This post is also available in: Englisch

Schneebedeckte Berge erheben sich hinter den roten Dächern einer Burg und ein See glitzert dunkelblau, eingebettet zwischen sanften Hügeln. Stürmische Wolken spiegeln sich in der aufgewühlten Oberfläche des Wassers. Mittendrin: eine kleine bewaldete Insel mit Kirche. Ich bin in Bled, Slowenien, weit weg von Europas geschäftigen Grossstädten und heute mache ich mich endlich auf den Weg zurück in die Natur.

Die Reste des Herbstes hängen noch an den Bäumen, obwohl starke Windböen die bunten Blätter in alle Himmelsrichtungen verteilen. Alles ist ruhig, hat doch der aufkommende Sturm und die Kälte die meisten Bewohner, sowie die letzten verbleibenden Touristen einer ansonsten geschäftigen Touristendestination, in ihre Unterkünfte getrieben.

Bled Castle in front of mountains

Ich ziehe den Reisverschluss meiner Jacke etwas höher, verknote die bunten Bändel einer ausgeliehenen peruanischen Kappe unter meinem Kinn und stopfe die behandschuhten Hände wieder in meine Taschen, während ich resolut in meinen schweren Wanderschuhen und mit der Fotoequipment auf dem Rücken auf mein Ziel zustapfe. Ich sehe aus wie ein gepolsterter Zwerg. Obwohl, die ganze Ausrüstung hält mich warm, fügt etwas Gewicht hinzu und verhindert, dass ich von den Windböen in die angrenzenden Felder geblasen werde.

Mein Ziel ist die Vintgar Schlucht, ca. 4km von Bled entfernt und – so habe ich gehört – ein wahres Wunder der Natur, das auf keinen Fall verpasst werden sollte. Die Touristenbusse haben ihren Service schon vor Wochen eingestellt, es bleibt mir also nichts anderes übrig, als meine Beine zu benutzen und die Distanz zu Fuss zurückzulegen. Abgesehen von einem Pferd, einem ziemlich unfreundlichen bellenden Hund und den gelegentlich vorbeirauschenden Autos, sehe ich niemanden. Selbst die kleine Hütte, wo man in der Regel die Nationalparkgebühr zu bezahlen hat, ist verlassen und verriegelt.

Hut in the Vintgar Gorgre

Die Bäume um mich herum biegen sich im Wind und ich erinnere mich an eine halb-vergessene Warnung meiner Eltern, Wälder bei einem Sturm nicht zu betreten. Ich zucke jedoch bloss mit den Schultern, ignoriere die verlassene Hütte, freue mich über das eingesparte Geld und mache mich auf den Weg. Ein mit Blättern übersäter, nasser Holzsteg windet sich entlang der Schlucht und verschwindet in der Ferne hinter einem Fels.

Sobald ich mich jedoch durch hüfthohe Haufen von Laub kämpfen muss und mich zwei Förster anschauen, als hätten sie einen Geist gesehen, dämmert es mir, dass der Park wohl geschlossen ist. Erneutes Schulterzucken – ich freue mich, den Ort für mich alleine zu haben. Die Schlucht ist so schön, wie mir versprochen wurde, mit leuchtend grün-blauem Wasser, rauschenden Wasserfällen, kleinen Holzstegen, schmalen Wegen und hohen Klippen. Der Kampf gegen die riesigen Laubberge macht Spass und hält warm, obwohl das kalte Wasser stets nur einen unvorsichtigen Schritt entfernt ist.

Bled

Vintgar Gorge

Nach meiner Wanderung durch die Schlucht beschliesse ich, zu Fuss zurück nach Bled zu marschieren und dann noch den See zu umrunden. Viele Artikel wurden schon über Bled und die berühmte Insel im See geschrieben und viele Fotos geschossen, es ist die wohl beliebteste Touristenattraktion Sloweniens. Die Landschaft sieht tatsächlich aus, als wäre sie soeben einem kitschigen Märchen entsprungen. Ohne euch jetzt weiter mit Beschreibungen zu langweilen – der Ort ist ziemlich spektakulär.

Bled-9

Die meisten beliebten Aktivitäten, wie das Mieten von Ruderbooten, Kajaken, Paragliding und Schwimmen haben offensichtlich bereits für den Winter dichtgemacht. Dies lässt mir und den wenigen anderen Besuchern in der Nebensaison, abgesehen vom Wandern und dem Betrachten der schöne slowenische Landschaft, nicht viel zu tun. Wandern reicht wenn ich ehrlich bin, eigentlich auch aus und man kann sich gut ein paar Tage damit beschäftigen. Ein Pfad schlängelt sich über 6km entlang des Wassers des Bleder Sees und nimmt weitere 90 Minuten in Anspruch. Lediglich ein paar Enten sind unterwegs, die ihre Köpfe tief unter die Flügel gesteckt haben und dem Wetter mit Tiefschlaf trotzen. Der Wind weht konstant stark, zum Glück bleibt das Wetter jedoch ansonsten stabil und nur einige vereinzelte Regentropfen verirren sich vom Himmel.

Und hier das weitere Resultat, entstanden dank meines unbefugten Eindringens in einen Nationalpark und einer Tageswanderung durch die sturmgepeitschte slowenische Landschaft:

Vintgar Gorge

Vintgar Gorge

Duck in Bled

Island Lake Bled

Lake Bled

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

CommentLuv badge