es wurden auch eine Menge Fluchwörter durch die Gegend geworfen.

Aber sogar die Spaziergänge entlang der grossen Seen und die Wälder, die eigentlich nur dazu dienten die Wasserfälle zu erreichen, waren, obwohl eher langweilig und zeitaufwändig, eigentlich doch recht schön:

Plitvice Lakes

Woods at the Plitvice Lakes

Tipps für die Plitvicer Seen:

  • Nimm den Bus und fragt nach dem Busfahrplan am Eingang! Zwischen den Haltestellen gibt es nicht allzu viel zu sehen und man kann sich stundenlanges rumwandern auf endlosen Strassen ersparen. Die Distanz zwischen den Wasserfällen ist ziemlich gross und sollte auch keinesfalls unterschätzt werden. Ausser natürlich, man hat einige Tage Zeit und ist zum Wandern dort. Wenn du dich jedoch auf einem Tagesausflug befindest und so viel wie möglich sehen möchtest, ist der Bus praktisch unverzichtbar.
  • Schau dir eine Karte des Nationalparks an bevor du loslegst und plane deine Route.
  • Nimm ein Picknick mit, sonst kann es gut sein, dass du verhungerst.

Plitvice Lakes Waterfalls

Plitvice Lakes Waterfalls

Plitvice Lakes Waterfalls

 

2 Responses

  1. Fabienne

    Hallo,

    ich finde deine Bilder aber auch atemberaubend. Es ist mal was anderes die Seen im Nebel zu sehen, statt bei vollem Sonnenschein.

    Liebe Grüße

    Reply
    • Tiffany

      Vielen Dank Fabienne! Ja, die Seen und Wasserfälle sind definitiv auch im Nebel wunderschön, und das mystische Setting macht das Ganze noch etwas spannender. Aber meiner Kamera-Ausrüstung hat die Nässe gar nicht gefallen 🙂

      Reply

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

CommentLuv badge